Hochwasserschutz Wie weit ist die Deichsanierung in Sachsen-Anhalt?

Teresa Liebig
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Die meisten erinnern sich wahrscheinlich noch an die Bilder vom Hochwasser 2013 in Sachsen-Anhalt: In vielen Regionen überflutete schlammiges Wasser ganze Dörfer, Tausende Menschen verloren ihre Häuser. Damit solche Situationen sich nicht wiederholen, investiert das Land Sachsen-Anhalt jedes Jahr rund 100 Millionen Euro in den Hochwasserschutz. Wie weit ist das Land dabei gekommen, sieben Jahre nach der Flutkatastrophe?

Deichbruch bei Fischbeck beim Hochwasser 2013
Um Szenen wie diese nach dem Deichbruch bei Fischbeck 2013 zu verhindern, investiert das Land Sachsen Anhalt jährlich rund 100 Millionen. Bildrechte: imago/Kai Horstmann

Bernd Bleis ist Landwirt in Schönhausen, einem kleinen Dorf an der Elbe. Er erinnert sich noch genau an die Nacht vom 10. Juni 2013. Damals drohte der wichtige Deich in Fischbeck zu brechen.

Kühe stehen auf einer kleinen Anhöhe einer Weide umringt vom Hochwasser 2010 an der Großen Röder.  Text dpa: Zuflucht auf der einzigen Erhöhung ihrer Weide haben diese Kühe bei Wildenhain, einem Ortsteil von Großenhain gefunden. Das Hochwasser der Großen Röder hat sie von allen Seiten eingeschlossen. Die Tiere werden mit Futter versorgt, so dass sie ausharren können, bis der Pegel der Röder wieder fällt. Foto: SZ/Ronald Bonß
Für Landwirte stellt sich bei Hochwasser oft die Frage, wie sie ihre Tiere retten können. Hier in Sachsen 2010. Bildrechte: dpa

Nachts um drei Uhr wurden die Einwohner in Schönhausen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Landwirt Bernd Bleis dachte zuerst an seine Tiere: "Dann muss man nur noch funktionieren. Wir haben ja Landwirtschaft. Wo bleibt das Vieh? Wo wird gemolken und so weiter… Da schießen einem viele Gedanken durch den Kopf." Er und seine Familie brachten ihre 120 Kühe mitten in der Nacht zu einem befreundeten Betrieb.

Rettung in letzter Sekunde: Der Deich in Fischbeck konnte den Wassermassen nicht standhalten. Auf Länge von 50 Metern schossen 1.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in die Fläche.

Gebrochener Damm bei Fischbeck. Ein versenkter Ponton liegt vor der Bruchstelle.
Die Bilder vom Dambruch bei Fischbeck gingen 2013 um die Welt. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Eine Milliarde investiert

Durch das Hochwasser entstanden dem Land Sachsen-Anhalt Schäden in Höhe von mehr als 2 Milliarden Euro. In Schönhausen wurde die Katastrophe sichtbar, als das Wasser wieder verschwunden war, erinnert sich Bleis: "Das sah hier aus… Ältere Leute sagen, wie nach dem Krieg. Also wenn man so aufräumt, die Müllberge stapelten sich an der Seite und dann kam die Müllabfuhr und hat hier ein paar Wochen abgefahren, das waren schon gigantische Bilder."

Finanzieller Schaden von Familie Bleis: 750.000 Euro. Damit sich so eine Flutkatastrophe nicht wiederholt, hat die Landesregierung seit 2002 mehr als eine Milliarde Euro in den Hochwasserschutz investiert. Insgesamt gibt es in Sachsen-Anhalt rund 1.350 Kilometer Deiche und: Der größte Teil davon ist inzwischen standsicher.

Vier Prozent noch "nicht standsicher"

Lediglich rund 56 Kilometer gelten als "nicht standsicher", teilt das Umweltministerium auf Nachfrage von MDR AKTUELL mit. Das entspricht etwa vier Prozent. Allerdings sei die Sanierung teurer geworden und habe länger gedauert, sagt die zuständige Ministerin, Claudia Dalbert von den Grünen.

Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt
Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt. Bildrechte: dpa

Sie sichert aber auch zu, Ausreichend Geld sei vorhanden. Es sei richtig, dass ein Topf jetzt auslaufe, das seien die Mittel, die Sachsen-Anhalt gekriegt habe für die Beseitigung der Schäden des Hochwassers 2013. Aber es gebe noch eine ganze Reihe anderer Töpfe, erklärt Dalbert und versichert: "Kein Bürger und keine Bürgerin im Land Sachsen-Anhalt muss sich Sorgen machen, dass der Hochwasserschutz wegen mangelndem Geld nicht stattfindet."

Bernd Bleis hat aus seiner persönlichen Katastrophe sogar etwas Positives mitgenommen: Viele Dinge nimmt er jetzt gelassener wahr.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. August 2020 | 06:38 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Panorama

Mehr aus Deutschland