Impfstoffmangel Zweitimpfungen haben Vorrang vor Erstimpfungen

Immer wieder hört man im Moment: Termine für die Corona-Impfung gebe es erstmal nur für Zweitimpfungen, Erstimpfungen müssten warten. Ärgerlich, wo doch ab kommender Woche alle einen Impftermin vereinbaren können. Aber was ist da dran? Werden im Moment tatsächlich mehr Zweit- als Erstimpfungstermine vergeben?

Impfdosen werden vorbereitet
Momentan steigt die Quote der Zweitimpfungen immer weiter an. Bildrechte: dpa

Katrin Baier leitet das Impfzentrum im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt. Im Moment würden hier etwa zwei Drittel Zweitimpfungen und nur ein Drittel Erstimpfungen verabreicht, sagt sie: "Durch diese unterschiedlichen Zeitfenster kommt es natürlich gerade aktuell zu Überschneidungen, wenn man sich im Sechs-Wochen-Bereich der Nachimpfungen für Biontech beziehungsweise dann im Zwölf-Wochen-Bereich für Astrazeneca-Nachimpfungen befindet. Das heißt, dass deshalb auch das Verhältnis von Erst- und Zweitimpfungen zurzeit angespannt ist, wir also mehr Zweit- als Erstimpfungen durchführen."

Immer mehr Zweitimpfungen

In Sachsen-Anhalt sind die Landkreise und kreisfreien Städte für die Impfungen verantwortlich. Einige schreiben MDR AKTUELL zwar von mehr Erst- als Zweitimpfungen, aber von einer relativ deutlichen Entwicklung: "Die Quote der Zweitimpfungen wird weiter steigen", heißt es etwa aus Magdeburg. Wochenweise gebe es gar keine Erstimpfungen mehr. Dessau-Roßlau vergebe für Juni fast gar keine Erstimpfungstermine. Auch der Landkreis Anhalt-Bitterfeld erwartet aufgrund der knappen Impfstofflieferungen eine deutliche Verschiebung hin zu den Zweitimpfungen.

In Sachsen scheint die Situation dagegen entspannter. Zum aktuellen Verhältnis Erst- zu Zweitimpfungen sagt Kai Kranich vom Deutschen Roten Kreuz: "Wir haben natürlich immer noch mehr Erstimpfungen als Zweitimpfungen, aber der Abstand ist im Vergleich zu den letzten Wochen und Monaten auch etwas geschrumpft." Auch hier stehen jetzt immer mehr Zweitimpfungen an. Und die haben im Zweifel Vorrang, erklärt Kranich: "Es gibt immer noch bei uns in der Planung die Priorität, dass Zweitimpfungen vor neuen Erstimpfungen zu betrachten sind. Also einfach, damit wir die Sicherheit haben: Wer eine Erstimpfung bekommen hat, bekommt eine Zweitimpfung in jedem Fall."

Impfstoff immer noch knapp

In Thüringen würden im Moment etwa gleich viele Erst- und Zweitimpfungen verspritzt, meint Annette Rommel. Sie ist die Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung und sagt: "Es gibt auch Zeiten, in denen führen wir nur Erstimpfungen durch, zum Beispiel an einem Wochenende nur Erstimpfungen und am Wochenende darauf mehr Zweitimpfungen."

Insgesamt liegt die Impfquote für Erstimpfungen in Thüringen bei rund 41 Prozent, die für Zweitimpfungen bei rund 20 Prozent. Tolle Zahlen, findet Rommel und ärgert sich doch: "Das Thema sind immer die nicht vorhandenen Impfstoffdosen, die uns da beschränken in der Erstimpfung."

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 02. Juni 2021 | 08:05 Uhr

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