Mitteldeutschland Unikliniken: Schwerer Verlauf nach Astrazeneca sehr selten

Über 2.600 Mal ist das Astrazeneca-Vakzin an den Unikliniken in Leipzig und Magdeburg geimpft worden, dabei trat eine schwere Komplikation auf. Jetzt wird der Impfstoff deutschlandweit nur an über 60-Jährige verimpft. Unikliniken in NRW hatten die Entscheidung ins Rollen gebracht.

Eingang Uniklinikum Leipzig
Am Uniklinikum Leipzig gab es einen Hirnvenenthrombosefall. Bildrechte: Imago

An den Unikliniken in Mitteldeutschland ist es bisher nur in Leipzig zu einer schweren Komplikation mit dem Astrazeneca-Vakzin gekommen. Das ist der vorläufige Stand einer Umfrage von MDR AKTUELL unter den fünf Häusern. Vom Universitätsklinikum Leipzig (UKL) hieß es, bei einer 25-jährigen Frau sei als schwere Komplikation eine Hirnvenenthrombose aufgetreten. Man habe das Vakzin ausschließlich an eigenes Personal und Medizinstudenten und -studentinnen verimpft: insgesamt 1.154 Mal in Form einer Erstimpfung. Der Medizinische Vorstand des UKL hatte vorige Woche erklärt, dass das Vertrauen in die Impfung sehr hoch sei und die angebotenen Impftermine auch mit Astrazeneca immer vollumfänglich wahrgenommen worden seien.

Magdeburg: Keine schweren Komplikationen verzeichnet

Vom Universitätsklinikum Magdeburg hieß es, bei den insgesamt 1.453 Astrazeneca-Impfungen vom eigenen Personal seien keinerlei schwere Komplikationen aufgetreten. Als Nebenwirkungen habe man örtliche Schmerzen und Schwellungen aber auch Kopfschmerzen, Fieber und Schüttelfrost gemeldet bekommen. Das entspreche den beschriebenen Nebenwirkungen in den Zulassungsstudien. Inzwischen würde der Impfstoff am Klinikum wie in allen anderen Einrichtungen deutschlandweit nicht mehr für unter 60-Jährige eingesetzt.

Am Universitätsklinikum in Dresden wurde dagegen nach eigenen Angaben kein Astrazeneca geimpft. Die MDR-Anfragen an den Unikliniken in Jena und Halle stehen derzeit noch aus.

AstraZeneca COVID-19-Impstoff
Der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Arzneimittelkonzerns Astrazeneca. Bildrechte: dpa

Warum Astrazeneca nur noch für über 60-Jährige eingesetzt wird

Ende März hatten sich fünf der sechs Unikliniken in Nordrhein-Westfalen für einen vorläufigen Stopp von Astrazeneca-Impfungen bei jüngeren Frauen ausgesprochen. Das Risiko von weiteren Todesfällen sei zu hoch, hieß es in einem Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Bund und Länder beschlossen wenig später nach einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), Astrazeneca nur noch für Menschen ab 60 Jahren einzusetzen. Die Zweitimpfung für Jüngere sollte mit einem anderen Vakzin erfolgen, entschied die Stiko Tage später.

Hintergrund sind seltene Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen. In Deutschland gab es entsprechende Komplikationen bei 29 Frauen und zwei Männern im Alter von 20 bis 63 Jahren, in neun Fällen starben die Betroffenen, alle waren jünger als 55 Jahre. Etwa drei Millionen Menschen hatten das Mittel bis dahin deutschlandweit verabreicht bekommen. Greifswalder Forscher gehen davon aus, dass die Thrombosen bei den Patientinnen und Patienten tatsächlich eine Nebenwirkung des Impfstoffes Astrazeneca waren. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hatte am Mittwoch empfohlen, trotz möglicher Nebenwirkungen, den Impfstoff an alle Altersgruppen zu verimpfen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 06. April 2021 | 16:00 Uhr

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