Nebenwirkungen Probleme nach Corona-Impfung: Wo gibt es Hilfe?

Mittlerweile sind über 30 Millionen Menschen in Deutschland vollständig gegen das Coronavirus geimpft. In den meisten Fällen verläuft die Impfung unkompliziert. Aber eben nicht immer. Wie ein MDR AKTUELL-Hörer schildert, bekam er nach der Impfung Gelenk- und Muskelschmerzen, die monatelang nicht abklangen: "Hausärzte, Chirurgen und auch Neurologen konnten mir keine Auskunft darüber geben, auch nicht zu Auswirkungen von Medikamenten auf das Immunsystem. Wer kann mir also helfen?"

Ein Mann wird geimpft.
Auch bekannte Impf-Reaktionen können gemeldet werden. Bildrechte: dpa

Die Corona-Impfstoffe sind rasend schnell entwickelt worden. Trotz umfangreicher klinischer Studien mit zehntausenden Probanden tauchen erst nach und nach Impffolgen auf, die vor der Zulassung noch unbekannt waren.

Nicht alle Probleme hängen mit Impfung zusammen

Das Problem: Nicht alle gesundheitlichen Auffälligkeiten, die nach einer Impfung auftauchen, hängen zwangsläufig mit eben dieser zusammen. Darauf verweist das Paul-Ehrlich-Institut in jedem seiner Sicherheitsberichte. Die von unserem Hörer geschilderten Muskel- und Gelenkschmerzen zählen auf jeden Fall zu den möglichen Impfreaktionen nach einer Impfung mit dem Biontech-Wirkstoff. Sie können aber auch andere Ursachen haben.

Der Hörer hat jedenfalls alles richtiggemacht. Johannes Schenkel, Ärztlicher Leiter der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD), sagt, erster Ansprechpartner sollte immer der Hausarzt oder die Hausärztin sein. Dort sollte auch ein Medikamente-Check gemacht werden:

Muskelbeschwerden können durchaus durch Medikamente ausgelöst werden.

Johannes Schenkel Ärztlicher Leiter, Unabhängige Patientenberatung Deutschland

Johannes Schenkel: "Solche Muskelbeschwerden könnten durchaus durch Medikamente ausgelöst werden. Je nachdem, was in der Diagnostik herauskommt, müssten dann im nächsten Schritt weitere Fachärzte hinzugezogen werden."

Wenig Wechselwirkungen mit Medikamenten

Johannes Schenkel zufolge sind das neben Neurologen etwa Orthopäden oder Spezialambulanzen in Uni-Kliniken. Wie es für den Hörer konkret mit der Behandlung konkret weitergehen könne, sei Sache des behandelnden Arztes, betont der UPD-Leiter.

In Bezug auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten seien die Impfstoffe sehr unkompliziert, sagt Schenkel. Einzig bei Medikamenten, die auf das Immunsystem wirkten, sei Vorsicht geboten. Vor allem, weil sie Einfluss auf die Wirksamkeit des Impfstoffs haben könnten.

Auch bekannte Impf-Reaktionen melden

Johannes Schenkel sagt, wenn man unerwünschte Impfnebenwirkungen bei sich bemerke oder sie auch nur vermute, sollte man sie dem Paul-Ehrlich-Institut melden. Das geht online, über eine App oder über den behandelnden Arzt. Dabei spielt die Schwere der möglichen Nebenwirkung keine Rolle.

Auf Anfrage von MDR AKTUELL teilte das Institut schriftlich mit: "Das gilt sogar für Reaktionen, die in der Produktinformation als bekannt aufgeführt sind. Verdachtsfälle auf schwerwiegende Ereignisse sind sogar nach Infektionsschutzgesetz meldepflichtig durch Ärzte und weitere Angehörige der Heilberufe und nach Arzneimittelgesetz durch die pharmazeutischen Unternehmen, wenn sie davon Kenntnis erlangt haben." Auch die Unabhängige Patientenberatung rät dazu, jede Reaktion zu melden. Das sei sogar sehr wichtig, sagt der ärztliche Leiter Johannes Schenkel:

Sehr seltene Nebenwirkungen treten womöglich erst durch gehäuftes Melden zu Tage.

Johannes Schenkel Ärztlicher Leiter, Unabhängige Patientenberatung Deutschland

Johannes Schenkel: "Es kann ja durchaus sein, dass das eine ganz seltene Nebenwirkung ist und das Ganze erst durch gehäuftes Melden zu Tage tritt."

Sollten Geimpfte tatsächlich eine gesundheitliche Schädigung davongetragen haben, können Sie schließlich noch einen Antrag auf Versorgung, also auf Entschädigung, stellen. Dafür muss aber festgestellt werden, dass zumindest eine gewisse Wahrscheinlichkeit gegeben ist, dass der erlittene Schaden mit der Impfung zusammenhängt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 08. Juli 2021 | 06:00 Uhr

3 Kommentare

der Uwe vor 28 Wochen

Also Gelenk/ Muskelbeschwerden traten in meiner Familie (bei älteren) auch ca. 4 bis 6 Wochen NACH der Zweitimpfung auf . Der Arzt vermutete ( den Verdacht !!) auf eine " eingeleitete/ in Symptomen aufbrechende" Arthrose , die er mit Vitamin D Präperaten behandelte . Jetzt nach weiteren zwei bis drei Wochen sind die Symtome etwa zu 70 bis 80% gelindert. Ich glaube, da es bei besagter Person erstmalig auftrat UND zeitgleich mit einer Mitbewohnerin im Haus , die sich ebenfalls mit Comirnaty/Biontech impfen ließ und über Selbiges klagte ( man tratscht ja mal untereinander ), dass es ein Zusammenhang mit der Impfung geben könnte. Ob die Diagnose sooo 100% ig ist zwecks einer "Arthrose" ist bisher nicht durch bildgebende Mittel bestätigt worden.Ich las auch vor geringer Zeit, dass in GB vereinzelt Herzmuskelentzündungen nach Impfungen auftraten, die aber allesamt wieder schwanden ....

MDR-Team vor 28 Wochen

Hallo wo geht es hin,
seitens offizieller Stellen wurde nie behauptet, dass keine Nebenwirkungen auftreten können. Auch in den Aufklärungsbögen, die vor Verabreichung der Impfdosen auszufüllen sind, wurde stets darüber informiert. Die durch Nebenwirkungen auftretenden Schäden sind jedoch qualitativ wie quantitativ geringer als jene, die durch einen schweren Krankheitsverlauf zutage treten könnten.
Ihre MDR.de-Redaktion

wo geht es hin vor 28 Wochen

Es gibt Probleme nach der Impfung? Halte ich für eine Verschwörungstheorie.

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