9-Euro-Ticket Mehr Mobilität vor allem auf kurzen Strecken

Seit etwas mehr als einem Monat ist das 9-Euro-Ticket auf dem Markt. Das Statistische Bundesamt hat auf Basis ausgewerteter, anonymer Mobilfunkdaten festgestellt: Vor allem auf Strecken bis zu 300 Kilometern und am Wochenende sind seitdem deutlich mehr Menschen in Zügen unterwegs. Auf den Straßenverkehr wirkt sich das Ticket nur bedingt aus.

Fahrgäste warten im Bahnhof auf eine Regionalbahn.
Das 9-Euro-Ticket wird vor allem an den Wochenende rege genutzt. Bildrechte: dpa

Einen Monat nach Einführung des bundesweiten 9-Euro-Tickets sind deutlich mehr Menschen mit der Bahn unterwegs. Das geht aus einer Sonderauswertung von Mobilfunkdaten durch das Statistische Bundesamt (Destatis) hervor. Im Juni 2022 lagen die bundesweiten Bewegungen im Schienenverkehr demnach im Schnitt 42 Prozent höher als im vorpandemischen Juni 2019. Dabei geht es vor allem um Bahnreisen, die länger als 30 Kilometer sind.

9-Euro-Ticket wird vor allem auf Strecken zwischen 30 und 300 Kilometern genutzt

Schon in der ersten Juniwoche, also direkt nach der Einführung des 9-Euro-Tickets, waren auf Bahnstrecken zwischen 30 und 300 Kilometern im Schnitt um 56 Prozent mehr Fahrgäste unterwegs als im selben Zeitraum 2019.

Die Statistiker stellen außerdem fest: "Bei einer Differenzierung der Bewegungen im Schienenverkehr nach zurückgelegten Distanzen wird deutlich, dass seit Einführung des 9-Euro-Tickets ein Anstieg insbesondere der Zugreisen unter 300 Kilometern zu beobachten war." Die Vermutung: Solch moderate Strecken lassen sich recht gut mit Regionalbahnen zurücklegen. Wer jedoch von München nach Rostock reist, steigt wohl trotz der günstigen Alternative noch häufiger in den Schnellzug ICE.

Besonders viel Mobilität am Wochenende

Auch wenig überraschend: Am Wochenende war der Anstieg am höchsten. An den Samstagen im Juni saßen auf Strecken über 30 Kilometern durchschnittlich 83 Prozent mehr Menschen in Zügen als im Juni 2019. Dabei scheint es sich vor allem um Tagesausflüge gehandelt zu haben. An den Juni-Sonntagen waren immerhin rund 61 Prozent mehr Fahrgäste unterwegs als im letzten Juni vor der Corona-Pandemie.

Nur moderate Auswirkung auf den Straßenverkehr

Die Auswirkungen auf das Verkehrsaufkommen auf den deutschen Straßen stechen im Vergleich weniger hervor: Im bisherigen Jahresverlauf, so die Wiesbadener Statistiker, seien durchschnittlich mehr Menschen in Autos und Bussen auf den Straßen verzeichnet worden als im selben Zeitraum 2019. Mit der Einführung des 9-Euro-Tickets sei der Verkehr leicht zurückgegangen. Der Verkehr auf Strecken zwischen 100 und 300 Kilometern ist Destatis zufolge um nur sechs Prozent zurückgegangen. Ähnliche Werte ergeben sich für kürzere oder auch längere Strecken.

Die deutlichsten Effekte sind Destatis zufolge an den Wochenenden zu beobachten. Das, so heißt es im Bericht, spreche für eine besonders intensive Nutzung des 9-Euro-Tickets für Ausflüge.

Zur Methode:

Zur Abbildung der Mobilität verwendet das Statistische Bundesamt anonymisierte Mobilfunkdaten aus dem Netz des Mobilfunkanbieters Telefónica. Bewegungen von Handynutzerinnen und -nutzern können auf Basis von anonymisierten und aggregierten Mobilfunkdaten identifiziert werden, wenn sich die Personen mindestens 30 Minuten lang am Start- und Zielort aufhalten.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Juli 2022 | 10:51 Uhr

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