Covid-19 Coronavirus: Keine Übertragung über Trinkwasser

Kann das Coronavirus in unser Trinkwasser gelangen? Das wollte MDR AKTUELL-Nutzerin Kerstin Czombera aus Sachsen von uns wissen. Sie fragt sich, ob unser Trink- sowie Abwasser auf Coronaviren untersucht wird.

3D-Zeichnung des Corona-Virus
Lassen sich Coronaviren im Trink- oder Abwasser nachweisen? Bildrechte: imago images/CHROMORANGE

Ein Wasserturm im Leipziger Osten. Hier kommt ein Großteil des Trinkwassers der Stadt an, wird gespeichert und verteilt – und direkt vor Ort im Labor untersucht, erklärt Heiko Schulze, der Laborleiter der Leipziger Wasserwerke. "Wir kontrollieren schon die Rohwasserquellen, dann die Aufbereitung selbst und dann die Verteilung. Dabei fallen hier bei den Leipziger Wasserwerken mehrere tausend Proben im Jahr an, die wir auf eine ganze Reihe von chemischen und mikrobiologischen Parametern untersuchen."

Diese regelmäßigen Untersuchungen schreibe die Trinkwasserverordnung vor, so Schulze. Coronaviren spielen dabei keine besondere Rolle.  Ein unmittelbarer Nachweis von Coronaviren sei nicht vorgesehen und auch nicht notwendig, da zum Beispiel das Umweltbundesamt festgestellt hat, dass Trinkwasser beim Übertragungsweg auf den Menschen keine Rolle spiele, erklärt Schulze. "Auf das Trinkwasser kann ich hier für Leipzig, für Sachsen, aber auch für Deutschland in Bezug auf Corona Entwarnung geben."

Coronaviren im Abwasser nachweisbar, aber nicht infektiös

Corona übertrage sich von Mensch zu Mensch, schreibt das Umweltbundesamt, nicht aber über geprüftes, sauberes Trinkwasser. Doch wie sieht es mit dem Abwasser aus? Lassen sich hier Coronaviren tatsächlich nachweisen? Ziemlich sicher sogar, sagt der Laborleiter. "Das ist hier der automatische Probennehmer am Zulauf der Kläranlage Rosenthal für die Stadt Leipzig. Und hier wird das Abwasser regelmäßig entnommen. Viren gelangen natürlich ins Abwasser. Aber wenn wir uns das jetzt konkret auf Coronaviren anschauen, dann werden derzeit nur die Erbinformationen gefunden. Das heißt, die Nukleinsäure, und keine lebenden Viren, die irgendwo dann infektiös sein könnten."

Virenreste im Abwasser – für die Forschung ist das sogar gut. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ) untersucht schon länger und deutschlandweit das Abwasser aus Kläranlagen. Mikrobiologe Hauke Harms hat dabei festgestellt, dass sich der Inzidenzwert, etwa von Coronainfektionen, lokal ermitteln lässt – über die Konzentration des Viren-Erbguts ab einem bestimmten Wert. "Also 50, diese magische Zahl, dieser Inzidenzwert, der immer genannt wird, das geht. Das geht auch einigermaßen problemlos."

Lokale Hotspots könnten so über das Abwasser in Zukunft schneller erkannt werden. Bereits heute kann man über Klärwerke herausfinden, wie viele Drogen etwa in einer Stadt konsumiert werden oder welche Rückstände Medikamente hinterlassen. Für die Betreiber der Anlagen ist das aber zweitrangig. "Weil wir natürlich wissen, dass da Viren und Bakterien drin sind. Uns geht es ausschließlich darum, das Abwasser im Hinblick auf seine chemischen Inhaltsstoffe zu reinigen, damit die Umwelt, das nachfolgende Gewässer, nicht gestört oder geschädigt wird." Ihnen geht es am Ende also vor allem darum, dass keine Schadstoffe in die Natur gelangen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. April 2021 | 07:22 Uhr

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