Corona-Regeln Lieber nach Spanien als Urlaub im Harz

Während in Spanien viele deutsche Urlauber bereits ihre Pfingstferien verbracht haben, liegt der Tourismus in Deutschland noch brach. Viele befürchten, dass das Konsequenzen für den Sommerurlaub haben wird. Ein Beispiel aus dem Harz.

Blick auf den Strand von Tarifa in Andalusien
Seit Mai dürfen die Touristen aus Deutschland wieder nach Spanien reisen. Bildrechte: imago/Westend61

Normalerweise verbringen Tausende Deutsche ihren Urlaub in Barcelona – die Corona-Pandemie hat alles verändert. Erst seit Mai dieses Jahres dürfen die Touristen aus der Bundesrepublik wieder nach ganz Spanien reisen. Das Land ist auf die Einnahmen angewiesen. Das sind auch Betreiber von Hotels, Restaurants und Gastronomen in Deutschland, doch dort gibt es noch keine flächendeckenden Öffnungen.

Deshalb ist für manchen Bundesbürger ein Urlaub im eigenen Land noch keine Alternative. Heike Silbereis und Günther Klemant sind aus der Nähe von Nürnberg mit ihrem Wohnmobil nach Katalonien gefahren. "Es ist hier super frei im Vergleich mit zu Hause", sagt Heike Silbereis. In Spanien benötige sie keine Tests. Sie könne sich frei bewegen und fühle sich nicht so beobachtet.

Frau vor Wohnmobil schneidet Ananas.
Heike Silbereis ist mit Günther Klemant im Wohnmobil nach Spanien gefahren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Wir genießen das in vollen Zügen", sagt Günther Klemant. Die beiden seien nirgends länger als drei Tage. Sie erkundeten die Gegend mit ihren Mountainbikes und führen dann weiter. Solch spontanes Reisen ist in Spanien nun wieder möglich. Im Gegensatz zu Deutschland gelten dort einheitliche Regeln. Quarantäne und Ausgangssperren wurden auf dem Festland aufgehoben. Nur für die Einreise benötigen Touristen einen negativen PCR-Test.

Regeln in Spanien: Maske ist überall Pflicht

"Wir genießen es einfach, in einen Laden reinzugehen", sagt Heike Silbereis. Das Einzige, was die Kunden beachten müssen: Maske tragen. Die muss im gesamten öffentlichen Raum getragen werden. Cafés, Restaurants, Hotels, Sportstätten und Freizeiteinrichtungen dürfen öffnen. Allerdings dürfen diese nicht voll besetzt werden und es müssen Hygienekonzepte eingehalten werden.

"Natürlich finden wir das unfair, dass wir jetzt hier sitzen und das Leben genießen und in Deutschland ist das nicht so", sagt Günther Klemant. Bei einigen Freunden würden sie aber auch Neid spüren. Dennoch funktioniere für die beiden der Urlaub in Corona-Zeiten.

Die Pandemie könnte auch generell etwas am Tourismus in Barcelona ändern. Der Partytourismus soll in Zukunft konsequent eingeschränkt werden, erklärt Christoph Tessmar vom Tourismus-Verband in Barcelona. "Wir haben schon sehr viel darüber nachgedacht, wie wir das für die Zukunft angehen. Barcelona hatte ein großes Problem mit Massentourismus. Da wurde viel dran gearbeitet, dass man Regelungen einführt."

Wie das genau aussehen wird, das ist noch nicht klar. Derzeit ist die Auslastung von Innenräumen in Restaurants, Geschäften oder Casinos auf 30 Prozent beschränkt. So soll der Inzidenzwert Kataloniens unter 100 bleiben. "Jeden Tag merkt man, mehr Schritte, mehr Erlaubnisse und wir kommen immer mehr zu unserem alten Leben zurück", sagt Tessmar.

Im Harz bleibt nur: Hoffnung auf den Sommer

Das ist im Harz in Sachsen-Anhalt noch nicht der Fall. In Friedrichsbrunn dürfen noch keine Touristen empfangen werden. Familie Merkelbach betreibt dort einen Ferienpark. Ferienhäuser, Restaurant und der dazugehörige Elch-Park sind ist seit Anfang November 2020 geschlossen. "Die Elche vermissen auch die Gäste, das merkt man richtig", sagt Johann Merkelbach, während er die vier riesigen Tiere füttert.

Elch mit Jungtieren
Die Elche brauchen bis zu 40 Kilogramm Futter pro Tag. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Gäste fehlen auch finanziell. Die Elche brauchen bis zu 40 Kilogramm Futter pro Tag. Ferienhäuser und Restaurant müssen instandgehalten werden. "Wir haben einen Kredit aufgenommen bei der KfW-Bank: 160.000 Euro. Die sind schon wieder weg", sagt Chef Jörg Merkelbach. Statt schwarzer Zahlen gebe es auf dem Konto nur rote Zahlen.

Doch wann der Ferienpark auch die Innengastronomie wieder öffnen kann, ist noch unklar. Die Familie hatte auf die Zeit nach Pfingsten gehofft. Bisher durften in Sachsen-Anhalt Landkreise bei einer stabilen Inzidenz von unter 100 die Gastronomie nur im Außenbereich und nur mit Negativtest öffnen. Seit Dienstag gilt eine neue Verordnung. Doch der Landkreis Harz hat eine Inzidenz von über 100.

"Was uns belastet ist, dass andere aufmachen dürfen", sagt Silvia Merkelbach. "Sachsen oder Thüringen und wir sind immer noch die, die nachlaufen müssen und gucken müssen, was dürfen wir tun." Doch selbst wenn die gelockerten Regelungen auch im Harz gelten: "Hauptsächlich lohnt es sich erst, wenn die Häuser auch voll sind", so Jörg Merkelbach.

So wie jeder Restaurantbesucher, benötigt dann auch jeder Hotelgast einen aktuellen, negativen Test - und zwar alle 48 Stunden neu. Familie Merkelbach hofft, dass sich die Gäste mit den neuen Regeln arrangieren und sie gut durch den Sommer kommen.

Quelle: MDR exakt

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR exakt | 26. Mai 2021 | 20:15 Uhr

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