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VerbraucherschutzSupermärkte, Drogerien und Baumärkte müssen Preisvergleich erleichtern

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

Stand: 27. Mai 2022, 10:54 Uhr

Ab Samstag müssen Händler Preise von Rabattaktionen transparenter ausweisen. So sollen Käufer besser vergleichen können. Der Verbraucherschutz befürwortet den Schritt, der Handelsband hingegen hält ihn für "unnötig".

"Oh! Ein Schnäppchen", denkt man sich beim Einkaufen und packt die 20 Prozent günstigere Schokolade in den Einkaufskorb. Doch in Wirklichkeit hat man dabei vielleicht gar nicht gespart – der Preis wurde vorher einfach höher gesetzt.

"Mond-Preise" nennt man das in der Fachwelt und damit soll ab 28. Mai Schluss sein, erklärt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg: "Das soll nach dem neuen Recht nicht mehr möglich sein, weil der günstigste Preis der letzten 30 Tage angegeben werden muss als Vergleich, um da solche Tricksereien letztendlich zu verhindern."

Neue Verordnung soll Vergleichen erleichtern

Hintergrund ist die neue Preisangabenverordnung. Sie soll es Kunden ermöglichen, sich besser im Baumarkt, Discounter oder Elektrofachgeschäft zu orientieren und Preise wie Angebote leichter zu vergleichen. Am auffälligsten ist die Veränderung bei der Grundpreisangabe.

Was früher zu Verwirrung beim Vergleichen der Preise führte, soll ab Samstag vereinheitlicht werden. Die niedersächsische Verbraucherschützerin Constanze Rubach erklärt: "Man darf nur noch diese Grundpreisangabe pro Kilogramm oder pro Liter angeben. Und bisher konnte man diesen Grundpreis pro 100 Milliliter oder pro 100 Gramm oder sowas angeben, und das ist jetzt nicht mehr zulässig beziehungsweise nur noch bei loser Ware."

Kritik an Sichtbarkeit der Preise

Die Baumärkte müssen sich dann vor allem auf den Quadrat- und Kubikmeterpreis als Referenz beziehen. Hier sei der Gesetzgeber allerdings zu lasch gewesen, sagt Armin Valet von der Verbraucherschutzzentrale Hamburg. Er kritisiert etwa, "dass es immer noch keine verbindlich vorgeschriebene Schriftgröße gibt für den Grundpreis, der ja zum Preisvergleich ganz, ganz wichtig ist." Insbesondere ältere Menschen könnte so allein gelassen werden, befürchtet Valet.

Dagegen bezeichnet der Handelsverband Deutschland die neue Regelung als "unnötig". Die Verbraucherinnen und Verbraucher seien jetzt schon gut geschützt. Die bislang geltenden Vorschriften würden völlig ausreichen, so der HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Der Hamburger Valet hält dagegen: "Wir wissen, dass hier zum Teil Schindluder getrieben wurde. Die Verbraucher werden da ausgetrickst, indem einfach höhere Preise angegeben werden, um dann besonders hohe Preissenkungen darzustellen, die überhaupt nicht der Fall sind."

Handelsverband befürchtet große Herausforderungen für Einzelhandel

Mit Blick auf die Umstellung am Samstag warnt der Handelsverband: Die Neuregelung stelle den Einzelhandel vor große Herausforderungen. Gerade die weniger zahlungskräftigen Verbraucher würden die Folgen dieser unnötigen Regulierung spüren, weil sie in Zukunft voraussichtlich weniger von Schnäppchen profitieren könnten, sagte Verbandschef Genth.

Die Verbraucherschützerin Constanze Rubach versichert dagegen: Dauerniedrigpreise seien von der neue Preisangabeverordnung nicht betroffen.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 27. Mai 2022 | 10:11 Uhr

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