Fast zwei Jahre Corona-Pandemie Abgesagte Konzerte: Das passiert mit Tickets und Gutscheinen

Der zweite Corona-Winter stellt die Unterhaltungsindustrie wieder vor große Probleme. Wie reagieren die Menschen, die sich schon vor zwei Jahren ein Ticket für Konzerte oder große Veranstaltungen gekauft haben, die nun zum wiederholten Mal verschoben werden? Und wie sieht die Rechtslage bei der Rückgabe aus?

Konzertkarten des Veranstalters Eventim
Was können Ticketbesitzer tun, wenn das die Veranstaltung diesen Corona-Winter nun erneut ausfällt? Bildrechte: dpa

Die vielen Tourplakate im Besprechungsraum der Leipziger Konzertagentur MAWI zeugen von besseren Zeiten. Als die Agentur noch bis zu 800 Konzerte pro Jahr auf die Beine stellte.

Matthias Winkler hat die Firma vor 31 Jahren gegründet. Stetig sei sie gewachsen, sagt er. Seit anderthalb Jahren gehe aber fast nichts mehr. Auch im zweiten Corona-Winter würden wieder alle seiner Konzerte ausfallen beziehungsweise aufs nächste Jahr verschoben werden, berichtet Winkler. "Das betrifft für uns hier in Mitteldeutschland alle Konzerte auf der Peißnitz-Insel in Halle, zum Beispiel mit Deep Purple. Und es betrifft auch die Konzerte auf der Parkbühne im Clara-Zetkin-Park in Leipzig, auf dem Theaterplatz in Chemnitz und dergleichen."

Doch auch wenn nun Konzerte schon zum zweiten Mal verschoben werden, würden die allermeisten Fans ihre Tickets behalten. Nur etwa jeder zehnte Käufer gebe derzeit seine Eintrittskarte zurück. Was dann aber auch ganz unkompliziert ablaufe, sagt Matthias Winkler. Und: "Wenn er den neuen Termin nicht wahrnehmen kann, da ist der Grund völlig nebensächlich, dann bekommt er das Geld zurückbezahlt."

Gutscheine für vor dem 8. März 2020 gekaufte Tickets

Doch damit ist die MAWI-Konzertagentur wohl eher die Ausnahme als die Regel. Denn um die Konzertindustrie zu schützen, hatte der Gesetzgeber 2020 entschieden: Für bestimmte abgesagte Konzerte dürfen die Veranstalter vorerst auch nur Gutscheine ausstellen. Und zwar für Tickets, die vor dem 8. März 2020 verkauft wurden. Also vor Beginn der Pandemie.

Das erklärt Claudia Neumerkel, Rechtsreferentin bei der Verbraucherzentrale Sachsen: "Und diese Tickets – auch wenn die Veranstaltungen jetzt immer wieder in einer schleppenden Zeitfolge verlegt wurden – können momentan leider noch nicht in bar als Erstattung von dem Veranstalter verlangt werden. Erst mit Ablauf des Jahres 2021 können sich die Verbraucher mit dem Gutschein bei dem Veranstalter melden und eine Barauszahlung verlangen."

Bei Tickets für ausgefallene oder verschobene Konzerte, die nach dem 8. März gekauft wurden, könnten die Käufer schon jetzt auf einer Barauszahlung bestehen, sagt Claudia Neumerkel: "Denn der Veranstalter kommt ja seiner Leistungspflicht nicht nach, unabhängig davon ob er auch den Ausfall zu verantworten hat oder nicht." Das gelte auch für Konzert-Gutscheine, die an einen bestimmten Termin gebunden sind.

Impfbereitschaft bei 2G-Veranstaltungen ausschlaggebend

Etwas anderes ist es der Rechtsreferentin zufolge, wenn kein bestimmter Termin festgelegt wurde: "Dann kann der Kunde sich aussuchen, in welchem Zeitraum er denn die Veranstaltung besuchen möchte, dann muss er eben abwarten, was denn die nächsten Wochen und Monate an Entspannung mit sich bringen. Und dann im besten Falle spätestens im kommenden Jahr sein Ticket einlösen."

Ein weiterer möglicher Fall: Wenn Konzerte zwar stattfinden, aber per Gesetz nur noch nach der 2G-Regel. Da ungeimpften Ticketbesitzern zuzumuten sei, sich impfen zu lassen, könnten diese in dem Fall auf den Kosten sitzen bleiben, meint Claudia Neumerkel. Geld könne aber rückerstattet werden, wenn die Ticketbesitzer es zeitlich nicht mehr geschafft hätten, sich impfen zu lassen oder natürlich, wenn sie sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Dezember 2021 | 06:00 Uhr

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