Verbraucherschutz So finden Sie einen seriösen Energieberater

28. April 2023, 08:53 Uhr

Energiesparende Geräte kaufen und energetische Sanierung der eigenen vier Wände – was lohnt sich? Wofür gibt es beim Staat eine Förderung? Solche Fragen beantworten Energieberater. In Deutschland gibt es Zehntausende, die sich Energieberater nennen. Wie erkennt man kompetente Berater?

Ralf Geißler, Wirtschaftsredakteur
Bildrechte: MDR/Isabel Theis

Wer in den vergangenen Monaten einen Termin bei Konrad Nickel wollte, brauchte Geduld. Der Energieberater aus dem sächsischen Freiberg musste viele Ratschläge geben. Inzwischen ist es ruhiger geworden. Die Flaute am Bau lässt auch die Nachfrage nach Energieberatung sinken. Und womöglich trennt sich in der Berufsgruppe jetzt die Spreu vom Weizen. Denn Energieberater, sagt Nickel, sei kein geschützter Beruf. "Energieberater kann sich eigentlich jeder nennen, der in der Lage ist, das Label vom Kühlschrank abzulesen."

Deutsche Energieagentur führt Liste mit qualifizierten Energieberatern

Nickel selbst ist studierter Bauingenieur. Und sein Name steht auf der Liste der Energie-Effizienz-Experten der staatlichen Deutschen Energieagentur. Die im Internet abrufbare Liste enthält die Kontakte von 13.000 Energieberatern, die diesen Titel auch verdienen, weil sie eine Mindestqualifikation nachgewiesen haben. Wer dort gelistet ist, habe Prüfungen abgelegt, müsse regelmäßig Weiterbildungen durchführen und Projekte hochladen, die dann überprüft würden – dahingehend, ob sie die Qualitätsnormen erfüllen, die etwa vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, von der KfW und vom Wirtschaftsministerium gestellt würden.

Energieberater: Mehr als nur Glühbirnenaustausch

Nur Energieberater, die bei der Deutschen Energieagentur gelistet sind, können für ihre Kunden auch staatliche Fördergelder beantragen. Das bedeutet allerdings nicht, dass nicht-gelistete Energieberater automatisch einen schlechten Job machen. Es ist ein weites Feld. Es gibt Berater, die nur den Austausch der Glühbirnen empfehlen, worauf man irgendwie auch selbst gekommen wäre. Und es gibt Berater, die komplizierte Sanierungen begleiten. Für solche hat sich das Handwerk eine Qualifizierung ausgedacht.

So finden Sie den richtigen Gebäudeenergieberater

Der "Gebäudeenergieberater" ist eine Zusatzausbildung für Meister, erzählt Sven Börjesson von der Handwerkskammer zu Leipzig. Adressiert seien Gewerke aus dem Bau- und Ausbauhandwerk: "Maurer, Betonbauer, Zimmerer, Dachdecker und Anlagenausbauhandwerk, Elektriker, Klempner. Und die durchlaufen dann in der Regel berufsbegleitende Lehrgänge, die ungefähr ein halbes Jahr dauern und schließen dann mit einer umfangreichen, umfassenden Prüfung ab." Im Prinzip würden sie in dieser Prüfung ein Energieberatungsprojekt durchführen. Wer sein Haus dämmt, ist bei einem Fassadenbauer mit der Zusatzausbildung gut aufgehoben. Wer die Heizung tauschen will, kann fragen, ob der Klempner die Qualifikation hat.

Energieberatung für Mieter: Was ist möglich?

Da die meisten Deutschen aber zur Miete wohnen, sind oft nur kleine Maßnahmen möglich. Lohnt es sich, eine Mini-Solaranlage auf den Balkon zu stellen? Und darf ich das überhaupt? Für solche Fragen sind die 900 Energieberater der Verbraucherzentralen geeignet, sagt Martin Brandis vom Bundesverband der Verbraucherzentralen: "Die Beratung geht nicht in die letzte Tiefe hinein. Dafür sind tatsächlich weiterführende Beratungen sinnvoll. Aber ich sage mal, die Verbraucherzentrale ist auf jeden Fall eine sinnvolle Beratung, wenn Sie Orientierung haben wollen. Wo soll die Reise überhaupt hingehen? Was kann ich tun? Welches sind gegenüber anderen Maßnahmen vielleicht die besseren? Da wird kein Thema ausgelassen, was den Energieverbrauch im privaten Haushalt betrifft."

Achtung: Drückerkolonnen geben sich als Energieberater aus

Wichtig zum Schluss: Einen Energieberater sucht man sich immer selbst. Wenn es an der Haustür klingelt und da steht ein Herr in schlecht gebügeltem Hemd und stellt sich als Ihr Energieberater vor: nicht reinlassen. Er will ihnen sehr wahrscheinlich nur einen neuen Strom- oder Gasvertrag aufschwatzen. Denn leider geben sich vermehrt auch Drückerkolonnen als Energieberater aus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. April 2023 | 06:00 Uhr

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