COVID-19 Aufwendige Behandlung bei Intensivpatienten

Jessica Brautzsch
Bildrechte: MDR/Markus Geuther

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft erwartet für die kommenden Wochen eine Rekordzahl an Intensivpatienten. Denn die Zahl der Corona-Infektionen steigt und mit Sicherheit werden einige Erkrankungen auch kritisch verlaufen. Was bedeutet es für Ärzte und Pflegepersonal, wenn ein Patient auf der Intensivstation betreut werden muss?

Krankenpfleger arbeiten in Schutzkleidung in einem Krankenzimmer auf der Intensivstation des Uniklinikums Essen.
Muss ein COVID-19-Patient oder eine COVID-19-Patientin ins künstliche Koma verlegt werden, erhöht sich der Pflegeaufwand stark. Bildrechte: dpa

Zwischen fünf und acht Prozent aller COVID-19-Patienten und Patientinnen benötigen eine intensivmedizinische Behandlung. Die Patienten leiden häufig unter Fieber und Husten, aber vor allem unter Kurzatmigkeit. Sie brauchen Sauerstoff. Etwa in Form nicht-invasiver Beatmung, wie durch eine Sauerstoffmaske. Die Betreuung solcher Patienten und Patientinnen ist recht gut handhabbar.

Verschlechtert sich allerdings deren Zustand, müssen sie in ein künstliches Koma versetzt werden, um künstlich beatmet zu werden. Ab hier steigt der Pflege- und Betreuungsaufwand von Covid-19-Patienten enorm, erklärt Anke Messner, die sächsische Landesvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF).

Bei künstlichem Koma steigt Pflegeaufwand enorm

Ab dem Zustand des künstlichen Komas müsse das Krankenhauspersonal für den Patienten oder die Patientin alles übernehmen, sagt Anke Messner: "Das heißt, er kann sich nicht alleine bewegen, ich muss ihn lagern. Ich muss eine Bronchialtoilette durchführen, das heißt, Sekret aus der Lunge absaugen."

Häufig müssten diese Patienten oder Patientinnen auch eine Lungenspiegelung erhalten, sagt Anke Messner weiter: "Das ist alles Aufwand, den man bei einem ansprechbaren Patienten so nicht hat." Dazu müssen Ausscheidungen und Ernährung überprüft, Medikamente gegeben, der Patient oder die Patientin gewaschen werden.

Pflegekraft kann Patientenzimmer kaum verlassen

Und: Da der Patient oder die Patientin nicht kommunizieren kann, müssen auch ständig die zahlreichen Monitore überwacht werden. Hat der Patient oder die Patientin Schmerzen? Bekommt er oder sie ausreichend Sauerstoff? In der Praxis bedeute das, sagt Messner: "Man ist kontinuierlich im Zimmer. Also bei den Covid-19-Patienten, die wir an der künstlichen Beatmung haben, die sind oft so instabil, dass wir kaum das Zimmer verlassen können."

Auch die hygienischen Vorschriften würden es nicht möglich machen, mal eben das Zimmer zu verlassen und dann wiederzukommen, weil die Pflegekräfte im "Vollschutz" arbeiten würden, sagt Messner weiter: "Das heißt, die meiste Zeit hält sich die Pflegekraft im Zimmer auf. Also engmaschig, das heißt, ich muss den Patienten sekündlich überwachen. Über das Monitoring. Also Herz, Kreislauf und Sauerstoffsättigung. Aber dass ich mir den Patienten anschaue, passiert jede Stunde."

Bauchlage benötigt zusätzliches Personal

Diese Aufgaben lassen sich noch von einer Pflegekraft erfüllen. Allerdings wird zur Behandlung von Covid-19-Patienten auch empfohlen, diese regelmäßig in die Bauchlage zu bringen. Das kann helfen, mehr Sauerstoff ins Blut zu bringen. Doch was einfach klingt, ist ein großer Aufwand, sagt Anke Messner.

So benötige das Drehen in Bauchlage mindestens drei Pflegekräfte und einen Arzt oder eine Ärztin. "Der Patient muss im künstlichen Koma sein und hat einen Beatmungsschlauch im Mund. Außerdem hat er eine Magensonde und meistens noch einen Blasenkatheter. Also diverse Zu- und Ableitungen. Das muss alles beachtet werden, damit nichts rausreißt."

Häufige Komplikationen bei COVID-19-Patienten

Noch ein anderer Punkt macht die Betreuung von Covid-19-Patienten auf Intensivstationen besonders aufwendig, sagt Messner: "Also bei den COVID-19-Patienten haben wir einfach sehr viel mehr Komplikationen, die wir sehen. Lungenembolien passieren relativ häufig. Wir sehen Thrombosen. Wenn wir den Patienten in die Bauchlage bringen, können wir bei den Patienten auch mal mehrere Stunden nicht die Pupillen überwachen."

So könnten Zeichen einer Hirnblutung nicht sofort erkannt werden, sagt Messner. Eben diese Anfälligkeit macht die engmaschige Überwachung so notwendig. Anke Messner glaubt, dass eine Pflegekraft mit großer Anstrengung zwei COVID-19-Intensivpatienten parallel betreuen könnte. Doch schon ab drei würde ihrer Meinung nach die Versorgung der Erkrankten leiden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. November 2020 | 17:48 Uhr

3 Kommentare

mattotaupa vor 33 Wochen

"momentan ca. 6% aller Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt" intensivbetten belegt: 21.555, frei: 7.216, wg. covid19 bereits jetzt invasiv beatmet: 1.261. ja, IM MOMENT sind noch betten frei, der anstieg der infektionszahlen ist enorm und damit steigt (zeitverzögert um etwa 10 tage) auch der bedarf an intensivbehandlung. bis zu diesem anstieg sind aber die bislang belegten intensivbetten nicht frei geworden und zusätzliches personal ist auch nicht irgendwelchen gräbern entstiegen. ~7.000 freie betten bei ~80.000.000 potentiellen patienten ist nicht so dolle, wenn die alle zur gleichen zeit auf die station wollen. "alle Betten wären von Corona-Patienten belegt" das wird nirgends so dargestellt aber wenn in absehbarer zeit alle bislang freien intensivbetten mit covid19-patienten voll sind, wo kommt dann der weiterhin anfallende herzinfarkt, der verkehrs-, haushalts- oder arbeitsunfall unter? klar, auf deren totenschein steht dann nicht "covid19" aber ob das dann beruhigt?

mattotaupa vor 33 Wochen

panik? wo? der artikel zählt bislang bekannte fakten auf. wenn sie auf fakten panisch ragieren, wie kommen sie im restlichen leben mit der realitätsbewältigung klar?

Critica vor 33 Wochen

Bitte nicht schon wieder - oder immer noch - Panik verbreiten.
Covid 19 ist neu! Und auch die Aller-Allerschlauesten wissen wegen der Kürze der Zeit noch nicht, welche Spätfolgen es geben könnte und ob es überhaupt welche gibt.
Ich würde mir jetzt ein Virus wünschen, das den Medien Einhalt gebietet. Vielleicht gibt es das ja schon und ist auch schon in Wartestellung.

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