Hörer machen Programm Wie sinnvoll sind Schnelltests für Geimpfte?

Mindestens einmal pro Woche können alle Bundesbürger einen kostenlosen Corona-Schnelltest machen. Angesichts der fortschreitenden Impfungen will unser MDR AKTUELL-Hörer Felix Trendel gern wissen, ob Schnelltests für vollständig geimpfte Personen überhaupt noch sinnvoll und notwendig sind. Er fragt sich, ob es nicht besser wäre, die Test-Kapazitäten in Bereichen zu nutzen, in denen das Infektionsrisiko größer ist, zum Beispiel in Firmen, Schulen oder Kindergärten.

Ein Helfer nimmt bei Michelle Walther, Berufsschülerin, eine Probe für einen Corona-Schnelltest im Staatlichen Berufsbildenden Schulzentrum Hildburghausen.
Trotz Impfung muss man aktuell zum Beispiel vor dem Museumsbesuch einen Corona-Schnelltest machen. Bildrechte: dpa

Wenn es nach Jens Spahn ginge, dann sollten vollständig geimpfte Personen behandelt werden wie tagesaktuell negativ Getestete – und das noch im April. Der Bundesgesundheitsminister stützt sich dabei auf eine Einschätzung des Robert Koch-Instituts: Demnach sei das Risiko, dass vollständig Geimpfte das Coronavirus weitergeben, geringer als bei negativ Getesteten. Spahn zufolge könnte etwa die Testpflicht beim Einkaufen entfallen oder bei Flugreisen – ausgenommen, man kehrt aus einem Virusvarianten-Gebiet zurück.

Bisher sind das jedoch Empfehlungen des Bundesgesundheitsministeriums, der Ball liegt nun bei den Ländern. Und was hält man in Mitteldeutschland davon? Auf Anfrage von MDR AKTUELL antwortet Thüringens Gesundheitsministerium schriftlich: "Einzelne Bundesländer haben bereits diesbezügliche Regelungen erlassen. Thüringen verfolgt das Ziel, hier zu einer bundesweit einheitlichen Handhabung zu kommen, da dies in der Regel die Akzeptanz von Entscheidungen erhöht."

Bundesweit einheitliches Vorgehen auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt

Auch in Sachsen prüft man derzeit nach Angaben des Gesundheitsministerium, vollständig geimpfte Personen mit negativ Getesteten gleichzustellen. Dabei folge man auch der Linie von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und dem RKI: Eine Testbefreiung gäbe es frühestens 14 Tage nach der zweiten Impfung. Zudem schreibt das Gesundheitsministerium per E-Mail: "Da die Gleichstellung sich unter anderem auf Einreisen nach Deutschland auswirken würde, ist es sinnvoll, wenn Bund und Länder einheitlich vorgehen. Ob und wie die Vorschriften in Sachsen angepasst werden, entscheidet das Kabinett, sodass wir dem Inhalt künftiger Regelungen nicht vorgreifen können."

Sachsen-Anhalt setzt ebenfalls auf ein bundesweit einheitliches Vorgehen. Allerdings hat man bereits einen ersten Schritt gemacht. In der aktuellen Corona-Verordnung "werden Personen von der in der Verordnung vorgeschriebenen Testpflicht im Bereich der Schulen ausgenommen, die über einen vollständigen Impfschutz gegen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 verfügen und keine typischen Symptome einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 aufweisen".

Infektiosität von Geimpften

Doch ist es überhaupt virologisch sinnvoll, dass vollständig Geimpfte von der Testpflicht befreit werden? Immerhin kam es bereits in Ausnahmen zu Fällen, in denen Geimpfte sich wieder angesteckt haben. Der Virologe Alexander Kekulé sagt dazu im MDR AKTUELL Podcast: "Bei jeder Impfung wird die Infektiosität herabgesetzt. Und bei keiner Impfung ist die Infektiosität hinterher null. Da kennen wir ein paar Ausnahmen, aber das können Sie an einer Hand abzählen. Bei ganz wenigen Impfungen ist quasi absolut sicher, dass Sie sich nicht mehr anstecken können."

Deshalb gelten den Empfehlungen des Bundesgesundheitsministeriums zufolge weiterhin die AHA-Regeln für vollständig Geimpfte. Also Abstand halten, Hygieneregeln beachten und Maske tragen. Und da auch Antigen-Tests versagen können oder man sich danach anstecken kann, schlussfolgert Kekulé: "Man kann aus einer Risikoabwägung heraus sagen, dass negativ-getestet im Antigen-Test oder Zustand nach Infektion oder Zustand nach Impfung gleichwertig ist."

Am Ende sei es eine politische Entscheidung, sagt der Virologe. Union und SPD haben sich in ihrem Entwurf des neuen Infektionsschutzgesetzes bereits darauf verständigt, dass Geimpfte wie negativ Getestete behandelt werden sollen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. April 2021 | 06:00 Uhr

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