Corona-Pandemie Vielen Studierenden fehlt der Austausch mit Kommilitonen

Lydia Jakobi, Autorin und Reporterin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Das Studium findet wegen Corona im virtuellen Raum statt. Das ist vor allem für die Erstsemester hart, die oft in einer fremden Stadt neu anfangen. Dazu brechen an einigen sächsischer Hochschulen auch noch Stellen weg.

Ein leerer Hörsaal im Hörsaalzentrum der Technischen Universität Dresden.
Nach wie vor bleiben die Hörsäle geschlossen. Die Lehre findet in Videokonferenzen statt. Bildrechte: dpa

Der Campus der TU Dresden liegt verwaist im Winternebel. Die Fahrradständer sind leer, die meisten Räume dunkel. Nur in den Laboren huschen einzelne Menschen in weißen Kitteln an den Fenstern vorbei. Seminare und Vorlesungen finden fast ausschließlich digital statt. So wie überall. Cornelius Baier ist zu Besuch in Dresden. Eigentlich studiert er an der Hochschule Zittau/Görlitz und engagiert sich dort auch im Studierendenrat, kurz StuRa.

Das Leben auf dem Campus fehle ihm, sagt er: "Mein Professor hat in der ersten Woche gesagt: Das Wichtigste ist die Flasche Wein mit den Kommilitonen am Abend. Wir haben natürlich damit zu kämpfen. Manche haben sich kein WG-Zimmer, kein Wohnheimplatz gesichert, sind nicht am Hochschulstandort, werden zu Einzelkämpfern."

Das, was wirklich die ganz wertvollen Erfahrungen sind, der Austausch, das Verzweifeln über dem Mathe-Tutorium – da zusammenzuhalten, das entfällt jetzt.

Cornelius Baier Student an der Hochschule Zittau/Görlitz

Motivationsprobleme und fehlende Interaktion

Der StuRa Zittau/Görlitz hat kürzlich gut 500 Studentinnen und Studenten zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Hochschullehre befragt. Ein Ergebnis: Mehr als jeder zweite hat Motivationsprobleme, fast der Hälfte der Befragten fehlt die Interaktion. Aber: Die digitalen Veranstaltungen fanden im Wintersemester besseren Anklang als im Sommer.

Die Hochschule Mittweida hat eine ähnliche Umfrage erstellt. Gordon Guido Oswald, StuRa-Geschäftsführer, nennt eine Erkenntnis: "Da kam raus, dass sich viele Studenten einsam fühlen. Also, dass sie eigentlich nicht so gut damit klar kommen."

Herausforderung für studentische Selbstverwaltung

Das fehlende Campusleben führe womöglich auch zu Nachwuchsproblemen beim StuRa, so Oswald: "Ein Erstsemester wird weniger in den Studentenrat gehen, einfach weil er die Gepflogenheiten an der Hochschule noch nicht kennt. Im dritten Semester könnte er das machen. Dann kommt Praktikum, dann kommt Abschlussarbeit, dann sind sie wieder weg. Und jetzt kommt noch Corona dazu, was die studentische Selbstverwaltung wirklich vor eine große Herausforderung stellt."

Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow weiß um den Mangel an sozialem Austausch. Er sagte MDR AKTUELL, das Studium sei auch eine Phase der Persönlichkeitsentwicklung. Das komme gerade zu kurz.

Gemkow sagte: "Das ist ein Problem für die Erstsemester, die eine besondere Betreuung brauchen. Aber es ist eine Situation, mit der wir umgehen müssen und die Hochschulen tun ihr Bestes, um trotzdem einen Unterricht zu ermöglichen."

Entscheidende Stellen brechen weg

Cornelius Baier vom StuRa Zittau/Görlitz sieht diese Aussage kritisch. Denn seine Hochschule habe sich zwar insgesamt gut auf die digitale Lehre eingestellt, doch mitten in der Pandemie würden nun mehrere entscheidende Stellen wegbrechen. Unter anderem zwei am Zentrum für E-Learning und die Studienscouts, die den Erstsemestern beim Übergang von der Schulbank in den Hörsaal helfen. Sie waren bis Ende 2020 über den sogenannten Hochschulpakt von Bund und Ländern finanziert.

Cornelis Baier erklärt: In Görlitz und Zittau seien das etwa 15 Stellen, die damit verbunden gewesen seien. "Teilzeit zwar, aber das ist schon ein Maß, was die Studierendenschaft hart trifft."

Das Land habe zwar eine Anschlussfinanzierung in Aussicht gestellt, sagt Cornelius Baier. Der neue Haushalt wird aber wahrscheinlich erst im Frühjahr verabschiedet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Januar 2021 | 08:11 Uhr

2 Kommentare

Metapher vor 23 Wochen

>>Vielen Studierenden fehlt der Austausch mit Kommilitonen<<

so geht es den großen wie die kleinen Kindern, und auch Erwachsenen

winfried vor 23 Wochen

>>Vielen Studierenden fehlt der Austausch mit Kommilitonen<<
Versteh' ich nicht ! ... Heutzutage genügt doch digital, auch beim Nachwuchs.

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