Deutsche Bahn Einigung im Tarifstreit von GDL und Bahn

Die Gewerkschaft Deutscher Lokführer und die Deutsche Bahn haben sich im Tarifstreik geeinigt. GDL-Chef Weselsky sprach auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von einem "guten und richtigen" Kompromiss.

Bahn-Personalvorstand Martin Seiler (r) und GDL-Chef Claus Weselsky stehen zusammen bei einer Pressekonferenz der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL zur Einigung im Tarifkonflikt.
Bahn Personalvorstand Martin Seiler (r.) und GDL-Chef Claus Weselsky verkünden die Einigung im Tarifvertrag. Bildrechte: dpa

3,3 Prozent mehr Lohn in zwei Schritten

Im Tarifkonflikt von Deutscher Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL gibt es eine Einigung. Das teilten beide Seiten am Donnerstagvormittag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit. GDL-Chef Claus Weselsky sagte, im Dezember gebe es 1,5 Prozent mehr Lohn sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro bzw. 400 Euro je nach Einkommensgruppe. Im März 2022 werde eine zweite Corona-Prämie von 400 Euro für alle ausgezahlt, und ab März 2023 steige der Lohn noch einmal um 1,8 Prozent erhöht.

Des Weiteren solle die Laufzeit des Tarifvertrags verlängert werden und künftig 32 Monate betragen. Zudem stimmte die GDL der geplanten Umstrukturierung der betrieblichen Altersvorsorge zu. Hierfür legte die Bahn Geld für eine Zusatzrente zurück. Wer jedoch ab 2022 eingestellt wird, erhält diese nicht mehr. Für bisherige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bleibt die Zusatzrente noch bestehen.

Weselsky sprach von einem "guten und richtigen Kompromiss", der allerdings von beiden Seiten erhebliche Zugeständnisse erfordert habe. Es sei ein Paket geschmiedet worden, dass die Eisenbahner und Eisenbahnerinnen verdient hätten.

Bahn-Vorstand Martin Seiler sagte, er sei froh, mitteilen zu können, dass die Verhandlungen nun hätten abgeschlossen werden können. Jetzt könne man sich auf die nächste wichtige Aufgabe konzentrieren: die Mobilitätswende.

Es wurde ein Paket geschmiedet, das die Eisenbahner und Eisenbahnerinnen verdient haben.

Claus Weselsky | Chef GDL

Niedersachsen und Schleswig-Holstein als Schlichter

Sowohl Weselsky als auch Seiler dankten den beiden Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Stephan Weil und Daniel Günther. Ohne sie wäre eine Einigung nicht möglich gewesen. Beide hatten zwischen Bahn und Gewerkschaft vermittelt. Günther sagte, der erzielte Kompromiss sei eine gute Nachricht für alle Kundinnen und Kunden der Bahn: "Am Ende steht ein Ergebnis, das von allen Beteiligten getragen wird." Weil befand, die Beteiligung von Außenstehenden sei angesichts der recht verfahrenen Situation wohl nützlich gewesen.

EVG will nachverhandeln

Die größere Bahn-Gewerkschaft EVG kündigte bereits an, dem Unternehmen nun ihrerseits einen Forderungskatalog vorzulegen. "Wir bereiten uns auf Verhandlungen vor, aber auch auf Maßnahmen bis hin zum Arbeitskampf", sagte Gewerkschaftschef Klaus-Dieter Hommel der Deutschen Presse-Agentur. Das geschehe aber in Ruhe und ohne Hektik. Die EVG hatte schon im vergangenen Jahr eine Einigung mit der Bahn erzielt. Diese beinhaltet jedoch ein Sonderkündigungsrecht für den Fall, dass eine andere Gewerkschaft mehr herausholt.

Des Weiteren kritisierte Hommel die deutliche Einmischung der Politik: "Das ist ein Schlag ins Kontor der Tarifautonomie." Dem im vergangenen Jahr mit dem Bund und dem Unternehmen geschlossenen "Bündnis für unsere Bahn" sei damit die Geschäftsgrundlage entzogen worden.

Drei Streikrunden für mehr Lohn

Der Tarifstreit zwischen Bahn und GDL hatte Monate gedauert. Es gab drei Streiks, der letzte dauerte fünf volle Tage. Nachdem die Lokführer-Gewerkschaft gleich im Anschluss mit weiteren Aktionen drohte, kam die Bahn ihr am Wochenende entgegen. In der Folge trafen sich beide Seiten zu neuen Gesprächen.

Neben den Tarifverhandlungen ging es auch um den Status der GDL innerhalb des Deutsche-Bahn-Konzerns. Sie will mehr Einfluss, denn durch das seit 2015 geltende Tarifeinheitsgesetz ist nur der Tarifvertrag der mitgliederstärkeren Gewerkschaft gültig, wenn zwei Gewerkschaften im Betrieb konkurrieren, was bei der Bahn mit der GDL und der EVG der Fall ist.

Bahn und GDL haben sich nun auf ein Verfahren verständigt, mit dem festgestellt werden soll, welche Gewerkschaft in den jeweiligen Bahn-Betrieben die Mehrheit hat. Die GDL hat Stand jetzt nur in 16 der rund 300 Bahn-Betriebe die Mehrheit, in 71 Betrieben muss das noch festgestellt werden.

Quelle: dpa, AFP (sra)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 16. September 2021 | 10:30 Uhr

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