Corona-Schnelltests Anteil falsch-positiver Schnelltests gestiegen

Bei vielen, die in diesen Wochen einen positiven Befund nach einem Corona-Schnelltest erhalten haben, stimmt dieser Befund nicht. In Hamburg etwa lag der Anteil der falsch-positiven Tests zuletzt bei 80 Prozent. Die Tests sind aber nicht plötzlich ungenauer geworden. Durch die niedrigen Fallzahlen, ändert sich lediglich das Verhältnis der falsch-positiven Tests, die im Vergleich zu tatsächlich positiven Testergebnissen häufiger auftreten.

Covid 19 Antigen Schnelltest
Trotz teilweise falsch-positiver Befunde sind Schnelltests immer noch ein effektives Mittel, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen. Bildrechte: imago images/CHROMORANGE

Test-Aussagekraft bei niedriger Inzidenz geringer

Er kenne das Problem, sagt der Leipziger Professor Markus Scholz. Wobei der Epidemiologe gar nicht von einem Problem sprechen will. Er müsse das auch im Lehrbetrieb immer wieder erklären: Nein, die Tests seien nicht plötzlich schlechter als vorher, sondern: "Das ist ein generelles statistisches Phänomen, das darauf beruht, dass je seltener die Erkrankung in der Bevölkerung ist, desto weniger verlässlich ist ein positives Testergebnis", sagt Scholz.

Das liegt aber nicht am Schnelltest selbst. Es hängt zusammen mit der Infektionslage im Land. Das klingt verwirrend, ist es aber nicht. Entscheidender Faktor im Zusammenhang mit falsch-positiven Ergebnissen ist die sogenannte Spezifität. Dabei geht es um die Wahrscheinlichkeit, mit der ein gesunder Mensch auch ein korrektes – weil negatives – Testergebnis erhält. "Diese Spezifität ist nicht 100 Prozent, deswegen ist es eben nicht sicher, dass wenn man ein positives Ergebnis hat, dann auch infiziert ist", erklärt Scholz weiter.

Geringe Inzidenz: Anteil falsch-positiver Tests höher

Bedeutet: Wenn auf einem Schnelltest eine Spezifität von 99,7 Prozent angegeben wird, fallen laut Statistik die übrigen 0,3 Prozent falsch-positiv aus. Bei zehntausend durchgeführten Tests wären das bis zu 30. Geht man jetzt beispielhaft davon aus, dass unter diesen zehntausend nur ein Mensch tatsächlich infiziert ist, so kommen dann auf ein richtig-positives Testergebnis bis zu 30 falsche. Sind mehr Menschen infiziert, ist das Verhältnis zwischen falsch und richtig ausgeglichener. Nach Angaben der Akkreditierten Labore in der Medizin sind aber grundsätzlich 30 bis 50 Prozent der positiven Schnelltestbefunde falsch. Der PCR-Test bringt hier Klarheit.

Neu ist das alles nicht. Das Robert Koch-Institut führt diesen Sachverhalt sogar explizit in seinen Testhinweisen auf. Dort heißt es: "In Anbetracht der potenziell erheblichen Konsequenzen inkorrekter Ergebnisse bestehen hohe Anforderungen an die Spezifität. So wäre bei niedriger Prävalenz und geringer Testspezifität mit einer hohen Zahl falsch-positiver Ergebnisse zu rechnen." Die erwähnte Prävalenz zeigt an, wie viele Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt erkrankt sind. Sind das so wenige wie aktuell, müssten die Tests extrem genau sein, um den Anteil falscher Ergebnisse möglichst kleinzuhalten. Selbst 0,3 Prozent machen da viel aus – und da sind mögliche Fehler oder Ungenauigkeiten beim Testen noch gar nicht berücksichtigt.

Scholz: Corona-Schnelltests reduzieren sei sinnvoll

Mit Blick auf das niedrige Infektionsgeschehen sei es deswegen durchaus sinnvoll, das Testaufkommen an der ein oder anderen Stelle herunterzufahren, sagt der Epidemiologe Markus Scholz. Dass sich etwa Schülerinnen und Schüler in Sachsens Schulen jetzt nur noch ein statt wie bisher zwei Mal wöchentlich testen müssen, sei deshalb vertretbar. Man müsse das Testgeschehen aber gegebenenfalls wieder anpassen. Scholz empfiehlt: "Wenn die vierte Welle kommt – und wir gehen davon aus, dass die auf jeden Fall beginnt und sich auch dann beschleunigen wird spätestens im Herbst – dass man dann die Frequenzen auch für die prophylaktischen Tests wieder erhöht. Denn wir haben gesehen, dass die einen sehr großen Effekt haben."

So könne man Infektionen in den Schulen frühzeitig erkennen und die Ausbreitung der vierten Welle eindämmen. Sinnvoll seien die Tests nach wie vor, sagt Scholz. Denn ganz unabhängig vom aktuellen Statistikphänomen der falsch-positiven Testergebnisse seien sie im Kampf gegen die Pandemie bislang sehr wirksam gewesen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 13. Juli 2021 | 08:47 Uhr

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