E-Mobilität Großstädte halten für Elektroautos noch nicht genügend Ladepunkte vor

Im vergangenen Jahr verdoppelte sich die Zahl der reinen E-Autos in Deutschland auf 619.000. Jedoch fehlt es an Ladestationen, bundesweit gibt es derzeit knapp 30.000. Auch in Mitteldeutschlands Großstädten stockt der Ausbau der Infrastruktur – vor allem von Schnellladesäulen.

Ein Piktogramm zeigt den Stellplatz neben einer Ladesäule für E-Autos.
Wenn es schnell gehen muss, findet man vor allem in Innenstädten nur schwer eine Ladestation fürs E-Auto. Bildrechte: dpa

Mal eben in die Stadt, eine Stunde shoppen und währenddessen das E-Auto vollladen – in mitteldeutschen Städten geht das zurzeit meist nicht. Es gibt zu wenige öffentliche Schnellladestationen. So wie in Jena.

Dort stehen im gesamten Stadtgebiet zwar mittlerweile 65 Ladestationen für rund 600 zugelassene Elektroautos. Das ist deutlich besser als im Bundesdurchschnitt, so der Jenaer Bürgermeister für Stadtentwicklung, Christian Gerlitz. Doch darunter ist nur eine Schnelladestation, sagt er: "Das ist etwas, was die Netze in der vollflächigen Verbreitung Stand heute – und auch in der Zukunft – gar nicht hergeben würden." Das hieße, in Masse würde eher das Langsamladen genutzt, das Laden über Nacht.

Stromnetze nicht auf Schnellladen ausgelegt

In Leipzig ist es nicht anders. Schnellladestationen, an denen man das Auto in 30 Minuten vollladen kann, sind rar. Und neue aufzustellen, ist erstens aufwendig, weil für jede neue Station auch neue Kabel verlegt werden müssten, und zweitens wären die Stromnetze schnell überlastet, wenn zeitgleich sehr viele Autos sehr viel Strom zögen.

Ein Problem, das alle Großstädte haben, erklärt der Pressesprecher der Stadt Leipzig, Mathias Hasberg: "Die Zahl der Zulassungen bei den E-Autos steigt sehr stark, der Ausbau der Infrastruktur kann gar nicht so schnell nachziehen, weil das viel aufwendiger ist. Genehmigungen, Bauten, Kabel verlegen, Stationen aufbauen. Das ist viel zu eng im Moment." Man müsse sich darüber sein: "Ein Auto ist schnell gekauft, aber ein Kabel verlegen, dauert viel länger."

Leipzig: an Zielorten laden

In Leipzig forderten die Grünen kürzlich im Stadtrat, dass zumindest fünf Prozent aller Parkplätze in Leipzig mit Ladestationen ausgestattet werden. Doch die Stadt lehnte das als zu aufwendig ab. Man hofft auf eine andere Lösung des Problems, so Mathias Hasberg: "Was die Innenstädte angeht, setzen wir in der Tat darauf, dass man das Laden mit den Zielorten von Autofahrten verbindet" – das Laden etwa am Arbeitsplatz oder beim Einkaufen scheine im Moment die sinnvollste Möglichkeit zu sein.

Wer sein E-Auto schnell aufladen will und keine eigene Station hat, könnte also auch in Zukunft gezwungen sein, an die Tankstelle zu fahren.

Jena: mehr Langsamladestationen in Wohngebieten

Doch vielleicht muss es ja auch gar nicht immer schnell sein. Die Stadt Jena setzt in der Zukunft vor allem in den Wohngebieten auf langsames Laden, erklärt Bürgermeister Christian Gerlitz: "Man muss genug Leistung haben, um die Fahrzeuge über Nacht wieder aufladen zu können, und dafür brauchen wir mit Sicherheit noch viele weitere Ladepunkte." Man habe in Jena einen Pilot gestartet, bei dem das Laternenladen evaluiert werde. Das sei ein "Langsamladen, wo die Menschen abends nach Hause kommen und den nächsten Morgen wieder losfahren". Dafür brauche man sehr viele Ladepunkte.

Fehlende Lade-Infrastruktur bleibt in den meisten Städten dennoch ein Problem. Auch in Dresden. Die Stadt rechnet in drei Jahren mit bis zu 15.000 E-Autos auf ihren Straßen. Auf eine Ladesäule kämen dann 30 Autos. Ein schlechtes Verhältnis. Die EU-Zielvorgabe liegt bei zehn Autos auf eine Säule.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Juni 2022 | 06:08 Uhr

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