Corona-Schnelltest Datenschutz: Wo Sie sich sicher auf Corona testen lassen können

An über 370 Orten kann man sich allein in Sachsen derzeit per Antigen-Schnelltest auf das Coronavirus untersuchen lassen. Die Verbraucherzentrale in Sachsen rät, sich genau anzusehen, bei wem man sich testen lässt, schließlich gehe es um hochsensible Gesundheitsdaten.

Aufsteller für Testzentrum in Leipzig
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Man kann den kostenlosen Antigen-Schnelltest derzeit gut gebrauchen – auf Arbeit oder um sich vor den Besuch bei den Verwandten zu testen. Je nach Corona-Schutzverordnung der Länder ist er teils sogar Pflicht, für den Friseurbesuch oder um ein Museum zu besuchen. Seit März dürfen sich Millionen Verbraucher in ganz Deutschland mindestens einmal wöchentlich kostenlos testen lassen. Auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums heißt es dazu, dass der Test in einer Einrichtung von geschultem Personal durchgeführt und das Resultat schriftlich vor Ort zertifiziert werden soll.

Viele Anbieter teilen sich Test-Markt

Weil die Nachfrage groß ausfallen könnte, hat der Bund den Markt für zahlreiche Betreiber geöffnet. Der kostenlose Antigen-Schnelltest wird von Haus- oder Zahnärzten angeboten, von medizinischen Laboren oder Apotheken. Rettungs- und Hilfsorganisationen haben Teststationen, die örtlichen Gesundheitsämter dürfen selbst branchenfremde Unternehmer mit der Testung beauftragen: Testzentren werden beispielsweise von Online-Händlern, Gastronomen, Hoteliers oder Eventmanagern betrieben.

Das Dresdner Gesundheitsministerium listet auf seiner Webseite allein für den Freistaat Sachsen über 370 Orte auf, an denen man sich zurzeit kostenlos testen lassen kann. Innerhalb einer Woche sind mehr als 50 Anbieter dazugekommen – der Markt boomt.

Kosten für Gratistest trägt Bund

Dass sich auf dem Markt so viele Anbieter tummeln, begrüßt die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen. Arztpraxen könnten die Aufgabe allein nicht stemmen, sie müssten schließlich "die ambulante Versorgung gewährleisten", heißt es auf Anfrage von MDR AKTUELL.

Ob Arzt, Apotheker oder Unternehmer – sie alle rechnen die Kosten für die Gratistests über die jeweilige Kassenärztliche Vereinigung des Landes ab. Der Bund erstattet nach eigenen Angaben pro Test nebst Durchführung 18 Euro. Auf die Menge gesehen, kann eine stattliche Summe zusammenkommen. Eine Beispielrechnung: Rund 53 Millionen Menschen sind in Deutschland laut Bundesstatistikamt zwischen 20 und 60 Jahre alt. Würden alle ihren gesetzlichen Anspruch auf einen wöchentlichen Gratistest wahrnehmen, kämen auf den Bund wöchentlich Kosten in Höhe von 954 Millionen Euro zu, monatlich wären es über 3,8 Milliarden Euro.

Gesundheitsämter geben grünes Licht

Um ein Testzentrum zu gründen, braucht es nicht viel. Man muss als Betreiber Personal und ein Hygiene- und Testkonzept vorweisen können, um grünes Licht vom Leipziger Gesundheitsamt zu bekommen. Wer auch immer in diesen Tagen eine Schnelltestung anbietet, sammelt zahlreiche personenbezogene Daten und hochsensible Gesundheitsdaten. Ob die Betreiber dabei auch den Datenschutz einhalten, dafür fühlt sich das Leipziger Gesundheitsamt nicht zuständig. Je mehr Testorte es gebe, desto besser, heißt es auf MDR-Anfrage vom Amt: "Über das Stadtgebiet verteilte Testangebote erleichtern es der Bürgerschaft, möglichst wohnortnah versorgt zu werden".

Personal lässt sich beispielsweise über das sächsische Deutsche Rote Kreuz schulen: In einem anderthalb Stunden dauerndem Lehrgang kann man sich in Theorie und Praxis zum Schnelltester qualifizieren und wenig später Abstriche in Nase oder Rachen vornehmen. "Medizinische Vorkenntnisse" sind für eine solche Ausbildung nicht nötig, heißt es vom Gesundheitsamt.

