Hirnvenen-Thrombosen Vektor-Impfstoffe unter Verdacht

Wissenschaftler verdächtigen das Prinzip der Vektor-Impfstoffe gegen das Coronavirus, für das Risiko einer Hirnvenen-Thrombose verantwortlich zu sein. Auch nach Impfungen mit dem Präparat von Johnson & Johnson sind wenige dieser Fälle aufgetreten – wie zuvor beim Astrazeneca-Vakzin. Immunologen fordern nun, den Fokus bei der Beschaffung auf mRNA-Impfstoffe wie dem von Biontech/Pfizer zu legen.

AstraZeneca COVID-19-Impstoff
Die Gesundheitsminister haben ihre Empfehlung zum Umgang mit dem Astrazeneca-Impfstoff nach seltenen Fällen von Hirnvenen-Thrombosen geändert. Doch auch der neue Impfstoff von Johnson & Johnson gerät in den Fokus – wegen des gleichen Problems. Bildrechte: dpa

Die nach wie vor sehr seltenen schweren Nebenwirkungen nach Coronavirus-Impfungen mit den Präparaten von Astrazeneca und Johnson & Johnson könnten nach Ansicht deutscher Experten mit deren Wirkprinzip zusammenhängen.

Impfdosen werden vorbereitet
Sorge wegen Nebenwirkung bei Impfungen Bildrechte: dpa

So sagte der Direktor des Instituts für Experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedizin an der Uniklinik in Bonn, Johannes Oldenburg: "Dass beide Impfstoffe auf dem gleichen Prinzip beruhen und die gleichen Probleme verursachen, spricht meines Erachtens eher dafür, dass der Vektor selbst die Ursache ist." Allerdings sei das derzeit noch spekulativ.

In beiden Präparaten wird ein an sich harmloses Adenovirus als sogenannter Vektor genutzt, um Informationen des Coronavirus in den Körper zu schleusen. Die sogenannten mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna dagegen beruhen auf einem anderen Prinzip.

Auch andere Erklärungen sind noch denkbar

Laut Oldenburg sei theoretisch zwar auch denkbar, dass das Spike-Protein des Virus, das in allen aktuell verfügbaren Impfstoffen dem Immunsystem präsentiert werde, diese Nebenwirkungen verursacht. Ebenso sei es grundsätzlich möglich, dass die Nebenwirkungen unspezifisch im Rahmen der allgemeinen Immunantwort ausgelöst werden. Auch Clemens Wendtner, Klinik-Chefarzt in München-Schwabing, vermutet jedoch, dass dem das Vektor-Virus zugrunde liegen könnte.

Andreas Greinacher von der Universitätsmedizin in Greifswald hatte kürzlich vermutet, dass die Betroffenen im Verlauf der Immunreaktion bestimmte weitere Antikörper bilden, die Blutplättchen aktivieren, was zu Blutgerinnseln führt. 

Sinusvenen-Thrombosen können durch gerinnendes Blut zu einem Verschluss von Blutgefäßen führen, die aus dem Gehirn zurück zum Herz führen. Dies macht sich meist durch Kopfschmerzen bemerkbar. Auch Lähmungen, Sprachstörungen und epileptische Anfälle können auftreten – und bei schweren Fällen auch Todesfälle.

Bislang 46 Fälle in Deutschland bekannt

Bis 8. April wurden nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts aus Deutschland insgesamt 46 Fälle solcher Thrombosen nach Impfungen mit dem Astrazeneca-Mittel Vaxzevria gemeldet, in 24 Fällen zusätzlich eine Thrombozytopenie, also ein Mangel an Blutplättchen. Fünf Frauen und drei Männern starben. Bis auf sieben dieser Fälle waren nur Frauen im Alter zwischen 20 und 66 Jahren betroffen.

Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson hatte am Dienstag den Marktstart seines Präparats in Europa aufgeschoben, nur einen Tag nachdem mit der Auslieferung begonnen worden war. Zuvor hatten Behörden in den USA eine vorübergehende Aussetzung der Impfungen empfohlen, als dort nach etwa 6,8 Millionen Impfungen sechs Fälle von Sinusvenenthrombosen bekannt geworden waren.

Im März hatten Deutschland und auch andere Länder die Impfungen mit dem Produkt von Astrazeneca vorübergehend gestoppt. Inzwischen wird dessen Einsatz hierzulande nur für Menschen ab 60 Jahren empfohlen, was allerdings die gerade erst angelaufene Impfkampagne in den Arztpraxen wieder bremst. Zudem sollen jüngere Menschen, die mit Astrazenaca bereits einmal geimpft wurden, für ihre zweite Impfung ein anderes Präparat bekommen.

