Krisenmanagement Interdisziplinäres Gremium für künftige Pandemien gefordert

Um die Fragen der Pandemie besser und schneller zu beantworten, haben viele Stimmen einen sogenanten Pandemierat gefordert. Ein Gremium, das verschiedene wissenschaftliche Disziplinen mit der Sicht von Politikern, Verbänden und Bürgern zusammenbringt. Der aktuelle Corona-Krisenstab der Bundesregierung wird deshalb auch als nicht ausreichend kritisiert.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, obere Reihe 2.v.r) zu Beginn der virtuellen Sitzung des Corona-Expertenrats im Kanzleramt. Service
Die erste Tagung des Corona-Krisenstabs fand digital statt. Bildrechte: dpa

Als die neuen Ampel-Partner Ende November ihren Koalitionsvertrag vorstellten, wiesen sie auch darauf hin, dass es im Kampf gegen die Corona-Pandemie neue Instrumente brauche. Bundeskanzler Olaf Scholz verkündete die Einrichtung eines Krisenstabs, der "die Lage kontinuierlich begutachten und beobachten und die Umsetzung der Beschlüsse prüfen" soll.

Krisenstab nicht breit genug aufgestellt

Das sei sicherlich sinnvoll, sagt Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer. Allerdings sei der neu geschaffene Krisenstab unter der Leitung eines Bundeswehr-Generals nicht das, was sich der Mediziner und sein Verband ursprünglich vorgestellt hatten: "Wir haben im Wesentlichen einen Pandemierat gefordert, bei dem aus den unterschiedlichsten Disziplinen, die das gesellschaftliche Leben betreffen, Experten mit einbezogen werden."

Das bedeutet: Neben medizinischen Experten sollten auch Soziologen, Juristen, Ethiker, Psychologen und Psychotherapeuten mit einbezogen werden. So könne man ein möglichst breites Spektrum in den Blick nehmen, sagte Reinhardt. Und damit auch eine Betrachtung aller Notwendigkeiten, die durch Corona ausgelöst werden könnten.

Linke fordert mehr Bürgerbeteiligung

Die Partei Die Linke war sogar noch weiter gegangen: Sie wollte, dass der Pandemierat beim Bundestag angesiedelt ist und neben Wissenschaftlern auch Bürgerinnen und Bürger umfasst. Im Juni diskutierte das Parlament einen entsprechenden Antrag – lehnte ihn aber ab. Die Abgeordneten repräsentierten schließlich die Meinung des Volkes und könnten sich stets auch externe Sachverständige einladen, hieß es.

Für die Linken-Politikerin Petra Pau, die zugleich Vizepräsidentin des deutschen Bundestages ist, wurde da eine Chance verschenkt: "Wenn ich zum Beispiel daran denke, dass die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen in der ersten Phase der Pandemie ohne gefragt zu werden im Wortsinn weggesperrt wurden, da hat das ganz viel mit ihnen gemacht."

Dabei hätte man Geriatrie-erfahrene Menschen genauso fragen müssen wie Bürgerinnen und Bürger, kritisiert Pau. Für die geforderte Bürgerbeteiligung habe man sich am Bürgerratskonzept orientiert und sei davon ausgegangen, dass die Bürger gelost werden, erklärt die Linken-Politikerin.

Kekulé: Krisenstab kommt zu spät

Immerhin: Die neue Bundesregierung hat nicht nur einen ständigen Krisenstab eingerichtet, sondern auch eine Expertengruppe am Kanzleramt angesiedelt, die mit Medizinern, Psychologen, Soziologen und weiteren Fachleuten besetzt ist.

Für die aktuelle Pandemie sei das nur leider zu spät, sagt der Virologe Alexander Kekulé im MDR AKTUELL Podcast: "Das ist die sogenannte Pandemiekommission. Das steht in allen Plänen drin, wäre dringend notwendig gewesen und perspektivisch ist es richtig so. Aber für diese eine Welle bringt uns das nix mehr. Das ist viel zu spät."

Die nächste Pandemie, so heißt es von Experten, kommt aber sicher. Deshalb wollen sowohl die Partei Die Linke als auch die Bundesärztekammer die Idee eines interdisziplinären Rates weiterverfolgen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 25. Dezember 2021 | 06:00 Uhr

22 Kommentare

Wessi vor 47 Wochen

O.B. ...ich verstehe nicht ganz was Sie beabsichtigen mir mit Ihrem post zu sagen.Kann es angehen, daß Sie jetzt z.B.andeuten wollen, es solle sofort einen Impfzwang geben?Da man derzeit mancherseits soetwas ausschloß?Klären Sie mich auf.Ich gehöre nicht zu solchen die sich irgendetwas aus der Vergangenheit zurück wünschen.Und ich hätte gerne gewusst woher Sie Ihre Weisheit nehmen, daß Frau Merkel persönlich so ein Gremium verhindert hat?! Nennen Sie mir einfach die Quelle, die Ihnen vorliegt,bitte.

Wessi vor 47 Wochen

ja @ O.B. ...da muß ich dann mitlachen.Ich hätte statt der 3 Punkte ein schlichtes "und" setzen müssen.Ich bin ja ersteinmal froh, daß Menschen mit Ihrer Impfverweigerungshaltung uns Mehrheiten nichts anzuordnen haben.

O.B. vor 47 Wochen

Wessi, Sie haben den Spruch von Einstein schon mal gehört!? Immer wieder das selbe .. anderes Ergebnis! Der Blick in die Vergangenheit ermöglicht es uns, zu vermeiden gemachte Fehler zu wiederholen. Das ein derartiges zentrales Gremium in der letzten Regierung nicht eingeführt wurde ist auch einer Frau Merkel zu verdanken die meinte eingleisig wäre der richtige Weg.

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