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Kriminalämter nutzen DNA-Datenbanken, um Täter zu identifizieren. Bildrechte: imago images / Jochen Tack

Hörer machen ProgrammDNA-Datenbanken für Ahnenforschung: Nützlich für die Verbrechensaufklärung?

von Jan Kröger, MDR AKTUELL

Stand: 07. Februar 2022, 08:44 Uhr

2020 haben Ermittler den Kalifornier Joseph James DeAngelo überführt, der in den 1970er- und 1980er-Jahren 13 Menschen getötet hat. Die Ermittler konnten ihn identifizieren, weil sie DNA-Spuren vom Tatort mit einer Datenbank verglichen hatten, die zur Ahnenforschung genutzt wird. In der Datenbank waren entfernte Verwandte von DeAngelo verzeichnet. MDR AKTUELL-Hörer Georg Hain fragt sich, ob dieses Verfahren auch in Deutschland erlaubt ist und ob es bereits angewendet wird.

Es ist ein aufwendiges Verfahren: 43 Jahre nach seinem ersten Mord wurde Joseph James DeAngelo überführt, weil Ermittler auf die DNA von zwei entfernten Cousins gestoßen waren. Die Ermittler mussten über Monate einen Stammbaum mit mehreren Tausend Verwandten erstellen.

Schon der Abgleich mit der DNA-Datenbank war alles andere als trivial, erklärt Molekulargenetikerin Jeanette Edelmann von der Universität Leipzig: "Es setzt auch voraus, dass man die Tatort-Spur dahingehend typisiert, dass sie überhaupt mit diesen Datenbanken vergleichbar ist. Das ist so in der Größenordnung von 700.000 Markern, die da untersucht werden und dann abgeglichen werden über entsprechende Programme." Auf die gleiche Weise wurde 2020 auch ein Doppelmord in Schweden aufgeklärt.

DNA-Datenbank von Straftätern

Hierzulande wäre das so nicht möglich, sagt Ingo Bastisch. Er leitet den Fachbereich DNA-Analytik im Bundeskriminalamt. "Wir haben in Deutschland eine Gesetzgebung, die regelt, was erlaubt ist. Wohingegen in anderen Ländern, zum Beispiel im Vereinigten Königreich, die Gesetzgebung regelt, was nicht erlaubt ist. In Deutschland ist es genau umgekehrt", erklärt Bastisch.

Was nicht heißt, dass deutsche Ermittler keine Möglichkeiten haben. Sie können die DNA-Analysedatei nutzen. Das Bundeskriminalamt hat in ihr inzwischen knapp eine Million Profile von Straftäterinnen und Straftätern gespeichert. Außerdem gibt es DNA-Reihenuntersuchungen, um lokal begrenzt die genetischen Fingerabdrücke von all jenen zu sammeln, die etwa wegen ihres Geschlechts oder ihres Alters auf eine Täterbeschreibung passen.

Regelmäßige Prüfung alter Fälle mit neuen DNA-Methoden

Für Ingo Bastisch ist die DNA-Analysedatei ein sehr wertvolles Mittel: "Vor etlichen Jahren wurde mal eine europäische Übersicht gemacht. Da waren es bei diesen größeren Verfahren zwischen 20 und 50 Prozent, die tatsächlich etwas gebracht haben. Mittlerweile ist es auch erlaubt, über diese Reihenuntersuchungen nach nahen Verwandten der Teilnehmenden zu suchen und das steigert die Chancen natürlich nochmal erheblich."

Geht es wie im Fall von Joseph James DeAngelo um Verbrechen, die 30 oder 40 Jahre zurückliegen, dann bleiben deutschen Behörden noch die Vorläufer der DNA-Analyse: die Blutgruppen- und Serumgruppenuntersuchungen. "In ganz vielen Fällen ist einfach noch Material vorhanden, gerade wenn es um schwerste Verbrechenstatbestände geht. Es gibt in vielen Polizeidienststellen Cold Case Units und diese polizeilichen Sachbearbeiter, die schnappen sich die alten Fälle immer wieder in bestimmten Abständen und prüfen, ob sich an den Methoden etwas geändert hat und ob man mit denen nochmal etwas machen kann", erklärt Bastisch.

Datenschutzprobleme bei Datenbanken der Ahnenforschung

Dass zu diesen Methoden demnächst auch der Abgleich mit DNA-Datenbanken gehören wird, danach sieht es nicht aus. Für die Leipziger Molekulargenetikerin Jeanette Edelmann gibt es einen guten Grund dagegen: "Wenn man seine Herkunft in so einer Datenbank hat, hat man ein anderes Ziel: Man will seinen Stammbaum rekonstruieren und man hat auch nur für diese eine Sache zugestimmt."

Auch BKA-Experte Ingo Bastisch ist skeptisch. Selbst in Schweden, wo die Methode schon einmal erfolgreich angewendet wurde, gebe es inzwischen enorme Bedenken wegen des Datenschutzes. Man werde das beobachten und abwarten.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 07. Februar 2022 | 08:22 Uhr

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