Ein Mitarbeiter sitzt in einem Corona-Schnelltest-Zentrum im Bilderberg Bellevue Hotel
Ein Mitarbeiter sitzt in einem Schnelltest-Zentrum in Dresden. Bildrechte: dpa

Testzentren auch am Wochenende geöffnet

Wer lieber Testpersonal vom Fach will, sollte wohl besser zur Apotheke seines Vertrauens oder zum eigenen Hausarzt gehen. Wer dagegen auf zeitliche Flexibilität setzt, wird sich möglicherweise für ein Testzentrum entscheiden, das auch am Wochenende geöffnet ist. Die Terminbuchung erfolgt online, im Zentrum werden die Personalien überprüft und der Abstrich genommen. Das Ergebnis dauert von all dem am längsten: Man erhält es binnen einer Viertel- oder halben Stunde per Nachricht aufs Handy. Das Testzentrum hat man da schon längst wieder verlassen.

Bei Räumlichkeiten wird improvisiert

Doch was, wenn man positiv getestet wurde? Laut Testverordnung des Bundes hat man in diesem Fall auch Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test, der endgültige Gewissheit bringen soll. Vom Leipziger Gesundheitsamt heißt es dazu: "Normalerweise verlässt der Getestete das Testzentrum erst, wenn ein negatives, unbedenkliches Ergebnis vorliegt. Dies soll sicherstellen, dass ihm bei positiver Testung sofort eine PCR-Testmöglichkeit vermittelt werden kann."

Die Realität sieht häufig völlig anders aus: Vielen Apotheken fehlen pandemiegeeignete Räumlichkeiten, so dass die Kunden vor Ort nicht auf das Ergebnis warten können. Den Betreibern der Testzentren geht es nicht anders. Sie haben Restaurants, Musikclubs oder Bars in Teststationen verwandelt, die angesichts ihrer neuen Bestimmung ein wenig bizarr anmuten. Das in weiße Schutzanzüge gehüllte Testpersonal nimmt mancherorts vor dem Bartresen den Abstrich aus dem offenen Rachen. Ein paradoxer Anblick in einer Pandemie, in der vielfach improvisiert wird.

Testzentrum auf Karl-Liebknecht-Straße, Leipzig
Im Testzentrum der Firma Eventus Media International, das auch in Leipzig vertreten ist, wurde zuletzt eine Sicherheitslücke entdeckt. Tausende Verbraucher waren betroffen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rechtsexpertin: "So wenig Daten wie möglich"

Doch werden viele Verbraucher von den Teststationen und Betreibern nicht Improvisation erwarten, sondern Professionalität und Sicherheit. Die Betreiber sammeln hochsensible Gesundheitsdaten, im Falle einer Infektion muss das Gesundheitsamt informiert werden. Die Verbraucherzentrale Sachsen rät, sich genau anzusehen, bei wem man sich testen lasse. "Es gibt im Internet keine Garantie auf Datensicherheit", sagt Rechtsexpertin Beate Saupe auf MDR-Anfrage, "deshalb sollte man so wenig Informationen wie möglich von sich preisgeben." So solle man den Anbieter wählen, der für den Gratistest möglichst wenig personenbezogene Daten erhebe. "Der Vergleich zwischen hunderten Anbietern mag mühsam sein, doch der Aufwand lohnt sich", sagt Saupe.

Beate Saupe, Vertreterin der Verbraucherzentrale Sachsen
Rechtsexpertin von der Verbraucherzentrale Sachsen: Beate Saupe Bildrechte: Verbraucherzentrale Sachsen

Sicherheitslücke bei Testzentren in Leipzig

Erst am Freitag berichteten MDR, RBB und NDR von einem neuen Datenleck bei Teststationen, diesmal bei der Firma Eventus Media International (EMI), die auch in Leipzig Filialen betreibt. Durch die Sicherheitslücke waren Corona-Testergebnisse und persönliche Daten ungeschützt im Internet abrufbar. Tausende Kunden in mehreren deutschen Großstädten waren betroffen. EMI bietet ihnen als Ausgleich unter anderem einen kostenlosen Corona-Test an und einige kostenlose FFP2-Masken.

