Omikron-Welle Labormediziner fordert PCR-Pooltests und Labor-Antigentests

Laut dem Präsidenten der Gesellschaft für klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, Renz, ist eine Beschränkung der PCR-Tests auf ausgewählte Kreise unumgänglich. In der Omikron-Welle würden die Laborkapazitäten voraussichtlich endgültig erschöpft werden. Renz forderte einen Kraftakt, um Alternativen wie Pooltests zeitnah zu ermöglichen.

Eine biologisch-technische Assistentin bereitet die Sequenzierung von positiven PCR-Tests in der PCR-Analytik im Labor vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) vor (gestellte Szene).
Die Kapazitäten der Labore spielen eine zentrale Rolle bei der Beschränkung von PCR-Tests auf ausgewählte Gruppen. Bildrechte: dpa

Die Gesellschaft für klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin hält eine Beschränkung des Zugangs zu PCR-Tests für unumgänglich. Präsident Harald Renz sagte MDR AKTUELL, das Dilemma bestehe darin, dass diese Tests zum Goldstandard in der Corona-Diagnostik geworden seien. Allerdings sei das PCR-Verfahren extrem aufwändig, so Renz: "Da braucht es eine enorme Logistik und einen technischen Apparat im Hintergrund. Und da sind wir limitiert, weil die Ressourcen hier so langsam erschöpft sind."

Puffer schnell aufgebraucht

Renz betonte, es gebe zwar noch einen kleinen Rest-Puffer: Bei einer Kapazität von wöchentlich 2,5 Millionen Tests würden in Deutschland derzeit nur etwa 2 Millionen Tests pro Woche durchgeführt werden. Dieser Puffer werde angesichts der steigenden Omikron-Zahlen allerdings "ganz, ganz schnell" aufgebraucht sein.

Als Gründe für die Engpässe bei den PCR-Testungen nannte Renz zum einen mangelnde Kapazitäten: Es brauche mehr Geräte und Testreagenzien in den Laboren. Hinzu komme aber das Problem, dass die Labore in der Omikron-Welle immer mehr Ausfälle durch kranke Mitarbeiter hätten: "Das merken wir beispielsweise hier am Universitätsklinikum in Marburg auch schon. Wir haben jetzt schon einen steilen Anstieg der erkrankten Mitarbeiter, und die fehlen uns da natürlich auch im Labor, in der Pflege", so Renz.

Alternative Strategien gefordert

Der Verbandschef forderte deshalb eine Alternativ-Strategie. Als eine Möglichkeit nannte er, mehrere Abstriche zu Pool-Tests zusammenzufassen. Die Protokolle hierzu lägen griffbereit in der Schublade, sie müssten nur herausgeholt und aktiviert werden: "Mit den Schweizer und den österreichischen Kollegen sollte das in wenigen Wochen in solchen Bereichen wie zum Beispiel Schule, Kita, Krankenhaus, kritische Infrastruktur möglich sein."

Als eine weitere Alternative nannte Renz laborbasierte Antigentests auf Großgeräten. Diese seien fast genau so gut wie PCR-Tests: "Nur ist das leider in der nationalen Teststrategie total vergessen worden und nicht berücksichtigt", so Renz. Hier gebe es Kapazitäten, die noch gar nicht genutzt würden.

MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Januar 2022 | 15:18 Uhr

2 Kommentare

nasowasaberauch vor 15 Wochen

Was ist falsch an der Poolteststrategie? Werden Viren gefunden treten z.B. 10 Personen nochmals an und wird nichts gefunden, sind die 10 Personen allesamt clean und preiswerter ist es auch.

Anni22 vor 15 Wochen

Man könnte den Mangel beheben, wenn man einfach nur Leute mit Krankheitszeichen testet und Beschäftigte im Krankenhaus und Altenheimen. Diese Massentesterei hält das Virus doch eh nicht auf....

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