Covid-19 Mit diesen Medikamenten werden Erkrankte behandelt

Im Kampf gegen schwere Covid-19 Erkrankungen waren im Verlauf der Pandemie schon so einige Medikamente Thema. Beispielsweise Hydroxychloroquin, Remdesivir oder spezielle Antikörper-Cocktails. Manche Substanzen scheinen gut zu wirken, andere nicht. Dazu kommen die Mittel, mit denen Medizinerinnen und Mediziner versuchen, die Symptome der Krankheit zu behandeln. Was hat sich in den Krankenhäusern durchgesetzt?

Egal ob bei Covid-19 oder einer anderen Erkrankung: Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus folgen bei der Behandlung einer Art Protokoll oder Anleitung. Diese Leitlinien werden von der Ärzteschaft kollektiv erarbeitet.

Die Behandlungs-Leitlinie für Covid-19 ist zuletzt am 23. November aktualisiert worden. Intensivmediziner Stefan Kluge hat sie erst auf dem Kongress der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin vorgestellt. Beim Thema Medikamente stellte er fest: "Es gibt eigentlich zwei Medikamente, die sich hier herauskristallisiert haben. Das eine steht im Vordergrund: Das ist die Cortison-Therapie, das sogenannte Dexamethason, was wir mittlerweile standardmäßig geben bei beatmeten Patienten." Das habe eindeutig zu einer Reduktion der Sterblichkeit geführt.

Dexamethason und Remdesivir werden eingesetzt

Dexamethason wird gegen die Entzündung im Körper eingesetzt und behandelt somit nur ein Covid-Symptom. Das zweite Medikament, von dem Kluge spricht, ist Remdesivir. Die deutsche Leitlinie erlaubt den Einsatz, obwohl die Weltgesundheitsorganisation ihn nicht empfiehlt.

Remdesivir verkürze die Erkrankung um einige Tage, erläutert Thea Koch, Direktorin der Intensivmedizin am Universitätsklinikum Dresden. "Das ist ein Medikament, das die Virusvermehrung behindert und reduziert und dadurch möglichst früh während der Erkrankung, wenn die Viren sich drastisch vermehren, eingesetzt werden sollte. In der Spätphase ist es dann nicht mehr so wirksam."

Prof. Karsten Mäder
Pharmazie-Professor Karsten Mäder Bildrechte: Prof. Karsten Mäder/ Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Zusätzlich bekommen Covid-19 Patienten auf der Intensivstation sehr oft Medikamente zur Thrombose-Prophylaxe. "Das heißt also, es ist im Endeffekt sehr sehr übersichtlich, was man einsetzen kann", sagt Pharmazie-Professor Karsten Mäder von der Universität Halle. "Was noch in den Leitlinien niedergeschrieben ist: Man muss schauen, ob eine bakterielle Co-Infektion stattfindet. Dann geht man natürlich mit den spezifischen Antibiotika vor."

Von anderen Medikamenten wird in der Leitlinie deutlich abgeraten: So auch von Chloroquin, das in Studien keine Wirkung gezeigt hat.

Jedes Medikament muss geprüft werden

Jedes Medikament muss in klinischen Studien geprüft werden, bevor damit Covid-Patienten behandelt werden dürfen, erläutert Lungenspezialist Hubert Wirtz vom Universitätsklinikum Leipzig. "Wenn man in einem normalen Krankenhaus liegt, dann kriegt man immer nur Behandlungsmethoden, die zugelassen sind oder die – sagen wir mal im Einzelfall entscheidbar vom Arzt benutzt werden können und wenn das nicht der Fall ist, dann wird man sorgfältig aufgeklärt." Dann sei das Teil einer Studie. Nie würde man etwas mit dem Patienten einfach mal so probieren.

Einverständnis bei experimenteller Therapie

Eine Intensivpflegerin ist in der Corona-Intensivstation des Universitätsklinikums Dresden mit der Versorgung von Patienten beschäftigt.
Bevor Corona-Patienten einen Antikörper-Cocktail bekommen, müssen sie dem zustimmen. In Dresden wird das Serum eingesetzt. Bildrechte: dpa

Wie in jedem anderen Fall verordnen Ärztinnen und Ärzte die zugelassenen Medikamente und informieren die Betroffenen über die eingesetzten Mittel. Wenn Medikamente im Rahmen von experimentellen Therapien verabreicht werden sollen, braucht es das ausdrückliche Einverständnis. So wie gerade in Dresden der Fall:

Dort wird einer der sogenannten Antikörper-Cocktails in einer klinischen Studie gegeben: ein Rekonvaleszentenserum, erklärt Medizin-Professorin Thea Koch – also Plasma von Patienten, die die Krankheit überstanden haben. "Wenn die Patienten einwilligungsfähig sind", sagt Koch, "werden die Patienten selber oder die entsprechenden Betreuer gefragt, aufgeklärt und die Zustimmung muss dann dafür auch vorliegen, sonst dürfen wir das nicht verabreichen."

Bisher sei das Serum in Dresden mehr als zehn Mal eingesetzt worden und habe zum Teil positive Effekte gebracht, so Koch. Allerdings sei die Wirksamkeit noch nicht in einer großen Studie ausreichend belegt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Dezember 2020 | 12:18 Uhr

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