Corona-Maßnahmen Winterurlaub in Mitteldeutschland: Welche Regeln gelten wo?

Vom Harz bis nach Oberhof: Mitteldeutschland zieht seit jeher Wintersportler und -touristen an. Doch in der Corona-Pandemie ist der Winterurlaub plötzlich mit Fragezeichen versehen. Welches "G" muss ich mitbringen, um im Hotel einchecken zu dürfen? Haben Saunen, Skipisten oder Restaurants überhaupt geöffnet? Kurz: Welche Regeln gelten in welchem Bundesland? Ein Blick in die Corona-Verordnungen der Länder zeigt: Selbst auf kommunaler Ebene gelten teils unterschiedliche Regelungen.

Menschen sitzen in den Gondeln des Fallbachlift auf dem Weg zum Skihang in Oberhof.
Winterwetter in Oberhof: Wer hier Ski fahren möchte, für den gilt aktuell die 3G-Regel. Bildrechte: dpa

Die aktuellen Regeln in Sachsen

Volle Hotels und Pisten: Im sächsischen Skiort Oberwiesenthal fühlt sich die aktuelle Saison wieder fast normal an. Kurz vor den Winterferien gibt es großen Andrang, erzählt Claudia Brödner vom Tourismusverband Erzgebirge: "Derzeit erreichen uns viele kurzfristige Anfragen, die wir in unserer Region noch platzieren können."

Sächsische Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze haben aktuell geöffnet – allerdings nur unter 2G+. So steht es in der aktuell gültigen Corona-Notfallverordnung des Freistaates, die bis zum 6. März gilt. Für Reisende, die Verwandte besuchen oder beruflich unterwegs sind, genügt dagegen ein 3G-Nachweis. Skitouristen benötigen in jedem Fall einen 2G-Nachweis: In Sachsen gilt für sämtlichen Außensport "geimpft oder genesen".

3G, 2G, 2G+: Was war das noch mal?

  • 3G: Zugang haben nur Personen, die vollständig gegen Corona geimpft (der Status läuft nach neun Monaten ab), genesen (der Status läuft nach drei Monaten ab) oder getestet (maximal 24 Stunden alter Antigen- oder maximal 48 Stunden alter PCR-Test) sind.
  • 2G: Zugang haben nur Personen, die vollständig gegen Corona geimpft (der Status läuft nach neun Monaten ab) oder genesen (der Status läuft nach drei Monaten ab) sind. Personen, die weder geimpft noch genesen sind, haben durch einen Test keinen Zutritt.
  • 2G+: Zusätzlich zum Status "geimpft" oder "genesen" muss für den Zugang ein negativer Test vorgelegt werden. Die Testpflicht entfällt bei einer Boosterimpfung oder wenn Genesung bzw. Zweitimpfung weniger als drei Monate zurückliegen.
  • Von den Regeln ausgenommen sind grundsätzlich Minderjährige mit Nachweis über regelmäßige Testung an der Schule und Personen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Im Detail ist das auf den Internetseiten der Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nachzulesen.

Für Freizeiteinrichtungen wie Kinos oder Konzerte gilt ebenfalls 2G+, ebenso für Schwimmbäder, Thermen und Saunen. Etwas weniger streng sind die Regeln für Gaststätten und Restaurants in Sachsen: Hier gilt 2G statt 2G+, auch die Öffnungszeiten sind nicht mehr begrenzt. Bars und Clubs dürfen nach den derzeit geltenden Regeln nicht öffnen.

Voraussetzung für diese Regeln ist aber, dass die Überlastungsstufe nicht erreicht wird – diese gilt, wenn eine bestimmte Bettenzahl auf den sächsischen Normal- oder Intensivstationen überschritten wird. Sollte die Überlastungsstufe wieder erreicht werden, sind touristische Übernachtungen in Hotels nicht mehr erlaubt, Bäder müssen schließen, im Innenbereich von Gaststätten gilt dann wieder 2G+ und eine Sperrstunde. Derzeit (Stand: 10. Februar) ist das aber nicht zu befürchten: Die Belegungszahlen auf Normal- und Intensivstationen liegen bei weniger als der Hälfte des Grenzwertes.

