Klimawandel Hitze, Stürme, Käferplage - Das Waldsterben geht weiter

Während der Mensch noch debattiert, ist die Natur schon mittendrin im Klimawandel. Und die Folgen sieht man inzwischen auch direkt vor der Haustür. Verheerende Stürme, abgestorbene Bäume und von Käfern zerfressene Wälder. Seit 2018 wurden bereits über 140.000 Hektar Wald durch Hitze, Dürre und Schädlinge zerstört.

Es ist eine Waldkrise, die die Wissenschaft längst vorhergesagt hat und an deren Ursachen bereits seit Jahrzehnten gearbeitet wird. Schon zu DDR-Zeiten versuchten Forstbetriebe, den Wald umzubauen und klimastabil zu machen. Doch anders als in der Landwirtschaft, brauchen Wälder dafür Jahrhunderte.

Wir hören seit 30 Jahren vom Klimawandel, aber man will es immer nicht so richtig wahrhaben. Gerade in der Forschung hätte schon in den letzten 30 Jahren mehr in diese Richtung gearbeitet werden müssen. Denn gerade in der forstlichen Forschung erzielt man Ergebnisse erst sehr langfristig.

Carsten Lehmann Geschäftsführer Forstbaumschule "Fürst Pückler"

"Unter diesem Gesichtspunkt hätte man das nicht verhindern können. Wir können nicht den Wald gießen. Aber man hätte sich besser vorbereiten können, damit man das befallene Holz schnell aus dem Wald bringt, wo die Käfer keinen Schaden anrichten können. Man muss heute Lagerflächen für Millionen von Kubikmetern Holz beschaffen. Das ist schwierig und innerhalb kürzester Zeit nicht hinzubekommen", fasst Prof. Dr. Michael Müller vom Institut für Waldbau und Waldschutz an der TU Dresden das Problem zusammen.

Vor allem Kleinwaldbesitzer sind überfordert, die enormen Mengen an Käferbäumen aus dem Wald zu schaffen. Doch bleiben die liegen, geht das Sterben weiter. Allein der Abtransport des aktuell angefallenen Totholzes könnte nach Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) über zwei Milliarden Euro kosten. Selbst wenn das gelingt, bleibt der Wald weiter ein kostspieliger Patient. Aktuell müssten etwa 300 Millionen Bäume nachgepflanzt werden. Das würde weitere 640 Millionen Euro kosten.

Wenn man einen Eichenbestand neu begründet, sprechen wir von etwa 10.000 Euro Kulturbegründungskosten. Das ist natürlich viel Geld und das sieht man nie mehr.

Carl-Friedrich Miete Privater Waldbesitzer

Angesichts dieser finanziellen Herausforderung fordern viele Waldbesitzer nicht nur kurzfristige Zuschüsse, sondern eine jährliche staatliche Flächenprämien für ihre Arbeit. Prof. Michael Müller bringt es auf den Punkt: "Wenn wir den Wald mit seinem Nutzen für Klimaschutz, Tourismus und Erholung erhalten wollen, brauchen wir dafür auch eine Vergütung. Doch wenn die einzige Einnahme das Holz ist, dann wird sich das in Deutschland nicht mehr machen lassen. Waldbesitzer sollten den Landwirten gleichgestellt werden und so wie diese für die Felder auch Prämien für die Pflege des Kulturraumes Wald bekommen."

In der Forstwirtschaft haben sie ja den Generationenvertrag, den gelebten Generationenvertrag. Das heißt, ich ernte was meine Großväter und Urgroßväter gepflanzt haben, gepflegt haben. Und gleichzeitig pflanze ich wieder das, von dem hoffentlich meine Enkelkinder eines Tages leben können.

Philipp Graf von Schall-Riacour Waldbesitzer

Die Reportage zeigt, wie es um unseren Wald steht und beleuchtet Lösungsansätze. Denn mittlerweile werden selbst Drogenspürhunde ausgebildet, um infektiöse Bäume im Wald frühzeitig aufzuspüren und die Forschung arbeitet an mobilen Borkenkäfer-Detektoren, die den Waldschutz revolutionieren könnten.

Wir sehen überall Käfer. Käfer, Käfer, Käfer. Alles voll.

Andreas Eschweiler Revierförster

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story | 23. September 2020 | 20:45 Uhr

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