Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Hochwasser

Im Bild eine Ortschaft an der Straße zwischen Dernau und Walporzheim, die von den Fluten auf einem Abschnitt einfach mitgerissen wurde.
Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen waren am schwersten von den Fluten betroffen. Bildrechte: imago images/Future Image

Wo gab es im Juli 2021 Hochwasser?

Die Unwetterkatastrophe hat in Deutschland große Schäden angerichtet. Besonders betroffen sind die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Auch Sachsen und Thüringen hatten mit den Folgen des Starkregens zu kämpfen. Überschwemmungen gab es unter anderem im Erzgebirge, in der Sächsischen Schweiz und in der Oberlausitz.


Ist eine solche Katastrophe auch in Mitteldeutschland möglich?

Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen kann es immer wieder zu schweren Unwettern mit Überschwemmungen kommen. Sowohl Mittelgebirgsregionen als auch Städte, die in einer Flussaue liegen, seien gefährdet – so wie Jena. "Es gibt keine Schwerpunkte für Unwetter", sagt Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Heftige Regenfälle hatten auch in Sachsen zu Überschwemmungen und Erdrutschen geführt. In der Sächsischen Schweiz waren einige Orte kurzzeitig von der Außenwelt abgeschnitten.


Wie kommt es zu so starkem Dauerregen?

Grund für die extremen Regenfälle und Überschwemmungen war die sogenannte Vb-Wetterlage. Für die Meteorologie sind diese Wetterlagen im Vorfeld nur sehr schwer zu erfassen. Die Vb- (gesprochen Fünf-B-, der Buchstabe V entspricht der römischen Ziffer für 5) Wetterlage bezeichnet eine selten auftretende Großwetterlage über Europa, bei der ein Tief von der Adria über den nördlichen Balkan und die Alpen in Richtung Baltikum nach Nordosten abzieht. Die Folge: Die feuchte Luft wurde über Europa wie ein Schwamm ausgepresst. Das Ergebnis war starker Regen über Stunden und Tage. Vb ist dabei Teil eines ganzen Systems zur Beschreibung typischer Zugbahnen von Tiefdruck-Großwetterlagen über Europa.


Wie kann ich jetzt helfen?

Professionelle Unterstützung kommt etwa vom Technischen Hilfswerk mit seinen vielen Ehrenamtlichen, von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, den Johannitern, der Bundeswehr – aus allen Teilen des Landes sind Helferinnen und Helfer in die Hochwassergebiete gefahren. Von privater Hilfe vor Ort raten Experten noch ab. In vielen überschwemmten Gebieten ist es aktuell viel zu gefährlich und unübersichtlich, in vollgelaufenen Kellern lauert zum Beispiel die Gefahr von Stromschlag. Spenden kann man aber schon jetzt: Viele Hilfsorganisationen und das Bundesland Rheinland-Pfalz haben entsprechende Konten eingerichtet. Auch Sachspenden werden in den Katastrophen-Regionen benötigt.


Wie werde ich bei Hochwasser gewarnt?

Aktuelle Wettermeldungen und Hochwasserwarnungen erhält man tagesaktuell über den Deutschen Wetterdienst, die Warn-App NINA des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Rundfunk oder Internet. Informationen zu aktuellen Hochwasserständen findet man bei den Hochwasserzentralen der Länder. Auch die Kommunen informieren über Hochwasserrisikogebiete, einige bieten auf ihren Websites Starkregengefahrenkarten an. In einigen Gemeinden gibt es noch Sirenen, aber längst nicht in allen. Angesichts der jüngsten Unwetterkatastrophe in Deutschland fordert der Städte- und Gemeindebund eine grundlegende Reform des Bevölkerungsschutzes. Hauptgeschäftsführer Gert Landsberg schlug vor, die Warnsysteme, die es zu Zeiten des Kalten Kriegs durch Sirenen flächendeckend gab, zu digitalisieren und wieder zu ertüchtigen.


Wie verhalte ich mich bei Hochwasser richtig?

Ist Hochwasser angekündigt, sollte zunächst vorgesorgt werden: Besorgen Sie etwa Sandsäcke, Schalbretter, wasserfeste Sperrholzplatten und Silikon zum Schutz vor Wasser. Halten Sie wichtige Dokumente und Notgepäck bereit. Sichern Sie Schritt für Schritt Haus, Auto und Fahrzeuge und helfen Sie denjenigen, die nicht alleine zurechtkommen.

Quelle: MDR/afp/dpa/epd

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Juli 2021 | 11:00 Uhr

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