Corona-Pandemie Homeoffice und Hygieneregeln: Die Bürowelt wird sich verändern

Die Corona-Krise hat die Arbeitswelt umgekrempelt. Ein Effekt: Viele Büros bleiben leer, Homeoffice ist angesagt. Die Immobilienbranche ist sich sicher, dass es weiterhin Büros geben wird, der Bedarf sich aber verändert.

Leeres Großraumbüro
Viele Großraumbüros stehen derzeit leer. Wie wird es sein, wenn die Pandemie vorüber ist? Bildrechte: IMAGO / Westend61

Homeoffice – für viele klang das bis zum Ausbruch der Coronakrise nach einem Traum. Inzwischen ist das für viele Realität und eine Rückkehr ins Büro nicht abzusehen. In den Ohren von Anett Richter müsste das existenzbedrohlich klingen, immerhin lebt sie von Büroimmobilien. Doch die Maklerin der Agentur "Aengevelt" aus Dresden muss nicht um ihren Job bangen.

Mehr Umsatz trotz Corona

Der Umsatz im Corona-Jahr 2020 sei sogar gestiegen. Richter erklärt sich das so: Ein Großteil der Büroflächen sei von der öffentlichen Hand abgenommen worden, vom Freistaat oder kommunalen Unternehmen, erzählt Richter. "Zum einen durch neue Hygienekonzepte zum Beispiel an den Schulen oder an der Uni, wenn da Prüfungen gemacht werden mussten, aber auch aus der IT-Branche." Und wenn wir nun eines Tages nicht mehr zwangsläufig Abstand halten müssen? "Ich denke mal, wir werden auch weiter mit Abstandregeln und Hygienekonzepten leben müssen", sagt Richter – weil sie sich bewährt hätten, auch für andere Infektionskrankheiten.

Auch Kathrin Oldenburg zählt sich als Maklerin für Büros nicht zu den Verliererinnen dieser Pandemie. Sie leitet die Firma "Büro Immobilien Leipzig". Schon vor Corona sei die Nachfrage größer gewesen als das Angebot. In der Krise sei das im Großen und Ganzen so geblieben. Zumal insgesamt weniger neue Büros dazugekommen seien. "Die Projektentwicklung ist ein bisschen ins Stocken geraten, weil so eine Pandemie natürlich zu einer großen Verunsicherung führt." Dass Firmen, die gute Erfahrungen mit Homeoffice gemacht haben, Büros künftig in Größenordnungen kündigen, glaubt sie wie ihre Dresdner Kollegin aber nicht.

Ich gehe davon aus, dass ein Büro immer ein Ort der sozialen Interaktion bleiben wird. Es ist für ein Unternehmen extrem wichtig, dass es ein Zentrum, ein Herz, gibt – wo beispielsweise auch Wissensvermittlung stattfindet.

Kathrin Oldenburg, Maklerin

"Das klassische Büro stirbt nicht"

Trotzdem schätzt die Maklerin, dass Firmen durch den Homeoffice-Effekt perspektivisch auf zehn bis 20 Prozent ihrer Büros verzichten könnten. Andere Trends füllten das aber wieder auf. Zum Beispiel komme das Großraumbüro gerade aus der Mode – zugunsten kleinerer Büros. Die schlucken in der Summe mehr Platz. Auch Lars Fiehler von der Industrie- und Handelskammer Dresden sieht nicht, dass die Pandemie zu leeren Büroflächen führt. "Man wird hier flexibel sein, vielleicht ein oder zwei Tage die Woche auch mal daheim oder woanders arbeiten, aber weiterhin seinen Platz im Büro haben. Von daher muss man zum jetzigen Zeitpunkt sagen: Nein, das klassische Büro stirbt nicht."

Auf ganz Deutschland übertragbar sind die Beobachtungen aus Leipzig und Dresden offenbar aber nicht, schildert Maklerin Anett Richter. "In Metropolen, wo sehr viel auf Vorschau – das ein oder andere Mal auch auf Risiko – gebaut wurde, hat man schon festgestellt, dass in der Büroflächenvermietung ein Rückgang zu verzeichnen ist." So war es offenbar auch in Jena. Nach Angaben eines Stadtsprechers ist die Nachfrage nach Büros 2020 deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig wurden neue Bürogebäude eröffnet. Doch auch in Jena ist man vorsichtig optimistisch: Seit Anfang des Jahres steige die Nachfrage wieder.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 30. April 2021 | 06:15 Uhr

4 Kommentare

ElBuffo vor 20 Wochen

Dass die Effizienz bei Leuten, wo das Geld sowieso kommt, noch mehr darunter leidet, kann ich mir gut vorstellen. Das hat wohl weniger mit dem Home-Office, sondern eher mit dem sowieso zu tun.

aus Elbflorenz vor 20 Wochen

Wieder zurück zur Heimarbeit - heißt jetzt HomeOffice - damit einem nicht gleich die "Weber" einfallen. Ist aber dasselbe und bringt im Grund dieselben Probleme. Der nächste Schritt - schon vielfach gegangen - ist dann die weltweite Vergabe, dahin, wo es am günstigsten ist.

natocup vor 20 Wochen

@Kritische:
Diesen Vorteilen sehe ich aber auch einige Nachteile gegenüberstehen:
Es gibt keinen Arbeitsbeginn und kein Arbeitsende mehr. Die Effizienz hinkt im Home office oft der "auf Arbeit" hinterher.
Einzelne Behörden z. B. in Nordrhein-Westfalen überlegen bereits wieder das Home office zurückzufahren.

Ich denke, dass es nicht nur Vorteile des Home office gibt.

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