Dritte Corona-Welle Intensivstationen gehen die Betten aus

Die Intensivmediziner im Land arbeiten auf Anschlag – nach der starken Auslastung im Winter hat sich die Situation wieder bedrohlich zugespitzt. Regelmäßig schlagen Intensivmediziner Alarm, weil die Stationen mit Covid-Patienten "volllaufen". Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen machen da keine Ausnahme.

In einem Zimmer der Intensivstation wird ein Patient mit einem schweren Covid-19 Krankheitsverlauf behandelt.
Der Anteil freier Betten liegt in einigen mitteldeutschen Intensivstationen bei unter zehn Prozent. Bildrechte: dpa

Es ist eine überwiegend rote Karte, auf der die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) die freien Intensivbetten in den Bundesländern ausweist. "Rot" bedeutet: nur noch zehn bis 15 Prozent der Intensivbetten sind frei. In Mitteldeutschland trifft das auf alle Länder zu. Am angespanntesten ist die Lage in Thüringen. Laut dem DIVI-Intensivbettenregister sind nur noch gut zehn Prozent der Intensivbetten frei.

Aber nicht jedes dieser freien Betten komme für Corona-Patienten in Frage, sagt der Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft in Thüringen, Rainer Poniewaß: "Also wir haben aktuell 24 Betten, die spezifisch für Covid-Patienten auf der Intensiveinheit frei sind." Das sei landesweit nicht viel. "Es können aber auch weitere Notfallreserven, weitere Kapazitäten innerhalb von sieben Tagen aufgestellt werden." Covid-Patienten belegen im Freistaat inzwischen jedes dritte Intensivbett – das ist bundesweit der höchste Wert. Dennoch sei die Lage noch beherrschbar, sagt Poniewaß.

Kein einziges freies Bett mehr in Halle

Ganz ähnlich ist die Situation in Sachsen-Anhalt. Ein wenig Luft nach oben habe man noch, sagt Dirk Burkard von der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt. Hier ist zwar nur jeder sechste Intensivpatient ein Corona-Fall. Es gibt laut Burkard aber nur noch wenig Spielraum. "Bisher war Sachsen-Anhalt in der Lage, die Patienten des Landes selbst zu versorgen. Bei weiter steigenden Zahlen wird man um Hilfe schreien müssen, das heißt: andere Bundesländer um Hilfe ersuchen."

Etwa 110 Intensivbetten sind in Sachsen-Anhalt noch frei, das entspricht rund 13 Prozent. Regional gibt es aber deutliche Ausreißer nach unten. Im Burgenlandkreis etwa sind weniger als zehn, in Magdeburg sogar weniger als fünf Prozent der Intensivbetten frei – in Halle gibt es kein einziges mehr.

Bettenmangel vor allem in den Grenzregionen

Gleiches Bild in Sachsen. Im Raum Dresden und ganz besonders in den Krankenhäusern in und um Leipzig gebe es noch Kapazitäten, sagt der stellvertretende Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen, Friedrich München. An der Grenze zu Tschechien sei die Situation aber deutlich angespannter. Die Situation im Vogtland und im Erzgebirge müsse man genau beobachten, dort könne man mit den "Kapazitäten an die Grenzen stoßen".

In den Landkreisen entlang der Grenze liegt der Anteil an freien Intensivbetten im einstelligen Prozentbereich, sachsenweit liegt er bei 14,5 Prozent. Jedes vierte Intensivbett im Freistaat ist derzeit von einem Corona-Patienten belegt.

Medizinisches Personal auf Intensivstation 29 min
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Personelle Ausfälle erschweren die Situation

Und was, wenn die Fallzahlen weiter steigen? Wie in den anderen mitteldeutschen Ländern würde auch in Sachsen eine Notfallreserve an Intensivbetten vorgehalten, sagt München. Er schränkt allerdings ein: "Unser Problem ist die Frage, inwieweit wir Betten auch mit Personal ausstatten können." Man habe weiterhin erhebliche Personalprobleme wegen größerer krankheitsbedingter Ausfälle. "Und man muss sehen, die zweite Welle um Weihnachten war sehr heftig." Das Personal sei erschöpft.

Und das ist nicht nur in Sachsen so, auch die Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt und Thüringen beklagen Ausfälle beim Personal. Die ausgewiesenen Notreserven an Intensivbetten, sagt Friedrich München, seien also mit Vorsicht zu genießen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. April 2021 | 06:00 Uhr

166 Kommentare

Jana vor 4 Wochen

Wenn sie ein naderes System wollen, dann gewinnen sie Mehrheiten dafür. Mag ja sein, dass ausreichend Menschen bereit sind einen Krankenkassenbeitrag von 20% zu zahlen, damit alle 20 Jahre für eine medizinische Ausnahmesituation genügend Personal vorhanden ist. Bitte dann aber auch die Mittel einplanen, damit das 20 Jahre lang über den Durst vorhandene Personal Kicker spielen oder sich sonstwie spielerisch betätigen kann. Auf Dauer frustriert es zur Arbeit zu gehen und da gibt es nichts zu tun.

Jana vor 4 Wochen

Statt stumpfe Pauschalkritik zu äußern wäre es doch mal ein schlauer Zug sich zu überlegen warum Kliniken Geld bezahlt bekommen, wenn sie in Coronazeiten geldbringende Operationen verschieben und stattdessen Betten und Pflegepersonal für Coronapatienten bereit halten. Und schon gibt es nur noch wenig zu skandalisieren.

faultier vor 4 Wochen

Ich bin völlig bei ihnen ,es ist sogar so Bedarfgerecht geplant ,das im jetzigen Krankenhaus meiner Frau zwei Komplette Stationen zumachen durften und auf ihrer Station in der Spätschicht 1 Schwester auf 16 Patienten kommt.im übrigen wird eine Kopfprämie von mehreren tausend Euro bezahlt wenn jemand eine andere Fachkraft abwirbt ,wie gesagt meine Frau arbeitet auf Normalstation und das bedarfgerechte Arbeiten gehts schon so mehrere Jahre aber wie gesagt es mangelt an nichts und genug Feuerlöscher sind auch auf dem Flur.

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