Annalena Baerbocks Versprecher Kobalt: Das Metall, das zu Hausgeist-Geschichten inspirierte

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock musste viel Häme einstecken, als sie Kobalt mit Kobold verwechselte. Doch ganz falsch liegt sie damit nicht.Kobalt ist ein wichtiger, derzeit noch fast unverzichtbarer Bestandteil von Akkus für Elektroautos. Diese Woche wurde bekannt, dass sich Kobalt sogar aus Bergbau-Rückständen im Harz gewinnen lässt. Der Rohstoff wurde auch im Erzgebirge gewonnen, galt aber lange als wertlos. Daher kommt auch die Verwandtschaft mit dem Begriff 'Kobold'.

Nickelchlorid, Cobaltsulfat und Nickelsulfat werden zu Anschauungszwecken im Werk der Nickelhütte Aue gezeigt.
Aus Kobaltsulfit (r.) wird etwa blaue Farbe hergestellt. Bildrechte: dpa

Im Netz war es ein gefundenes Fressen, was die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock vor zwei Jahren im ARD-Sommerinterview zum Thema E-Mobilität sagte: "Kobold, wo kommt das eigentlich her? Kann das eigentlich recycelt werden? Müssen wir natürlich Antworten geben und da gibt es jetzt erste Batterien, die auf Kobold verzichten können."

Kobold bedeutet so viel wie Hausgeist

Was Baerbock eigentlich meinte, war Kobalt. Diese Verwechslung sorgte für viel Häme. Doch die Wörter klingen nicht nur ähnlich, sie sind auch miteinander verwandt, erklärt Alfred Lameli, der Leiter des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas an der Universität Marburg. Lameli zufolge setzt sich das Wort Kobold aus zwei Wörtern zusammen. Das altdeutsche Wort 'Koben' heiße so viel wie Verschlag oder Hütte. Das Wort 'Hold' bedeute treu oder ergeben:

Der Kobold ist jemand, der einem Haus in irgendeiner Weise zugewandt ist und steht für einen Hausgeist.

Alfred Lameli Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas

Alfred Lameli: "Der Kobold ist also jemand, der einem Haus in irgendeiner Weise zugewandt ist und steht für einen Hausgeist."

Erzgebirge: Kobold hantiert mit wertlosem Kobalt

Das Metall Kobalt kam dann folgendermaßen zu seinem Namen, erklärt Lameli weiter: "Insbesondere im sächsischen Sprachraum, beispielsweise im Erzgebirge gab es die Vorstellung, dass, wenn man wertloses Gestein abgetragen hat, einem das irgendwie untergeschoben wurde. Und dafür hat man dann eben einen solchen Kobold verantwortlich gemacht."

Da Kobalt früher wertloses Gestein war, habe sich die Bezeichnung des unglückbringenden Kobolds auf das Gestein übertragen, sagt Lameli. Ein Grund sei auch die Aussprache des Wortes Kobold im Erzgebirge.

Hans Ulrich Schmid ist Professor für die Geschichte der Deutschen Sprache an der Universität Leipzig. Er sagt, heute stelle man zwischen Kobold und Kobalt keinen Zusammenhang mehr her: "Bei Annalena Baerbock war das sicher ein Versprecher und ich finde, der ist verzeihlich."

Akkus, Tonabnehmer und Farbe aus Kobalt

So viel zum Wortursprung. Heute ist Kobalt kein wertloses Metall mehr, sondern ein wichtiger Rohstoff. Das Metall wird gebraucht, um Stahl haltbarer zu machen, für Tonabnehmer von Gitarren oder für Akkus. Professor Martin Bertau, Direktor am Institut für Technische Chemie an der Bergakademie Freiberg, beschreibt Kobalt als metallisch-grau-glänzendes Metall. Außerdem nennt er eine weitere Nutzung, die vor allem in Sachsen bedeutsam ist. Kobalt werde zum Beispiel für die Blaufarbenfabrikation benötigt: "Die blauen Muster, die man von Porzellan kennt, sind meistens mit Kobaltoxiden gemacht. Da haben wir so eine schöne blaue Farbe", sagt Bertau.

Dass Bergleute damals, und zum Teil noch heute, abergläubisch sind und an Kobolde glauben, kann Bertau nachvollziehen. Denn untertage herrsche eine ganz eigene Atmosphäre: "Ich kann gut verstehen, dass man da unten eine gewisse Frömmigkeit oder Aberglauben entwickelt. Dort ist auch vorstellbar, dass Berggeister ihre Rolle spielen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 16. Juli 2021 | 08:24 Uhr

3 Kommentare

goffman vor 13 Wochen

Ich finde den Artikel interessant. Ist doch nett, dass nicht nur negatives, sondern auch informatives berichtet wird. Außerdem ist es witzig, zu lesen, wovon sich Chemiker bei der Benennung von Elementen inspirieren lassen.

Bernd_wb vor 13 Wochen

Den Namen Cobalt bekam das Metall von einem schwedischen Chemiker

Bernd_wb vor 13 Wochen

Gratulation der Baerbock der Woche kommt vom MDR. Wenn Politiker Unfug von sich geben muss der MDR nicht passende Geschichten dayu erfinden.

Mehr aus Panorama

Mehr aus Deutschland