Infektionen Erkältungssaison läuft an

Apotheken berichten davon, dass Grippe- und Erkältungsmittel in den letzten Wochen stärker als sonst nachgefragt werden. Das ist im Herbst nichts Besonderes, aber: Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie darauf? Durch die Hygienemaßnahmen der letzten anderthalb Jahre könnten es weniger gefährliche Infektionen schwerer gehabt haben, beim Menschen durchzukommen, vermutet eine Ärztin.

Ein benutztes Taschentuch
Befinden wir uns gerade in einer Krankheitswelle? Bildrechte: imago images/photothek

In den Dresdner Apotheken ist man zurückhaltend bezüglich einer entstehenden Krankheitswelle: Ja, die Erkältungs- und Grippemittel würden seit ein bis zwei Wochen etwas stärker nachgefragt, aber nur moderat. Die Saison gehe ja gerade erst los, sagen Apotheker aus der Barbarossa- und der Apotheke am Blauen Wunder übereinstimmend.

Keine vermehrten Krankheitsfälle in einzelnen Unternehmen

Aber vielleicht spürt man ja in den Unternehmen, dass etwas anrollt? Nachfrage bei der Industrie- und Handelskammer Chemnitz: In ihr sind immerhin 70.000 Mitglieder organisiert. Deren Sprecherin Kerstin Küpperbusch meint jedoch: "Also wir haben tatsächlich bisher keinerlei Anzeichen dafür, dass Unternehmen unter verstärkten Krankmeldungen leiden."

Okay, Krankmeldungen kommen ja auch nicht zuerst bei den Unternehmensverbänden an, sondern bei den Krankenkassen. Die AOK Plus teilt allerdings mit, man habe noch keine Daten, die kämen immer erst mit zwei Monaten Zeitverzug. Deshalb habe man im eigenen Unternehmen nachgefragt – die AOK beschäftigt in Sachsen und Thüringen immerhin 7.000 Menschen. Die Auskunft: "Wir als AOK können nicht bestätigen, dass bei den eigenen Mitarbeitern ein hoher Krankenstand herrscht. Unsere Mitarbeiter sind weitgehend gesund."

Krankenzahlen bei Kleinkindern und Erwachsenen verdoppelt

Aber welche Ursachen könnte der Eindruck haben, dass es eine Krankheitswelle gibt – wenn sie sich zumindest in den aktuellen Daten nicht nachweisen lässt? Ein Indiz liefert Katrin Lindner von der Techniker Krankenkasse Sachsen Thüringen. Sie vergleicht das erste Halbjahr 2021 mit dem ersten Halbjahr 2020: "Im ersten Halbjahr 2021 lag der Krankenstand bundesweit bei 3,75 Prozent, und im Jahr zuvor, also 2020, lag der Krankenstand bei 4,377 Prozent bundesweit. Das ist in allen Bundesländern überall gleich, da liegt der Krankenstand überall niedriger als in den vorangegangenen Jahren."

Vielleicht hat der Eindruck eines verstärkten Krankenstandes also etwas mit dem weniger Kranksein vorher zu tun? Denn die letzte Grippewelle war ja wegen der coronabedingten Hygienemaßnahmen weitgehend ausgefallen. Professorin Antje Bergmann ist Vorstandsmitglied der Sächsischen Landesärztekammer und praktiziert in der Carus Hausarztpraxis. Sie hat endlich einen aktuellen Befund: "Die aktuellen bundesweiten Übersichten zeigen, dass sich gerade bei den kleineren Kindern, 0-4 Jahre, und bei den mittelalten Erwachsenen, 35-59, die Zahlen durchaus verdoppelt haben in den letzten Kalenderwochen." Es sei also ein rasanter Anstieg zu verzeichnen, der sogar ein bisschen stärker sei als vor zwei Jahren – als Corona noch keine große Rolle gespielt habe. "Aber", sagt Bergmann, "es ist jahreszeitlich typisch, dass das passiert."

Zusammenhang zwischen Erkältungen und Corona-Pandemie?

So ganz normal scheinen die aktuellen Krankenstände dann aber doch nicht zu sein, fügt Antje Bergmann hinzu. Es könnte einen Zusammenhang geben mit der Pandemie bisher: Denn es komme hinzu, schildert die Ärztin ihre persönliche Meinung, "dass das Immunsystem sozusagen ein Jahr Infektpause hatte. Und jetzt wieder ein bisschen anfälliger ist." Zumindest sei man nicht mehr richtig gewohnt, sich mit Infekten und Viren auseinanderzusetzen. Deswegen könne sie sich vorstellen, nähmen Infekte jetzt wieder an Bedeutung und Häufigkeit zu.

Diesen Zusammenhang kann die Professorin aber nicht mit Vergleichszahlen belegen, es ist ihre eigene Einschätzung. Sicher aber sei, so Antje Bergmann, dass die Infektionswelle jetzt erst anrolle, und deswegen empfehle sie dringend, die Grippeschutzimpfung nicht zu vergessen. "Covid-19-Immunisierung schützt nicht vor Influenza-Viren." Das solle man auf dem Schirm haben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. September 2021 | 06:57 Uhr

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