Bundesfinanzamt Zwei Drittel aller Einsprüche gegen Steuerbescheide erfolgreich

Die meisten Menschen sind froh, wenn sie ihre Steuererklärung geschafft haben und nehmen den Bescheid vom Finanzamt dann so hin, wie er ist. Allerdings nicht alle – und ein Einspruch gegen den Steuerbescheid ist häufig erfolgreich. Bundesweit mussten Finanzämter bei zwei Dritteln der Beschwerden nochmal nachrechnen. Wie kommt das, machen die Finanzämter so viele Fehler?

Eine Frau macht ihre Steuererklärung
Steuererklärungen macht niemand gern. Trotzdem lohnt sich es sich, den Bescheid genauestens zu prüfen. Bildrechte: dpa

Die AfD im Dresdner Landtag wollte wissen: Wie viele Beschwerden gegen Steuerbescheide waren im Jahr 2021 erfolgreich? Die Antwort: Gut 71 Prozent. Bundesweit waren es laut Bundesfinanzministerium 2020 etwa zwei Drittel aller Fälle. Läuft da etwas grundsätzlich falsch in den Finanzämtern?

Nein, sagt Christian Holzhey. Er ist stellvertretender Landesvorsitzender der Deutschen Steuer-Gewerkschaft in Sachsen. "Ein erfolgreicher Einspruch bedeutet nicht, dass das Finanzamt oder die Finanzbeamten einen Fehler gemacht haben."

Das bestätigen auch das Landesamt für Steuern und Finanzen sowie das Bundesfinanzministerium auf Nachfrage von MDR AKTUELL. Doch was sind dann die Gründe?

Gründe für einen Einspruch gegen Steuerbescheid

Holzhey nennt ein Beispiel: Jemand gibt seine Steuererklärung nicht fristgerecht ab. Das Finanzamt schätzt dann erstmal. "Dagegen geht der Steuerpflichtige dann in Einspruch und legt dann seine Steuererklärung vor. Damit hat er Recht bekommen, obwohl wir jetzt nichts Falsches gemacht haben." Auch wenn noch Unterlagen noch fehlen oder noch ein Gerichtsurteil einem Steuergesetz aussteht, können Steuerpflichtige Einspruch einlegen. Werden die Unterlagen dann nachgereicht oder das Urteil gefällt, gilt der Einspruch ebenfalls als erfolgreich.

Aber wie oft liegt nun tatsächlich ein Fehler der Finanzämter zugrunde? Das wird gar nicht erfasst, teilt das Landesamt mit. Dafür fehlten Zeit und Personal, glaubt Gewerkschafter Holzhey. "Wir müssten dann alle Verfahren einzeln anschauen, also in jede Steuerakte reingucken." Selbst der Präsident des Steuerberaterverbands Sachsen, Hans-Joachim Kraatz, nimmt die Finanzbehörden in Schutz. "Ich muss ganz ehrlich sagen, es bringt uns keinen Mehrwert, wenn wir wissen, wer was falsch gemacht hat. Es ist nicht immer ein Fehler des Finanzamtes, es ist auch nicht immer ein Fehler des Steuerpflichtigen. Manchmal sind es auch einfach Dinge, die fehlen und das geht alles in eine große Statistik ein."

Warum sich in Sachsen die Einsprüche häufen

Doch warum ist die Erfolgsquote in Sachsen im letzten Jahr sprunghaft angestiegen? 2020 waren 57 Prozent der Einsprüche erfolgreich, im letzten Jahr dann 71 Prozent. Kraatz sieht mehrere Gründe. Zum einen glaubt er, dass viele Menschen während der Pandemie ihre Steuerbescheide besonders kritisch geprüft haben.

Zum zweiten seien die Steuerberater gerade stark belastet – auch wegen immer komplizierterer Steuergesetze. "Wir haben viele Kollegen, die sagen, das hat eine Komplexität erreicht, wir blicken da gar nicht mehr in toto durch. Und um Fristen zu wahren, geben wir auch teilweise Steuererklärungen ab, die nicht vollständig sind. Das könnte auch ein Grund sein, warum sich Einsprüche häufen."

Ob die Zahl der erfolgreichen Einsprüche 2021 auch bundesweit angestiegen ist, ist derzeit noch unklar. Laut Bundesfinanzministerium ist die entsprechende Statistik noch in Arbeit.

Geldscheine und Münzen auf einem Steuerbescheid 10 min
Bildrechte: imago images / Andreas Gora
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Mai 2022 | 06:40 Uhr

4 Kommentare

Leachim-21 vor 6 Wochen

nach meiner Meinung nach beruht der Hauptgrund bei unseren Steuersystem. wird ja auch hier nur kurz angesprochen aber wenn schon die Experten sich darüber kritisch äußern lässt das tief blicken.
mal sollte endlich unser Steuersystem komplett überarbeiten und somit vereinfachen.

astrodon vor 6 Wochen

@Waldbademeister: "Wie kann es sein, dass sich der Bürger bei einer Behörde sein Recht einklagen muss?" - muss er nicht. Wenn das Finanzamt etwas nicht anerkennt, dann immer mit Begründung. Da können Bürger und Amt durchaus anderer Meinung sein, wenn selbst Steuerberater schon sagen, die Materie sei zu kompliziert.

Waldbademeister vor 6 Wochen

"Zum einen glaubt er, dass viele Menschen während der Pandemie ihre Steuerbescheide besonders kritisch geprüft haben. "

Da gehört dem Finanzamt mal richtig auf die Finger geklopft.

Wie kann es sein, dass sich der Bürger bei einer Behörde sein Recht einklagen muss?

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