Oberlandesgericht Hamm Wegen Pandemie abgesagte Klassenfahrt muss voll erstattet werden

Drei Tage vor einer geplanten Klassenfahrt nach Liverpool im März 2020 hat eine Lehrerin die Reise wegen der Corona-Pandemie storniert. Der Veranstalter zahlte nur einen Bruchteil des Preises zurück. Zu unrecht, entschied nun das Oberlandesgericht Hamm.

Liverpool
Auch Liverpool war im Frühjahr 2020 voll im Griff des Coronavirus. Bildrechte: dpa

Für eine Klassenfahrt, die wegen der Corona-Pandemie storniert wurde, muss der Reiseveranstalter den vollen Preis zurückzahlen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden. Es gab damit der Trägerin der Schule, einer Stiftung aus Vechta, recht.

Aktenzeichen Oberlandesgericht Hamm: 22 U 33/21

Im konkreten Fall ging es um eine geplante Fahrt nach Liverpool im März 2020, die eine Lehrerin Anfang des Jahres gebucht hatte. Den Preis dafür, 10.000 Euro, zahlte die Stiftung. Drei Tage vor der Abreise stornierte die Lehrerin die Reise jedoch wegen der hohen Ansteckungszahlen in Großbritannien. Der Veranstalter zahlte anschließend nur ein Zehntel des Preises zurück.

Sachverhalt einer "erheblichen Beeinträchtigung" erfüllt

Das Gericht urteilte jetzt jedoch, es habe ein konkretes Risiko für einen ernstlichen Gesundheitsschaden bestanden. Damit sei der im Bürgerlichen Gesetzbuch definierte Sachverhalt einer "erheblichen Beeinträchtigung" erfüllt, der zu einem Rücktritt berechtige. Eine kostenlose Stornierung sei damit rechtmäßig.

Das Gericht verwies darauf, dass bei Schülerreisen die Erwartung der Eltern bestehe, dass die Schülerinnen und Schüler in einem sicheren Umfeld reisen könnten. Das sei wegen der akuten Pandemie-Lage in England nicht der Fall gewesen. Im Gegenteil: Die Wahrscheinlichkeit, sich am Reiseort mit dem Coronavirus zu infizieren, sei deutlich höher gewesen als zu Hause.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers ist das Urteil unanfechtbar. Für eine Revision sei der Streitwert zu gering.

Quelle: MDR, dpa, AFP

Quelle: MDR AKTUELL

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