Familienurlaub "Corona-Auszeit für Familien": Bund startet Förderprogramm

Mit dem etwa 50 Millionen Euro schweren Programm "Corona-Auszeit für Familien" will die Bundesregierung Familien unterstützen, die sich keinen Urlaub leisten können. Berechtigte können sich für zweimal sieben Tage Urlaub bewerben, etwa in einer Jugendherberge. Der Fördertopf richtet sich auch Menschen, die Angehörige mit Behinderung haben.

Kinder machen am Küchentisch gemeinsam ihre Hausaufgaben mit den Eltern.
Finanziert wird der Familienurlaub in 73 Unterkünften in Deutschland. Bildrechte: imago images/MiS

  • Das Förderprogramm "Corona-Auszeit für Familien" finanziert Berechtigten 90 Prozent der Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Es richtet sich u.a. an Familien mit kleinem Einkommen.
  • Berechtigte können zweimal sieben Tage Urlaub in 73 Unterkünften in ganz Deutschland beantragen.
  • VdK-Präsidentin Verena Bentele kritisiert, dass An- und Abreisekosten selbst getragen werden müssen.

Die frische Nordseebrise zu spüren, durch die Berge des Allgäus zu wandern oder den Rennsteig im Thüringer Wald zu entdecken, klingt verlockend nach der Coronavirus-Pandemie, die viele Familien in ihre vier Wände gezwängt hat.

Dafür hat das Bundesfamilienministerium ein Förderprogramm aufgesetzt. Es soll Familien mit kleinem oder mittleren Einkommen einen Kurzurlaub ermöglichen.

Bund trägt 90 Prozent der Kosten für Unterkunft und Verpflegung

Das Ministerium teilte dazu mit: "Nicht jede Familie kann sich einen Urlaub leisten, aber alle sollen sich erholen können. Eine Familien-Auszeit wollen wir gerade für die Menschen ermöglichen, die es schwerer haben als andere. Für Familien mit kleinen Einkommen und kleinen Wohnungen waren die Monate mit geschlossenen Kitas und Schulen besonders hart."

Sie sollen ab Oktober in verschiedenen deutschen Jugendherbergen und Begegnungsstätten für eine Woche durchatmen können. Das Programm richtet sich auch an Personen, die Angehörige mit Behinderung haben. Sie müssen, genauso wie die angesprochenen Familien, nur zehn Prozent der Kosten für Unterkunft und Verpflegung zahlen. Den Rest trägt der Bund.

Urlaub in 73 Unterkünften deutschlandweit möglich

Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, findet dafür positive Worte. "Ich finde es erstmal gut, dass es so ein Programm gibt, weil gerade Familien in der Zeit der Pandemie extrem belastet waren. Kinder mussten sich allein beschäftigen, konnten ihre Freundinnen und Freunde nicht mehr sehen, hatten Homeschooling, hatten keine Sportvereinsangebote mehr. Die Eltern mussten sich zerreißen zwischen Kinderbetreuung und der eigenen Arbeit. Das war schon eine sehr harte Zeit."

Die berechtigten Familien können nun sogar zwei Reisen beantragen: Einmal sieben Tage bis Ende 2021 und nochmal sieben Tage im Jahr 2022. Und das in insgesamt 73 Unterkünften in ganz Deutschland. Der Bund finanziert das Programm mit 50 Millionen Euro.

VdK-Präsidentin skeptisch, ob Programm ankommt

Bentele ist aber skeptisch, ob die Fördersumme wirklich aufgebraucht wird: "Unsere Erfahrung ist, dass gerade und insbesondere Menschen mit wenig Geld auch wenig Zeit haben, sich für so ein Programm zu bewerben und wenige Kenntnisse haben, mit dem Bürokratiedschungel zurechtzukommen."

Es bleibe spannend, ob das Programm abgerufen werde, betont Bentele: "Wir kennen das von anderen Leistungspaketen wie dem Bildungs- und Teilhabepaket, dass das von vielen gar nicht so recht in Anspruch genommen wurde."

Zumal die Familien die Kosten für An- und Abreise selbst tragen müssen. Das könnte für ärmere Menschen schon zu viel sein, meint Bentele. Deshalb fordert der Sozialverband auch einen höheren Mindestlohn von über 13 Euro und eine Kindergrundsicherung. Dann, sagt die VdK-Präsidentin, bräuchte es Programme wie die "Corona-Auszeit" womöglich gar nicht.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. September 2021 | 10:10 Uhr

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