Digitale Infrastruktur möglicherweise anfällig

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BFI) sprach derweil von einer "gravierenden Sicherheitslücke" des Betreibers und erklärte, dass es für die digitale Infrastruktur im Gesundheitswesen hohe Sicherheitsanforderungen gebe. Doch bei den Testzentren sei dieses Niveau bisher nicht gesetzlich vorgeschrieben gewesen. Das kann bedenklich stimmen: Im Falle einer Infektion müssen laut Infektionsschutzgesetz Name, Geburtsdatum und Anschrift weitergemeldet werden. Die Ausweisnummer gehört nicht dazu. Alle Anbieter sind berechtigt, die Daten von Getesteten zu erheben, schon bevor das Testergebnis feststeht, heißt es auf MDR-Anfrage beim Gesundheitsministerium in Dresden. Das Ministerium begründet die Datensammlung damit, dass damit "die Meldung positiver Fälle auch tatsächlich erfolgen kann".

Selbst Ausweis- oder Passnummer ein Pflichtfeld

Eventus Media International ist als Agentur seit Jahren im E-Commerce tätig, seit der Pandemie ist sie ins Geschäft mit Hygieneartikel eingestiegen. Für einen Online-Termin in ihren Teststationen muss man neben Name, Anschrift, Telefon, Geburtsdatum, E-Mail-Adresse und sogar die Personalausweis- oder Passnummer angeben. Eine MDR-Anfrage, wofür all die Daten benötigt würden, ließ die Firma unbeantwortet.

Auf der Firmen-Website heißt es zur Ausweisnummer, dass sie einige Länder bei der Einreise auf dem Testzertifikat verlangten. Ein EU-Land kann hier nicht gemeint sein, nicht eines will derzeit auf dem Schnelltestzertifikat die Ausweisnummer sehen. Rechtsexpertin Beate Saupe rät zur Vorsicht bei solch sensiblen Daten: "Viele Verbraucher benötigen den Schnelltest für einen Friseurbesuch oder für den Besuch bei Verwandten. Für all das braucht man keine Passnummer. Test-Anbieter, die sie obligatorisch einfordern, sollte man meiden."

DJ will Pandemie mit bekämpfen

Zahlreiche personenbezogene Daten erhob zu Wochenbeginn auch die Scaling Medical UG aus Dessau-Roßlau, die der Festivalveranstalter und DJ Philipp Perlwitz in diesem Jahr gegründet hat. Seit kurzer Zeit betreibt er zwei Testzentren in Leipzig. Er wolle "einen Teil zur Bekämpfung der Pandemie leisten", die seit 14 Monaten "große Teile unseres öffentlichen und privaten Lebens stark einschränkt", schreibt Perlwitz auf MDR-Anfrage zu seinem Quereinstieg in die Branche. Er gehe mit den personenbezogenen Daten streng vertraulich um.

Auf die Frage, warum er selbst Ausweis- oder Passnummer abfrage, versichert er, nur eine minimale Datenmenge zu erheben, die für die Abwicklung und Abrechnung der Tests nötig seien. Auf seiner Website hat Perlwitz inzwischen das Pflichtfeld zur Ausweisnummer gelöscht. Auch Eventus Media International hat Ende der Woche nachgezogen: Die Angabe ist inzwischen optional.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 09. April 2021 | 11:48 Uhr

2 Kommentare

Critica vor 3 Wochen

Das ist ein interessanter Artikel, Daumen hoch für mdr.
Doch der Inhalt ist eher gruselig. Deshalb wäre es gut, wenn sich der mdr die Mühe macht und abfragt, welche Daten denn nun tatsächlich wirklich notwenig ist.
Ich persönlich würde meinen, dass man für Schnelltests allerhöchstens seinen Namen nennen müsste, Betonung aus "allerhöchstens". Ist der Test negativ, ist es ja gut. Andernfalls müsste man sowieso zum Gesundheitsamt.

Sonnenseite vor 3 Wochen

Aber am sichersten ist es immer noch zu Hause ☝️


Mehr aus Panorama

Mehr aus Deutschland