Dänemark stoppt Astrazeneca-Impfungen dauerhaft

Immunologen forderten deshalb Nachbestellungen von mRNA-Impfstoffen. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, sagte der Zeitung "Augsburger Allgemeine", wenn Nebenwirkungen des J&J-Impfstoffs ähnlich häufig seien wie bei dem von Astrazeneca, könne auch dieser nicht für unter 60-Jährige verwendet werden. Auch Watzl äußert dabei die Vermutung, dass man es mit einem generellen Risiko der Vektor-Impfstoffe zu tun habe.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach befürchtet indes keinen nachhaltigen Schaden für die Impfkampagne in Deutschland. Er sagte im Deutschlandfunk, die in den USA aufgetretenen Thrombose-Fälle seien nach den Fällen beim Impfstoff von Astrazeneca zu erwarten gewesen. Er gehe davon aus, dass sie selten blieben, der Impfstoff in den USA wieder genutzt werde und dann auch in Europa.

Die italienische Tageszeitung "La Stampa" berichtete derweil mit Verweis auf das Gesundheitsministerium in Rom, dass die EU-Kommission angeblich die Impfstoff-Verträge mit Astrazeneca und Johnson & Johnson nicht verlängern will, um sich ganz auf mRNA-Präparate wie die von Pfizer/Biontech und Moderna zu konzentrieren. Dänemark stellte am Mittwoch die Impfungen mit Astrazeneca dauerhaft ein.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen teilte unterdessen mit, dass die Hersteller Biontech und Pfizer bis Ende Juni zusätzliche 50 Millionen Impfstoff-Dosen für die EU-Staaten zugesagt hätten.

Quelle: MDR AKTUELL

14 Kommentare

REXt vor 27 Wochen

Gute Impfstoffe brauchen ihre Zeit, nicht um sonst kommen andere Impfstoffe erst nach vielen Jahren auf den Markt u. trotzdem gibt auch da Risiken. Die jetzt im im Eilverfahren hergestellte u. auch auf Zeit zugelassene mRna Impfstoffe gab es noch nie, mRna Impfstoffe erhielten bisher keine Zulassung. Das war erst durch Corona möglich, den Rest kann sich jeder selbst denken. Jeder der sich Impfen läßt, egal mit welchen Impfstoff, trägt selbst für seine Gesundheit die Verantwortung, bei Impfschäden, muß man selbst beweisen, das durch die Impfung der Schaden entstanden ist, ja, dann viel Spaß.

Kritiker vor 27 Wochen

Werter MDR:
Über 400 zweifach geimpfte Personen erkranken an Corona

Die Breitenimpfung bringt entsprechende Anzahl bei Nebenreaktionen hervor.
Anmerkung: Und es ist/sei/wird wohl nur der Anfang sein!

NUR ALLEIN diese beiden Anmerkungen stellen doch in Frage, ob alle Studien und alle dazugehörigen Ergebnisse in vollem Umfang auch MIT ÜBERMITTELT WURDEN?

Aus der von Ihnen angeführten Quelle nur soviel: Unterthema:
Wer überwacht die Impfreaktion:
+...Das PEI führt die Beobachtungsstudie zur Verträglichkeit der COVID-19-Impfstoffe mit Hilfe einer Smartphone-App - SafeVac App 2.0 - durch. Die SafeVac 2.0-App-Befragung ermöglicht es, unerwünschte Impfreaktionen zu ermitteln. Mit dieser App erhält das PEI nicht nur Informationen zu Verdachtsfällen von Nebenwirkungen, sondern auch zum Anteil der Personen, die die Impfung gut vertragen....+

Nähere Ausführungen zu Nebenwirkungen und wieso diese vorher nicht bekannt waren sind hier nirgendwo ersichtlich.

LolaQ vor 27 Wochen

Ich habe gehört, dass die Nebenwirkungen bei den Studien mit den Probanden für AstraZeneca so groß waren, dass man schon vor der Impfung Mittel einnehmen musste, um diese starken Nebenwirkungen zu unterdrücken. Meiner Meinung nach musste es schnell gehen mit dem Impfstoff. Deshalb bin ich sehr skeptisch in Bezug auf den AstraZeneca-Impfstoff. Man hat oft das Gefühl, als wird alles schön geredet.

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