Social Media Facebook startet eigenes Nachrichtenangebot in Deutschland

Ab Mai gibt es bei Facebook in Deutschland ein eigenes Nachrichtenangebot. Facebook News – so der Name – wird durch Zeitungsverlage und auch Internetplattformen bestückt, aber redaktionell durch das Internet-Unternehmen betreut. Anfang des Jahres gab es um ein ähnliches Projekt in Australien viel Ärger. Wie soll die Umsetzung in Deutschland funktionieren und welche Medienanbieter sind beteiligt?

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Facebook sagt Falschmeldungen auf der eigenen Plattform mit "Facebook News" ab Mai den Kampf an. Bildrechte: dpa

Facebook ist oft in die Kritik geraten, dass auf der Plattform viele Falschmeldungen verbreitet werden. Das gibt auch Guido Bülow zu. Er ist bei Facebook der zuständige Ansprechpartner für Partnerschaften mit Medienunternehmen in Zentraleuropa. Wegen dieser Falschmeldungen habe man externe Experten beauftragt, die diese suchen und kennzeichnen. "Natürlich ist es fundamental, die Verbreitung von Falschmeldungen zu reduzieren. Das tun wir mit unserem Faktenprüferprogramm."

Sobald ein Beitrag von diesen angezweifelt und als falsch markiert werde, verringere man die Verbreitung im Newsfeed. "Außerdem entfernen wir Inhalte mit falschen Behauptungen oder Verschwörungstheorien, die eine direkte Gefahr für das körperliche Wohlergehen von Menschen darstellen." Doch das allein reiche nicht. Deshalb arbeite Facebook in Deutschland ab Mai mit Verlagen und anderen Medienanbietern zusammen, um deren Nachrichten in einem eigenen Nachrichtenkanal zu verbreiten. Die Meldungen stammen aus mehr als 100 Zeitungen und Internetangeboten.

Aus Fehlern in Australien gelernt

Ein nicht ganz einfaches Unternehmen: Im Februar wurde Facebook in Australien per Gesetz gezwungen, Geld an Medien zu zahlen, deren Nachrichten auf der Plattform mit wenigen Zeilen Text veröffentlicht wurden. Facebook sperrte daraufhin die Medienhäuser einfach aus. Inzwischen gibt es in Australien eine Einigung.

In Deutschland wählte Facebook einen anderen Weg. Eines der beteiligten Medienhäuser, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, schildert die Zusammenarbeit in einer Mail an MDR AKTUELL: "Die F.A.Z. hat eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen. Facebook erhält gegen Zahlung einer Lizenzgebühr Zugriff auf die frei zugänglichen Artikel auf FAZ.NET. Kostenpflichtige Inhalte sind von dieser Regelung ausgenommen. Facebook kann einzelne Artikel auswählen und diese für ein eigenes Newsangebot auf der Facebook-Seite und der App anteasern."

Zusammenarbeit mit ARD in Aussicht

Wer die Artikel und Nachrichten lesen will, wird auf die jeweiligen Internetangebote der Nachrichtenanbieter geführt. Das sei wichtig, betont Jürgen Ebenau, der für die ARD eine Zusammenarbeit mit Facebook auslotet. "Wenn ich auf eine Nachricht klicke, dann komme ich auf die Seite des Anbieters. Und das ist natürlich vor allem für die Verlage interessant, weil die dann auf ihren eigenen Plattformen die Werbung verkaufen können und Geld verdienen." Aber es sei natürlich auch für die ARD spannend, die so ihre eigenen Plattformen stärker machen könne.

Im Mai ist die ARD allerdings beim Start von Facebook News noch nicht dabei, sagt Jürgen Ebenau: "Wir sind in Gespräch mit Facebook. Da sind noch technische und rechtliche Fragen zu klären." Grundsätzlich sei aber sowohl Facebook daran interessiert, dass die ARD und auch ihre Landesrundfunkanstalten mit ihren regionalen Informationen bei Facebook News mitmache, wie auch die ARD daran interessiert sei.

ARD setzt weiterhin auf breit gestreute Präsenz

Es sei eine Möglichkeit, weitere Menschen zu erreichen, die ihre Informationen und Nachrichten nur auf Facebook beziehen würden, sagt Jürgen Ebenau, der innerhalb der ARD für den Social Media-Bereich zuständig ist. Die Sender der ARD dürften trotzdem nicht abhängig von Facebook sein – das hätten die Vorgänge in Australien deutlich gezeigt. "Es gab auf Facebook ja durchaus auch Anbieter,  die ihre gesamte Reichweite über Facebook generiert haben. Das darf uns nie passieren." Man müsse immer starke eigene Plattformen haben und auch die Präsenz der ARD auf Drittplattformen diversifizieren, damit man nicht von einer Plattform abhängig werde, "die uns dann irgendwann einfach den Hahn zudreht".

Ab dem nächsten Monat wird Facebook in einem deutschen News-Kanal die fertigen Meldungen der Anbieter durch eine eigene Redaktion zusammenstellen. Inhaltliche Veränderungen und eigene Inhalte wird es nicht geben. Hinzu kommen sogenannte personalisierte Nachrichten, die automatisch auf die bekannten Interessensgebiete der einzelnen Nutzer abgestimmt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. April 2021 | 06:00 Uhr

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