Ermittlungsstand Ermittler gehen von islamistischem Motiv bei Messerattacke in Würzburg aus

Im Falle des tödlichen Messerangriffs von Würzburg halten es die Ermittler für naheliegend, dass der Mann islamistisch motiviert war. Sie verwiesen auf entsprechende Aussagen von Augenzeugen. Sie betonten aber auch, dass die Ermittlungen weitergehen.

Polizisten stehen in der Innenstadt von Würzburg
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Bei der tödlichen Messer-Attacke in Würzburg gehen die Ermittler von einem islamistischen Tatmotiv aus. Das teilten die Generalstaatsanwaltschaft München und das Landeskriminalamt mit.

Kontakt zu Terrororganisation unlar

Sie verwiesen auf Aussagen von Augenzeugen, wonach der der tatverdächtige Somalier während der Tat zwei Mal "Allahu Akbar" - "Gott ist groß" gerufen habe. In einer Würzburger Klinik soll er zudem die Tat als seinen "Dschihad", seinen "Heiligen Krieg", bezeichnet haben. Unklar ist nach Angaben der Ermittler aber weiter, ob der 24-Jährige in eine Terrororganisation eingebunden gewesen sei. Bisher seien keine Hinweise auf Propaganda-Material oder andere extremistische Inhalte bei ihm gefunden worden.

Funde aus Obdachlosenunterkunft werden ausgewertet

Bislang hielten sich die Ermittler bei Fragen zum möglichen Tatmotiv zurück. Sie verwiesen immer darauf, das Ende der Ermittlungen abzuwarten. Auch diesmal betonten sie, dass die Ermittlungen weitergehen. So müssten erst alle Gegenstände, die in der Obdachlosenunterkunft des Mannes in Würzburg gefunden wurden untersucht und bewertet werden, unter anderem von Islamwissenschaftlern.

Zu den Funden zählen auch zwei Handys, die dem 24-Jährigen gehören sollen. Außerdem soll es ein psychiatrisches Gutachten geben. Dabei soll geklärt werden, ob der Migrant bei der Tat schuldfähig war oder in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss.

Täter war mehrmals psychisch auffällig

In der Vergangenheit war der Mann bereits psychisch auffällig gewesen. Im Januar hatte er in Würzburg in seiner Obdachlosenunterkunft bei einem Streit ein Messer in der Hand. Danach war er für eine Woche in die Psychiatrie gekommen. Im Juni war er erneut für einen Tag in eine psychiatrische Einrichtung gekommen, nachdem er Autofahrer belästigt hatte. Auch in Sachsen war er in einen Streit verwickelt, bei dem ein Messer eine Rolle spielte. Dabei sollen er und sein Kontrahent leichte Schnittverletzungen erlitten haben.

In Würzburger Innenstadt auf Menschen eingestochen

Der Mann hatte am Freitag in der Würzburger Innenstadt auf Menschen eingestochen, die er offenbar nicht kannte. Drei Frauen starben, sieben Menschen wurden verletzt, darunter ein elfjähriges Mädchen. Er wurde von der Polizei durch einen Schuss gestoppt. Der 24-Jährige sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

In Chemnitzer Außenstelle erfasst

Der Somalier war nach Angaben der Ermittler im Mai 2015 über Italien nach Deutschland eingereist. Er war in der Außenstelle Chemnitz vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erfasst worden. Danach seien verschiedene Ausländerbehörden für ihn zuständig gewesen, zuletzt die in Würzburg.

Seinen Asylantrag habe er damit begründet, dass er in Somalia von der Terrororganisation Al-Shabaab verfolgt und bedroht werde und daher geflüchtet sei. Mittlerweile genießt der Mann subsidiären Schutz, das heißt, er darf derzeit nicht in das Bürgerkriegsland abgeschoben werden.

Quelle: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Juni 2021 | 13:00 Uhr

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