Klimawandel Schlimmste Dürre seit 250 Jahren: Wie Land- und Forstwirtschaft leiden

Schon jetzt fehlen laut Dürre-Monitor des Umweltforschungszentrums vielerorts um die 100 bis 150 Liter Wasser pro Quadratmeter im Boden. Land- und Forstwirtschaft leiden stark unter der Dürre, wenn auch unterschiedlich. Besonders die Neubepflanzung des Waldes stellt den Forst vor Herausforderungen.

Sven Schulze (l, CDU), Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt und Tim Teߟmann (CDU) Abgeordneter des Landtages von Sachsen-Anhalt, pflanzen auf einer Schadfläche Rotbuchen.
Sven Schulze (links) Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt und Tim Teߟmann (CDU) Abgeordneter des Landtages von Sachsen-Anhalt, pflanzen auf einer Schadfläche Rotbuchen. Bildrechte: dpa

Es ist wohl die schlimmste Trockenheit seit 250 Jahren. Derzeit trifft es besonders Nordostdeutschland hart – darunter das Thüringer Becken, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Andreas Marx vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, sagt: "Kollegen von mir haben eine Studie gemacht, wie jetzt die Trockenheit seit 2018 einzuordnen ist und sie sind zu dem Ergebnis gekommen, dass mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ein ähnliches Ereignis seit einem Vierteljahrtausend in Mitteleuropa nicht stattgefunden hat. Das heißt, das ist wirklich ein außergewöhnliches Ereignis."

Seit mehreren Jahren negative Wasserbilanz

Sachsen-Anhalts Landwirte raufen sich dagegen die Haare. Wenn sich das Wetter in den nächsten zwei, drei Wochen nicht ändere und es nicht mehr regne, dann befürchte man eine Missernte, sagt der Vizepräsident des Landesbauernverbands Sven Borchert. Denn das vierte trockene Jahr in Folge hinterlässt arg seine Spuren: "Was uns in diesem Jahr sehr betrübt, ist eben diese negative Wasserbilanz aus dem Boden, die wir aus den letzten Jahren eben schon mitbringen. In anderen Jahren, in denen es schon trockener war, war der Boden noch aufgefüllt von den Winterniederschlägen, was wir eben in diesem Jahr nicht hatten."

Der erste Schnitt für Grünland, also Tierfutter, sei bisher nicht gut gewesen, berichtet Sven Borchert. Er schätzt den bisherigen Schaden auf rund 30 bis 50 Prozent für den Grünland-Schnitt.

Forst soll klimastabiler werden

Noch schwieriger ist allerdings die Lage der Forstwirte. Denn Gegenmaßnahmen zur Dürre – wie etwa anders düngen, weniger tief pflügen oder eben mehr gießen sind im Wald schlichtweg nicht möglich. Alexander Blank vom Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt blickt besorgt auf die aktuelle Lage: "Wir sind dementsprechend auf Regen angewiesen und können das Hauptproblem gar nicht lösen oder stemmen. Was wir machen können, ist einerseits dafür zu sorgen, dass der Wald aus Baumarten besteht, die den Klimastress oder die Trockenheit besser abkönnen. Da sind wir dabei, wir bauen unsere Wälder um, dass sie klimastabiler werden."

Doch dieses Nachpflanzen im Wald geht nicht einfach so von heute auf morgen. Die Wahl der Baumart und -mischung sollte immerhin um die 80 Jahre lang den Klimaänderungen standhalten können, betont der Leipziger Dürreforscher Andreas Marx.

Hohe Nachfrage an Pflanzenmaterial

Vor allem die kleinen, privaten Waldbesitzer stünden derzeit vor riesigen Herausforderungen, sagt Karsten Spinner, Geschäftsführer des Waldbesitzerverbands für Thüringen: "Im Moment ist es auch unheimlich schwierig, Pflanzenmaterial zu kriegen, weil bei ca. 45.000 Hektar Kahlfläche in Thüringen ist die Nachfrage nach Pflanzen enorm hoch, damit sind die auch relativ teuer und umso tragischer ist es dann, wenn die Pflanzen vertrocknen."

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Dabei hält sich die Trockenheit in Thüringens Wäldern noch in Grenzen. Schlimmer ist es in Sachsen-Anhalt. Alexander Blank vom Landesforstbetrieb hat bereits erste Berichte aus dem Südharz erhalten, die von Ausfällen von bis zu 60 Prozent in einzelnen Anpflanzungen sprechen.

Die wahre Dimension werde sich allerdings erst in den kommenden Wochen zeigen, so Blank. Er befürchtet, dass der Schaden vehement ausfallen wird. Denn Dürre und Wärme sind ideale Bedingungen für den Borkenkäfer – einem der gefährlichsten Schädlinge in der Forstwirtschaft.  

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Mai 2022 | 06:06 Uhr

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