Coronavirus RKI sieht Höhepunkt der Omikron-Welle überschritten

RKI-Chef Wieler sieht den Höhepunkt der Omikron-Welle zwar überschritten und auch Bundesgesundheitsminister Lauterbach freut sich über fallende Inzidenzwerte. Freude will bei beiden wegen hoher Todeszahlen und düsterer Prognosen für den Herbst aber nicht aufkommen.

RKI-Chef Lothar Wieler und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach
RKI-Chef Lothar Wieler und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Bildrechte: dpa

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sieht den Höhepunkt der Omikron-Welle überschritten. Mit Blick auf absinkende Fallzahlen und Sieben-Tage-Inzidenzen sagte Wieler: "Das sind sehr gute Nachrichten für uns alle." Zugleich wies er aber auf bestimmte Landkreise mit noch immer extrem hohen Inzidenzen und zahlreichen Personalausfällen durch Infektionen, Quarantäne und Isolation hin.

Inzidenzen sinken

Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Freitagmorgen mit 1.181,2 an. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 1.586,4. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 175.263 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche waren es 252.530 Ansteckungen.

Bundesgesundheitsminister Lauterbach richtete den Blick bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Wieler indes bereits auf den Herbst. Er sieht nach dem Scheitern der Corona-Impfpflicht im Bundestag die Notwendigkeit wieder stärkerer Schutzmaßnahmen im Herbst.

Lauterbach erwartet Herbst-Welle

Mit den jetzigen Regeln des Infektionsschutzgesetzes werde man mit Sicherheit nicht über die Runden kommen, sagte Lauterbach mit Blick auf zu erwartende höhere Infektionszahlen.

Angesichts der nun weiter bestehenden Impflücke könne man etwa nicht ohne eine Maskenpflicht in den Herbst hineingehen. Lauterbach verwies darauf, dass das Gesetz ohnehin angegangen werden müsse, da es zum 23. September auslaufe. "Der Spielraum für Lockerungen ist komplett aufgebraucht."

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte bereits am Donnerstagabend deutlich gemacht, dass er keine Basis für einen erneuten Anlauf für eine allgemeine Impfpflicht sieht. "Es gibt im Bundestag keine Gesetzgebungsmehrheit für eine Impfpflicht. Das ist die Realität, die wir jetzt als Ausgangspunkt für unser Handeln nehmen müssen". Dem stimmte nun auch Lauterbach zu. Er sehe derzeit keine Chance mehr für einen zweiten Anlauf. Zunächst hatte Lauterbach diesen noch ins Auge gefasst.

Wieler: Todeszahlen immer noch bedrückend

Mit Blick auf die aktuelle Lage sagte RKI-Chef Wieler, es sei "bedrückend", dass noch immer täglich etwa 200 bis 300 Todesfälle in Verbindung mit einer Corona-Infektion an das Robert Koch-Institut übermittelt würden.

Aktuell berichtete das RKI sogar 334 neu registrierte Todesfälle in 24 Stunden. Der RKI-Chef führte aus, der Fokus in der Pandemie-Bekämpfung liege mittlerweile vor allem auf dem Schutz vulnerabler Gruppen und der Abmilderung der Folgen der Erkrankung.

Weil Omikron ansteckender als vorherige Varianten sei und die Fallzahlen extrem hoch, gelinge die Nachverfolgung sämtlicher Infektionsketten nicht mehr, sagte Wieler zur Begründung. Er vermutet, dass die tatsächliche Zahl der Infektionen doppelt so hoch sein könnte wie angegeben. Der RKI-Chef appellierte wiederum an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen. Weiterhin riet Wieler zum eigenverantwortlichen Tragen von Masken besonders in Innenräumen und dazu, bei Symptomen zum Schutz besonders gefährdeter Menschen zu Hause zu bleiben.

dpa/AFP(pfh)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 08. April 2022 | 19:30 Uhr

25 Kommentare

Kritiker vor 11 Wochen

Werter MDR: Mich interessiert (sicher nicht allein), wie Zahlen dem RKI gemeldet werden oder beim RKI eingehen. Als Prozente oder als Klarzahlen?

Wenn als Prozente, dann sicher aus den jeweiligen Gesundheitswesen (Ministerium der einzelnen Bundesländer)? Damit wäre es mehr als vereinfacht, das tagtäglich ohne riesige Tabellen, Übersichten etc. mit entsprechenden Prozenten oder Meldungen pro 100.000 Einwohner hier klare Zahlen als Tatsachen für den jeweilig benennbaren Tag den Bürgern vermittelt werden sollte. Als Gesamtheit ggf.ein jeweils darauf basierendes Gesamtergebnis der Öffentlichkeit zugänglich ist. Nur so kann man als Bürger dann solche Worte, wie oben im Artikel von den einzelnen Politikern, wohlweislich besser einordnen.
Im Hintergrund dieser gestellten Frage erwartend eine WÜNSCHENSWERTERE INFORMATION ohne viel Rechnerei oder anwählen einzelner Unterpunkte in diesen Diagrammen, Tabellen, Übersichten, etc. wäre wohl für Mitbürger, auch ohne viel Aufwand interessanter.

Kritiker vor 11 Wochen

Peter: Die Ausgangszahl von 2,6 Mio. ungeimpfter Menschen über 60 Jahre setzt nach Ihren Worten die Pauschale an, dass ALLE dieser älteren Mitmenschen schweren Verlauf entgegensehen sollen oder sich eben impfen lassen möchten. Das ist und bleibt KEINE BASIS geschweige das dies zu 100% eintreten kann / wird / oder muss!

Kritiker vor 12 Wochen

+...Mit den jetzigen Regeln des Infektionsschutzgesetzes werde man mit Sicherheit nicht über die Runden kommen, sagte Lauterbach mit Blick auf zu erwartende höhere Infektionszahlen....+
Diese Gesellschaft ist mit der schweren Delta-Pandemie extrem schwer für das medizinischen Personal fertig geworden und nun erwartet Herr Lauterbach wohl mit diesen Worten das nach der Omikron-Welle eine noch schwerer werdende Welle als die Delta-Version im Herbst kommen wird?
Das Infektionsschutzgesetz wie es bisher war hat doch gereicht bei dem "Durchlauf" der Delta-Variante! Warum stellt Herr Lauterbach diese hier in Frage? Für solche Einschätzung gibt es nur ein Wort =Schwarzmalerei= Danke!

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