Verbraucherschutz Eigenständige Reparatur von Geräten soll einfacher werden

Jessica Brautzsch
Bildrechte: MDR/Markus Geuther

Waschmaschinen, Laptops oder Smartphones lassen sich oft nur beim Hersteller reparieren. In den USA soll sich das ändern: Mit dem "Recht auf Reparatur" sollen etwa Ersatzteile zu erschwinglichen Preisen zugänglich sein, damit jeder seine Geräte reparieren kann. Auch in Deutschland zielen viele Maßnahmen auf mehr Eigenreparaturen ab.

Ein Mann oeffnet in einem Badezimmer eine Waschmaschine, um sie zu reparieren (gestellte Szene).
Günstige Reparaturen von elektrischen Geräten wie Waschmaschinen haben sich danke einer EU-Richtlinie bereits vereinfacht. Bildrechte: dpa

Gehen Waschmaschine, Computer oder Smartphone kaputt, bedeutet das vor allem eines: die absolute Katastrophe im Alltag. Bislang hieß es dann oft, dass eine Reparatur kaum oder ausschließlich beim Hersteller möglich sei – für hohe Summen, die man genauso gut in ein neues Gerät investieren könnte.

Aus Verbrauchersicht sei das extrem unfair, erklärt Elke Salzmann, Referentin für Ressourcenschutz des Verbraucherzentrale Bundesverbands, am Beispiel von Apple: "Die versuchen, dieses Geschäft mit den Ersatzteilen, der Reparatur in ihrer eigenen Wertschöpfungskette zu halten, und das kann man aus Verbraucherschutzsicht natürlich nicht begrüßen." Diese Monopole verzerrten den Wettbewerb und für den Verbraucher würde es am Ende teurer.

Neue EU-Richtlinie für Reparaturen

Doch seit kurzem können bestimmte Geräte auch einfach und günstiger repariert werden. Seit März 2021 gilt nämlich die EU-Ökodesignrichtlinie. Hier soll das Recht auf Reparatur zumindest für bestimmte Küchengeräte wie Kühlschränke und für Bildschirme umgesetzt werden, erklärt Salzmann: "Das heißt, sie müssen leicht zu öffnen sein, mit handelsüblichen Werkzeugen." Die Ersatzteile müssten für ein paar Jahre zur Verfügung gestellt und Reparaturanleitungen den Werkstätten zur Verfügung gestellt werden.

Das stärkt also auch freie und private Werkstätten, die Reparaturen oft zu günstigeren Preisen anbieten. Auch privat sollen so Reparaturen möglich sein. Lange hatten sich Hersteller dagegen gesperrt – mit Argumenten wie: Die Gefahr, sich bei Selbstreparaturen zu verletzen oder das Gerät zu zerstören, sei viel zu hoch.

Digitaler Produktpass für elektronische Geräte

Doch auch darauf hat die EU-Richtlinie eine Antwort, sagt Carolina Wojtal, Co-Leiterin des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland: "Man unterscheidet ganz klar zwischen nicht-sicherheitsrelevanten Ersatzteilen – also Türgriffe zum Beispiel – und sicherheitsrelevanten Ersatzteilen", etwa stromführende Ersatzteile. Die sollen nur von qualifizierten Fachleuten repariert werden können, die aber wiederum nicht zum Hersteller gehören müssen.

Bis Ende des Jahres soll zudem ein sogenannter digitaler Produktpass eingeführt werden, der vor allem für elektronische Geräte wie Smartphones interessant sein wird, erklärt Wojtal: Jedes Gerät müsse dann einen solchen Pass haben, "in dem steht, wie lange dieses Produkt laut Hersteller hält und ob und wie es repariert werden kann".

Eigenständige Reparatur in Deutschland schwer möglich

Andere europäische Länder sind da schon weiter: Frankreich zum Beispiel. Hier wurde schon vergangenes Jahr ein Reparatur-Index für elektronische Produkte eingeführt. Ähnlich wie beim Aufkleber, der bei Geräten den Energieverbrauch anzeigt, stehen hier gute Noten drauf, wenn sich ein Produkt einfach und günstig reparieren lässt.

Generell verweisen die Verbraucherverbände auf Ideen und Initiativen der europäischen Nachbarländer als Inspiration für Deutschland. Immerhin: Seit Mitte Juni gibt es in Thüringen den Reparatur-Bonus. Wer sein defektes Elektrogerät reparieren lässt, statt es zu entsorgen, bekommt die Hälfte der Kosten erstattet – zumindest bis zu 100 Euro pro Person.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juli 2021 | 08:24 Uhr

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