Neues im Fall Peggy De Maizière nennt Verdacht gegen Böhnhardt "unfassbar"

Mehr als 15 Jahre haben die Ermittler nach Spuren im Fall der getöteten Peggy gesucht. Nun machten sie einen spektakulären Fund: DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt wurden am Fundort von Peggys Skelett festgestellt. Doch der spektakuläre Fund wirft mehr neue Fragen auf, als dass er alte klärt. Für Bundesinnenminister de Mazière ist das Ganze "unfassbar".

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat die neueste Entwicklung im Fall Peggy als ein "bemerkenswertes Ergebnis" der Kriminaltechnik bezeichnet. "Dass jetzt der Verdacht besteht, dass einer der NSU-Terroristen auch noch der Mörder der kleinen Peggy sein könnte, ist unfassbar", sagte der CDU-Politiker am Freitag in Wiesbaden.

Ermittlungen erst am Anfang

De Maizière reagierte damit auf die am Donnerstagabend veröffentlichte Meldung, dass am Fundort der Skelettteile des 2001 verschwundenen Mädchens aus dem oberfränkischen Lichtenberg Genmaterial des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt worden war.

Ob es allerdings tatsächlich einen direkten Zusammenhang zwischen den beiden Fällen gibt, blieb zunächst unklar. Hier stehen detaillierte Ermittlungsergebnisse noch aus. Die Ermittler hatten die Spuren Böhnhardts an einem Gegenstand gefunden, der im Juli mit Skelettteilen der neunjährigen Schülerin entdeckt worden war. Die Ermittler waren nach Polizeiangaben erst vor einer Woche auf das Genmaterial von Böhnhardt gestoßen.

Unterschiedliche Angaben zu möglicher Verunreinigung

Das Bundeskriminalamt hält die DNA-Spur für authentisch und sieht keine Hinweise auf eine Verunreinigung oder Verwechslung von DNA-Material. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sei eine DNA-Spur von Böhnhardt gesichert worden, sagte BKA-Präsident Holger Münch am Freitag in Wiesbaden. Der Fund habe auch das BKA sehr überrascht. "Der Fall NSU zeigt, dass nichts unmöglich ist."

Die für den Fall Peggy zuständige Staatsanwaltschaft Bayreuth hatte zuvor eine Verunreinigung der Probe vom Fundort des Mädchens allerdings nicht ausschließen wollen. Der leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel sagte am Freitag: "Es gibt mehrere Möglichkeiten der Verunreinigung." Details nannte er allerdings nicht. "Wir wollen den Weg der Spur genau und sicher überprüfen", sagte der Jurist.

Die betreffende DNA-Probe war beim Landeskriminalamt in München untersucht worden. Die im Juli gefundenen Überreste Peggys waren hingegen in der Rechtsmedizin der Uni Jena ausgewertet worden. Das Uniklinikum der Ostthüringer Stadt schloss eine zufällige Übertragung von DNA von Böhnhardts Leichnam auf die Überreste von Peggy in seinen Institutsräumen aus. Die Spurensicherung am Fundort des toten Mädchens in einem Waldstück in Südthüringen und die Untersuchung der dort gefundenen Spuren seien nicht von der Jenaer Rechtsmedizin durchgeführt worden, hieß es: "Insofern ist eine etwaige zufällige Übertragung von DNA zwischen beiden Fällen durch das Institut ausgeschlossen."

Keine DNA von Peggy an Kindersachen aus Wohnmobil

Zugleich erklärte die Jenaer Rechtsmedizin, dass sie zwar im November 2011 die Obduktion des Leichnams von Böhnhardt, nicht aber die Analyse der gesicherten Spuren aus dem ausgebrannten Wohnmobil in Eisenach vorgenommen habe. In dem Fahrzeug waren damals auch Kindersachen und Spielzeug gefunden worden, die in der Asservatenkammer des Bundeskriminalamtes lagern. Wie BKA- Präsident Münch am Freitag mitteilte, wurde an den Sachen bisher keine DNA der toten Peggy entdeckt. Es sei eine weibliche DNA gesichert worden, aber nicht die von Peggy.

Ein solcher Fund wäre laut BKA auch extrem unwahrscheinlich: Peggy verschwand im Alter von neun Jahren bereits 2001, die im Sommer 2016 gefundenen Knochen des Mädchens entsprechen ihrem damaligen Alter. Die erschossenen Leichen der mutmaßlichen Terroristen wurden erst zehn Jahre später - im Jahr 2011 - in dem Wohnmobil gefunden.

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