Studie Corona: Kinder und Jugendliche deutlich länger am Computer

In der Coronakrise waren Schulen dicht, viele Freizeitaktivitäten nicht möglich. Eine Studie zeigt nun: Junge Menschen haben deutlich mehr Zeit im Netz verbracht. Die Bundesregierung ist alarmiert.

Ein junger Mann sitzt mit einem Headset vor einem Laptop und spielt ein Computerspiel
Zocken wegen Corona: Jugendliche haben während der Hochphase der Pandemie in Deutschland deutlich mehr Zeit mit Onlinespielen verbracht. Bildrechte: dpa

Kinder und Jugendliche haben während des coronabedingten Lockdowns mehr Zeit online verbracht. Das geht aus einer Studie der DAK-Krankenkasse hervor, die am Mittwoch vorgestellt wird und über die die Funke Mediengruppe vorab berichtete. Demnach stieg die durchschnittliche Verweildauer von Zehn- bis 17-Jährigen in den sozialen Medien werktags um 66 Prozent an. Die Nutzungsdauer von Onlinespielen an diesen Tagen erhöhte sich sogar um 75 Prozent. Insgesamt stieg die Spieldauer unter der Woche von 79 auf 139 Minuten.

Forscher des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hatten für die Studie rund 1.200 Familien mit Kindern im Alter zwischen zehn und 17 Jahren befragen lassen. Verglichen wurden Erhebungsdaten von September 2019 und April 2020.

Drogenbeauftragte alarmiert

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, bezeichnete den Anstieg der Verweildauer von Minderjährigen im Internet als "heftig". Diese Entwicklung dürfe "so nicht weitergehen", warnte die CSU-Politikerin. Die Zahlen seien ein Aufruf an Eltern, Lehrer und Politiker, achtsamer sein. Nötig sei eine bessere Medienkompetenz bei Kindern und jungen Erwachsenen. Sie müssten wissen, wie viel Nutzung der Onlinemedien okay sei und ab und ab wann es zu viel werde.

Und DAK-Vorstandschef Andreas Storm sagte angesichts der Zahlen: "Unsere Studie zeigt, dass wir dringend ein verlässliches und umfassendes Frühwarnsystem gegen Mediensucht brauchen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Juli 2020 | 07:00 Uhr

5 Kommentare

THOMAS H vor 37 Wochen

Der Erfurter Bub: Ich stimme Ihnen zu, das Eltern zu Hause Einfluß auf ihre Kinder nehmen können und m. E. auch müssen, aber sie haben keine Handhabe dies in der Schule zu tun, wo ja die Digitalisierung vorangetrieben wird. Dort müssen die Lehrkräfte diese Aufgabe übernehmen und den Kindern und Jugendlichen den maßvollen Umgang mit der digitalen Welt beibringen, wobei ich der Meinung bin, daß dies in einer großen Gruppe (Schulklasse) am besten zu vermitteln ist.

Der Erfurter Bub vor 37 Wochen

Genau. Im Volksmund nennt man die Eltern. Nur diese hätten den Einfluss ihre Sprösslinge von den Kisten loszureißen und sie in Vereinen anzumelden oder gemeinsame Ausflüge, auch nach Feierabend, zu unternehmen.

THOMAS H vor 37 Wochen

Wer glaubt, das sich das Verhalten der Kinder und Jugendlichen in Bezug der Computernutzung ändert, vergisst den rasanten Ausbau der Schuldigitalisierung. Es ist m. E. jetzt schon abzusehen, daß die Nutzung des Computers steigen wird, da ja dann Vormittags in der Schule mit diesen Dingern gearbeitet wird und Nachmittags dann auch die Notwendigkeit (Hausaufgaben) besteht vor diesen Dingern zu sitzen. Das dabei auch Onlinespiele konsumiert werden, sollte allen klar sein, denn nur für die Schule wird zu Hause sicher nicht gearbeitet. Es ist daher dringend notwendig, durch Politik, Kinder- und Jugendärzte, Psychologen und den Krankenkassen Maßnahmen zu erstellen, die für einen gesunden Ausgleich von der täglichen Computerbetätigung sorgen. Entsprechende Experten wird es ja geben, wenn jetzt schon festgestellt wird, das die Computernutzung gestiegen ist.

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