Die aktuellen Regeln in Sachsen-Anhalt

Ein Auf und Ab – das hätte die Tourismusbranche in Sachsen-Anhalt hinter sich, berichtet Frauke Flenker-Manthey vom Tourismusverband IMG Sachsen-Anhalt: "2018 hatten wir unser Ziel von acht Millionen Besuchern schon übertroffen, früher als erwartet – dann kam Corona."

Für den Besuch von Museen und Theatern ist in Sachsen-Anhalt derzeit ein 2G-Nachweis erforderlich, je nach Personenanzahl vor Ort kann auch 2G+ verpflichtend werden. Flenker-Manthey setzt allerdings darauf, dass die Regelungen bald gelockert werden.

In Sachsen-Anhalt sind Hotels und Beherbergungsstätten geöffnet: Anders als in Sachsen brauchen auch touristische Gäste grundsätzlich nur einen 2G-Nachweis. Aber: Die Betreiber können freiwillig auf 2G+ setzen – dann gelten im Gegenzug für Maßnahmen wie das Maskentragen und Kapazitätsgrenzen deutlich lockerere Bestimmungen.

Auch für Veranstaltungen, Gaststätten und Sport gilt im Regelfall 2G mit der Option auf 2G+ für Betreiber. Darüber, wo 2G und wo 2G+ gilt, gibt es aber keinen Überblick - ein Sprecher des Gaststättenverbandes Dehoga rät auf Anfrage von MDR AKTUELL: Die Website des Betreibers oder ein Anruf bringen Klarheit, auf welches Modell der jeweilige Betreiber setzt. Eine Sperrstunde für die Gastronomie gibt es nicht.

Skisport spielt in Sachsen-Anhalt eher eine geringere Rolle als in Sachsen und Thüringen. Die Loipen für den Skilanglauf in Sachsen-Anhalt, etwa in Wernigerode, sind allerdings ohne G-Regel für jedermann zugänglich. Das gilt auch fürs Wandern. Frauke Flenker-Manthey etwa war erst am Wochenende auf einer ihrer liebsten Wanderrouten unterwegs: bei Tanne im Oberharz.

Die aktuellen Regeln in Thüringen

"Also eines ist mal sowieso klar: Thüringen ist das schönste Bundesland. Das steht außer Frage." Für Dirk Ellinger, den Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Thüringen, lohnt eine Reise in den Freistaat immer – trotz Corona. In Thüringen wurden zuletzt mehrere Maßnahmen gelockert: In Gaststätten gilt dort nun 3G statt 2G, die Sperrstunde von 24 bis 5 Uhr entfällt. Und Schwimmbäder, Thermen und Saunen dürfen nach gut zweimonatiger Zwangspause wieder öffnen, wenn auch nur unter 2G+.

Für Wintersportfreunde, die sich beispielsweise in Oberhof auf die Bretter wagen wollen, gilt aktuell die 3G-Regel. In Bars oder der Skiverleih-Station muss hingegen mit 2G gerechnet werden.

Das alles gilt in der Warnstufe 3, die vom Gesundheitsministerium als Standard definiert wird. Weitere Lockerungen können Städte und Landkreise, die seit sieben Tagen in einer niedrigeren Warnstufe liegen, per Allgemeinverfügung erlassen: Für touristische Übernachtungen kann dort die 3G- statt die 2G-Regel gelten, in Schwimmbädern und Saunen 2G statt 2G+. Doch umgekehrt sind auch Verschärfungen möglich: Ab einer Inzidenz von 1.500 gilt etwa wieder eine Sperrstunde in Restaurants, ab einer Inzidenz von 2.000 müssen Freizeiteinrichtungen und Gaststätten gar ganz schließen.

Derzeit (Stand: 10. Februar) sind die meisten Thüringer Städte und Kreise in Warnstufe 2, auch im Kreis Schmalkalden-Meiningen mit der Skisport-Hochburg Oberhof – Lockerungen könnten dort also anstehen. Für das Hin und Her hat Dirk Ellinger von der Dehoga kein Verständnis: "Die Regelungen versteht doch kein Mensch mehr. Warum etwa touristische Übernachtungen derzeit 2G und nicht-touristische 3G sind, erschließt sich mir nicht." Er rät dazu, sich vor Antritt einer Reise bei der Unterkunft oder dem örtlichen Tourismusbüro über die gerade geltenden Regeln genau zu informieren.

