Coronavirus Experten: Mutationen verdrängen ursprüngliches Covid-Virus

Es werden immer neue Coronavirus-Mutationen entstehen, sagen Virologen und warnen vor verfrühten Lockerungen. Denn bei einem Rückgang der Infektionszahlen sinke die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Varianten entstehen.

Mikroskop-Aufnahme von Coronavirus
Bislang gibt es in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nur einzelne Nachweise zu Infektionen mit mutierten Virenstämmen. Bildrechte: dpa

Auch wenn die Inzidenzzahlen in zahlreichen Städten und Landkreisen Mitteldeutschlands sinken, sehen Experten eine mögliche Lockerung des Lockdowns Mitte Februar kritisch. Sorgen bereiten vor allem die Virusmutationen. "Langfristig werden die neuen Varianten die alten verdrängen und es werden fortlaufend neue Varianten an Corona-Viren entstehen", ist sich Professor Mathias Pletz, Infektiologe am Universitätsklinikum Jena, sicher.

Matthias Pletz
Professor Mathias Pletz ist Infektiologe am Universitätsklinikum Jena. Er sagt: "Langfristig werden die neuen Varianten die alten verdrängen." Bildrechte: UKJ/Anna Schroll

Kritisch könnte es laut Dr. Thomas Grünewald, Infektiologe am Klinikum Chemnitz,werden, wenn "sogenannte Escape-Mutanten auftreten" würden, also Mutationen, die sich der Schutzwirkung der bislang verfügbaren Impfstoffe vollständig entziehen würden.

Schätzungen: Mutationen in den USA im September zu 90 Prozent vorherrschend

Bislang gibt es für die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nur einzelne Nachweise zu Infektionen mit mutierten Virenstämmen, genaue Zahlen fehlen auch für ganz Deutschland. Dr. Corinna Pietsch, Chef-Virologin am Universitätsklinikum Leipzig, vermutet, dass "die Zahlen in den meisten Regionen Deutschlands noch im niedrigen einstelligen Bereich liegen. Es ist davon auszugehen, dass sich ohne gezielte Maßnahmen ihr Anteil an den Infektionszahlen pro Woche etwa verdoppeln könnte."

Erste Schätzungen gibt es laut Dr. Grünewald bereits für die Mutations-Entwicklung in den USA. Dort wird erwartet, dass die neuen und weitere noch kommende Varianten im September dieses Jahres bereits "zu etwa 90 Prozent vorherrschend sein werden". Ähnlich seien die Prognosen für Großbritannien, wo frühzeitig mutierte Virenstämme aufgetreten waren.

Virologin Dr. Pietsch warnt vor verfrühten Lockerungen

Die Experten machen allerdings auch Hoffnung: Bei einem Rückgang der Infektionszahlen sinke die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Varianten entstehen. Auch deshalb sehen sie eine verfrühte Lockerung des Lockdowns kritisch. Prof. Pletz: "Der Gewinn, den der Lockdown bislang gebracht hat, könnte schnell wieder verloren gehen." 

In einem Labor im Institut für Virologie am Universitätsklinikum Leipzig sitzt die Oberärztin Dr. Corinna Pietsch, Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie an einer Sicherheitswerkbank.
Dr. Corinna Pietsch ist Chef-Virologin am Universitätsklinikum Leipzig. Sie betont, "ohne gezielte Maßnahmen" könne sich der Anteil der Mutationen an den Infektionszahlen pro Woche etwa verdoppeln. Bildrechte: dpa

Dr. Corinna Pietsch rät von umfänglichen Lockerungen Mitte Februar ab. Die Zahlen seien – Mutationen hin oder her – ohnehin noch zu hoch, um ein sicher kontrolliertes Wiedereröffnen von Schulen oder Geschäften zu ermöglichen. Zwar sei die Intensivkapazität in Deutschland bezogen auf die Bevölkerung deutlich größer als in Portugal, betont Prof. Pletz. Aber: "Würde man das Virus ungebremst zirkulieren lassen, würden auch wir schnell an unsere Grenzen stoßen."

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 28. Januar 2021 | 21:00 Uhr

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