Corona in Sachsen Auswirkungen der Pandemie auf die Pathologien

Zurzeit wird in der Coronakrise ja immer besonders auf die Intensivbetten geguckt: Wie viele sind noch frei? Aber, und auch das gehört ja zu dieser Pandemie, Covid-19-Patientinnen und -Patienten sterben auch im Krankenhaus. Gerade Sachsen ist stark betroffen von der Pandemie, auch die Übersterblichkeit ist jetzt rapide gestiegen im Vergleich zum vergangenen Jahr. Wie steht es also um die Kapazitäten der Pathologie in den Kliniken?

Ein Pathologe öffnet eine Kühlkammer mit einer Leiche.
Die Kühlung der Verstorbenen kann bei hohen Todeszahlen durch Covid-19 zum Problem werden. Bildrechte: dpa

Die Corona-Toten machen Gustavo Baretton und seinen Kolleginnen und Kollegen am Uniklinikum Dresden nicht mehr Arbeit. Baretton ist der Direktor des Instituts für Pathologie und sagt: "In der Bevölkerung werden ja die Pathologen immer mit dem Tod und mit Autopsie zusammengebracht." Die Wahrheit sei aber, dass man sich hauptsächlich mit dem Dienst an den Lebenden beschäftige.

Barretton erklärt, in der Pathologie würden vor allem Gewebe und Zellen diagnostiziert, die man Lebenden entnehme: "Und auf diesem Gebiet haben wir jetzt natürlich einen Rückgang, weil die elektiven Eingriffe zurückgefahren werden."

Und nicht jeder verstorbene Covid-19-Patient wird obduziert, da die Todesumstände in der Regel klar sind. Wenn obduziert wird, dann nur mit Zustimmung der Angehörigen. Meistens geht es dann darum, mehr über die Krankheit zu erfahren.

Probleme bei Kühlung

Auch Alexander Schütz sieht im Moment noch keine Engpässe in der Pathologie. Er ist der Landesvorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Pathologen in Sachsen und am privaten Institut für Pathologie in Leipzig tätig.

Schütz sagt, es gebe bestimmt einzelne Regionen, wo es schon Engpässe gebe: "Was ich persönlich überschaue, ist das noch nicht der Fall. Aber wir stehen ja auch noch nicht am Ende des Aufwärtstrends. Viele von denen, die jetzt erkrankt sind, werden natürlich rein statistisch betrachtet, wenn es sich um ältere Leute handelt, auch schwerer erkranken und wie sich die Zahl der Verstorbenen entwickelt, das wissen wir ja alle noch nicht genau."

Ein Problem ist aber, dass die Leichen in den Kliniken gekühlt werden müssen. Gustavo Baretton vom Uniklinikum Dresden sagt: "Die Verstorbenen werden bei uns erstmal dann in den Kühlzellen gelagert, bis sie von den Bestattern abgeholt werden und da haben wir, wie andere Krankenhäuser auch, leider eine höhere Anzahl von Verstorbenen jetzt zu verzeichnen."

Bis Weihnachten sollen deshalb zusätzliche Kühlräume entstehen. An der Uniklinik Leipzig könnte man im Fall der Fälle auf den Südfriedhof ausweichen. Derzeit sei das aber nicht nötig, heißt es von der Pressestelle.

"Absolut kritische Lage"

Eine Region, die im Moment besonders von der Pandemie betroffen ist, ist Görlitz. Beim Städtischen Klinikum ist deshalb selbst in der Pressestelle keine Zeit, um in der Pathologie nachzufragen: "Wir haben in Anbetracht der absolut kritischen Lage bei uns zurzeit keine Ressourcen für die damit verbundene interne Recherche. Es tut mir Leid."

Also ein Anruf beim Görlitzer Bestattungshaus Klose. Hier geht Filialleiter Uwe Kottek hörbar gestresst ans Telefon. Sie wüssten dort nicht mehr, was sie zuerst machen sollen. Für ein Interview ist keine Zeit.

Eine schnelle Frage noch: Wie steht es um die Kapazitäten? "Die Kühlung reicht schon lange nicht mehr aus, das Krematorium fährt zweischichtig", sagt Kottek – dann muss er aber wirklich auflegen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Dezember 2020 | 05:00 Uhr

Mehr aus Panorama

Mehr aus Deutschland

MDR aktuell 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK