Steigende Strompreise Abschaffung der EEG-Umlage: Experten fordern weitere Entlastungen

Am Donnerstag hat der Bundestag die Abschaffung der EEG-Umlage beschlossen. Ab Juli zahlen Verbraucher dann nicht mehr den Betrag für den Ausbau von erneuerbaren Energien. Da die Strompreise jedoch nach wie vor stark steigen, fordern Experten weitere langfristig entlastende Maßnahmen – etwa die Senkung der Stromsteuer.

Ein schnell drehender Stromzähler
Fachleute glauben nicht, dass die Abschaffung der EEG-Umlage die Verbraucher ausreichend entlasten werde. Bildrechte: imago images/IlluPics

3,72 Cent pro Kilowattstunde – so hoch ist aktuell die EEG-Umlage. Wenn sie zum Juli abgeschafft wird, müssen die Stromanbieter die Entlastung direkt an die Kunden weitergeben – so steht es explizit im Gesetz.

Die Stadtwerke Magdeburg werden das tun, sagt Geschäftsführer Thomas Pietsch: "Da werden Sie auf der Rechnung, die dann irgendwann in der Folgezeit kommt, eine Abgrenzungszeile finden". Es werde dann der Preis bis 30.06.2022 ausgegeben und der Preis ab 01.07.2022. Und letzterer werde "entsprechend diese 3,7 Cent geringer sein".

Nicht genügend Entlastung durch EEG-Umlage

Auch andere regionale Energieversorger teilen auf Anfrage von MDR AKTUELL mit, dass sie die Entlastung an die Kunden weitergeben werden.

Dass sich das allerdings am Ende im Geldbeutel bemerkbar macht, bezweifeln viele. So teilt etwa die Envia Mitteldeutsche Energie AG schriftlich mit: "Die Aussetzung der EEG-Umlage allein kann allerdings die steigenden Beschaffungskosten für Strom nicht ausgleichen. Die Politik sollte deswegen den Weg der Entlastung der Stromkunden konsequent fortsetzen und die Steuern, Abgaben und Umlagen auf den Strompreis weiter senken."

Expertin: Anstieg der Strompreise nur gedämpft

Auch beim Vergleichsportal Verivox hat man seine Zweifel, sagt Sprecherin Verena Blöcher: "Rein theoretisch würde ein Drei-Personen-Haushalt durch diese Abschaffung um rund 90 Euro im Jahr entlastet. Ein Single-Haushalt um rund 30 Euro und größere Haushalte um 130 Euro. Es war ein richtiger Schritt, ohne Frage. Aber aus unserer Sicht dämpft die Abschaffung der EEG-Umlage diesen wahnsinnig starken Strompreis-Anstieg nur ab. Bei dieser schwierigen, aufgewühlten politischen Lage im Moment kann niemand seriös vorhersagen, in welche Richtung das noch geht, aber vermutlich weiter nach oben."

Gerade bei Mietern komme das aber erst zeitversetzt an, warnt Blöcher. Deshalb sollten sie jetzt schon Rücklagen für künftige Stromrechnungen bilden, rät sie.

Auch die Verbraucherzentrale Sachsen geht davon aus, dass die Abschaffung der EEG-Umlage vermutlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein wird, sagt Energiereferent Lorenz Bücklein: "Der Effekt könnte sein, dass die Absenkung geschluckt wird durch die Anhebung, die wir schon bisher erlebt haben. Die Strompreise sind derzeit aufgrund der angespannten Marktlage sehr hoch. Heißt also, alle Stromanbieter zahlen nach wie vor wesentlich mehr als noch im Jahr 2021 und deswegen gehen wir einfach mal davon aus, dass dieser Preisdämmungseffekt relativ gering ist" – wenn es überhaupt zu einer spürbaren Entlastung für die Verbraucherinnen und Verbraucher komme, stellt Bücklein infrage.

Langfristig Umstieg auf erneuerbare Energien

Die Anbieter kauften den Strom momentan bis zu 300 Prozent teurer ein, sagt Kerstin Andreae, Chefin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. Das müssten die Unternehmen an den Kunden weitergeben.

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Auch sie hält die Abschaffung der EEG-Umlage deshalb zwar für richtig, aber nicht ausreichend: "Problem an dem Ganzen ist, dass wir im Augenblick so exorbitant gestiegene Beschaffungskosten haben, dass das gar nicht so wirklich spürbar beim Kunden ankommen wird."

Um dem entgegenzuwirken, schlägt auch Andreae weitere Entlastungspakete oder eine Senkung der Stromsteuer vor. Mittel- und langfristig helfe aber nur der Umstieg auf erneuerbare Energien, um unabhängiger von den derzeit so teuren fossilen Brennstoffen zu werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. April 2022 | 08:06 Uhr

30 Kommentare

Anni22 vor 14 Wochen

@ Alex Ja sicher kann man sparen, aber wenn eben Warmwasser über Durchlauferhitzer erwärmt wird, ist der Verbrauch an Strom halt viel höher. (Gibt es auch in vielen Mietwohnungen) Viele Mietwohnungen haben auch keine Fernwärme. Wenn man auch noch mit Strom heizt wird der Verbrauh richtig hoch, es liegt also nicht immer am Verbraucher, deshalb ist der Durchschnittsstromverbrauch so hoch.)

AlexLeipzig vor 14 Wochen

Wie gesagt, wir leben in einer Mietwohnung, da ist nix mit Wärmepumpe etc. Auch kein Homeoffice. Ansonsten gibts bei uns natürlich alles, was wir brauchen - elektrischer Herd, Kühlschrank, TV, Computer u.s.w. Wir haben bei jeder notwendigen Anschaffung auf verbrauchsgünstige Geräte geachtet und überlegt, ob wir die Dinge wirklich brauchen.
Die hohen Durchschnittsverbräuche in Deutschland erstaunen mich auch schon lange, da ich nicht das Gefühl habe, auf etwas zu verzichten und wir trotzdem wesentlich weniger verbrauchen. Das bedeutet für mich aber auch: Es ist viel Einsparpotenzial da, welches die Kostensteigerungen bei Strom signifikant abfedern kann. Zumindest im Mietwohnungsbereich, bei Hausbesitzern ist der Grundverbrauch sicher höher, wohl aber auch reduzierbar.

Anni22 vor 14 Wochen

@ Alex Das kommt natürlich darauf an, wofür alle Strom verwendet wird (Heizung, Warmwasser, Kochen). Manche kochen mit Gas, nicht jeder hat Fernwärme und Warmwasser aus der Wand...) So kann man das nicht vergleichen, da muss man schon genauer hinsehen...

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