Welche besonderen Regeln gelten für Kinder und Jugendliche?

Für viele Eltern stellt sich zu Beginn der Ferien die Frage, ob für Kinder und Jugendliche abweichende Regeln bestehen. Vor allem bei den "G-Regeln" und dem Tragen von Gesichtsmasken gibt es tatsächlich Unterschiede. Die wichtigsten Regelungen im Überblick:

In Sachsen sind Kinder unter sechs Jahren und vor der Einschulung generell von jeder Testpflicht ausgenommen. Für Kinder und Jugendliche unter 16 gilt: Der Zutritt zu Orten, an denen 2G+, 2G oder 3G gilt, ist auch ohne Impfung bzw. tagesaktuellen Test möglich, wenn nachgewiesen werden kann, dass im Rahmen des Schulbesuchs regelmäßig getestet wird. Stichprobenartige Anrufe bei Cafébetreibern ergaben: Hierfür wird das Vorzeigen eines Schülerausweises akzeptiert. Das gilt auch in den Schulferien. Von der Maskenpflicht sind Kinder unter sechs Jahren ganz ausgenommen, Kinder und Jugendliche unter 16 müssen auch an Orten mit FFP2-Maskenpflicht nur OP-Maske tragen.

In Sachsen-Anhalt sind Kinder unter sechs Jahren von jeder Testpflicht ausgenommen. Bei Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 17 Jahren wird grundsätzlich Zutritt zu Orten mit 2G+/2G/3G-Regel gewährt – es wird angenommen, dass sie der Testung in der Schule unterliegen. In der Ferienzeit gilt das jedoch nicht: Hier benötigen Sechs- bis 17-Jährige einen höchstens 24 Stunden alten negativen Schnelltest; dieser kann auch vor Ort unter Aufsicht durchgeführt werden. Die Maskenpflicht gilt nicht für Kinder unter sechs Jahren, bei älteren Kindern besteht kein Unterschied zu Erwachsenen, da in Sachsen-Anhalt keine FFP2-, sondern nur eine OP-Maskenpflicht gilt.

In Thüringen sind Kinder vor Einschulung von der Testpflicht ausgenommen. Kinder und Jugendliche unter 18 benötigen einen Nachweis über regelmäßige Testung in der Schule, um 2G+/2G/3G zu erfüllen. Die Landesverordnung erwähnt explizit eine Bescheinigung der Schule: Es empfiehlt sich daher, eine solche formlos von der Schule ausstellen zu lassen. Andernfalls genügt ein höchstens 24 Stunden alter Selbsttest, dieser ist vor Ort unter Aufsicht möglich. Die Maskenpflicht gilt wie in Sachsen-Anhalt nicht für Kinder unter sechs Jahren, bei älteren Kindern besteht kein Unterschied zu Erwachsenen, da auch in Thüringen keine FFP2-, sondern nur eine OP-Maskenpflicht gilt.

Urlaub in Tschechien – eine Alternative?

In Deutschland wanken derzeit viele 2G-Regelungen, in Tschechien wurden sie schon gekippt: Das Oberste Verwaltungsgericht hat dort kürzlich 2G in Gaststätten und Hotels für unzulässig erklärt. Für Touristen aus Deutschland wird es aber nicht unbedingt einfach, auf Tschechien als Reiseziel auszuweichen: Bei der Einreise muss weiterhin ein tagesaktueller PCR-Test vorgelegt werden. Das gilt sogar für doppelt Geimpfte, solange sie noch keine Booster-Impfung erhalten haben. Angesichts der derzeit knappen PCR-Tests in Deutschland wird eine Tschechienreise damit zur echten Herausforderung.

So schwer verständlich die Regelungen sind, so groß der Ärger in der Branche und bei Touristen ist: Immerhin auf anständiges Winterwetter war in diesem Jahr die meiste Zeit Verlass. Schnee ist dieses Jahr vielerorts ausreichend vorhanden. In Oberhof etwa liegt derzeit eine gute Schneedecke, fast alle Lifte sind geöffnet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 10. Februar 2022 | 19:30 Uhr

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