Vorstoß der Linken Feiertage, die aufs Wochenende fallen: Gegenwind für Idee von Ausgleichstagen

Die Linke fordert Ausgleichstage für Feiertage an Wochenenden. Besonders aus der Wirtschaft gibt es für den Vorschlag Gegenwind. Aus der SPD gibt es den Kompromissvorschlag, die Tarifparteien entscheiden zu lassen.

Ein Tagesabreißkalender mit dem Kalenderblatt vom 01. Mai 2016 liegt auf einem Tisch.
Der Vorschlag des Linken-Bundestagsabgeordneten aus Sachsen-Anhalt, Jan Korte, einen Ausgleichstag für Wochenendfeiertage einzuführen, sorgte für Aufruhr. Bildrechte: dpa

Feiertage können Konjunktur machen, sagt der Dresdner Robert Lehmann. Er arbeitet am Ifo Institut für Wirtschaftsforschung München. Dort hat man berechnet, was ein zusätzlicher Feiertag an Wirtschaftsleistung kostet: "Das würde in etwa pro Jahr 0,1 Prozentpunkte mehr oder weniger Wirtschaftsleistung in Deutschland bringen oder verhindern. Das sind umgerechnet – wenn man sich das mal in Euros ausdrücken möchte – ungefähr 3,5 Milliarden Euro, wenn man das auf das Jahr 2019 bezieht."

Anderseits könnte ein Ausgleichstag die Angestellten auch motivieren, mehr zu leisten, weil sie ausgeruhter oder motivierter sind, sagt Lehmann.

Wirtschaftsverband nicht überzeugt

In Thüringen zeigt sich die Arbeitgeberseite von diesem Argument eher wenig überzeugt. Die Sprecherin des Verbands Wirtschaft in Thüringen, Ute Zacharias findet: "Deutschland und Dänemark sind die Länder, die die meisten Feiertage haben. Und da sehen wir eigentlich nicht die Notwendigkeit, dass man dann einen Feiertag nachholen muss." Zumal es rechnerisch alle sieben Jahre mal vorkomme, dass ein Feiertag auf einen Sonntag falle, ergänzt Zacharias.

Wobei die Linke auch Feiertage ausgleichen will, die auf den Samstag fallen, was die Häufigkeit ein wenig erhöhen würde.

Linke: Mehr Erholung notwendig

Für den Bundestagsabgeordneten aus Sachsen-Anhalt und ersten parlamentarischen Geschäftsführer der Linksfraktion Jan Korte geht es vor allem ums Prinzip: "Ein Feiertag hat ja mehrere Gründe in der Geschichte. Da geht es ums Gedenken. Da geht es um kulturelle Traditionen. Da geht es vor allem natürlich um Erholung von einer immer stressiger werdenden Gesellschaft, von wirklich harter körperlicher und seelischer Arbeit. Das ist ja die Idee des Feiertages."

Korte ist zuversichtlich, dass die Idee des Ausgleichstags dieses Mal im Parlament erfolgreich sein kann. Zumindest die Regelung für die bundesweiten neun Feiertage sei schnell umsetzbar, Abgeordnete von den Grünen seien bereits mit im Boot.

CDU: für Erholung Urlaubsanspruch nutzen

Bei der CDU sieht man dagegen eher Schwarz. Der Sprecher der Landesgruppe Sachsen im Bundestag, Carsten Körber, hält das Vorhaben für einen kompletten Denkfehler: "Es ist ja so, dass ein Feiertag nicht primär der Erholung, sondern der Besinnung gilt. Für die Erholung gibt's ja den gesetzlichen Urlaubsanspruch und in den meisten Fällen den betrieblichen Urlaubsanspruch, der deutlich höher ist. Insofern kann ich der Argumentation der Antragssteller nicht folgen."

Dass es für die Beschäftigten dennoch ärgerlich ist, wenn ein Feiertag aufs Wochenende fällt, kann der SPD-Bundestagsabgeordnete Detlef Müller sehr gut verstehen. Ob man das allerdings unbedingt per Gesetz ausgleichen muss, da ist der Sprecher der Landesgruppe Sachsen der SPD skeptisch.

Tarifliche Lösung durch Ersatzfreizeit

Müller bevorzugt eine tarifliche Lösung: Bei der Bahn, von der er komme, würden Feiertage, die auf Sonntage fallen, ausgeglichen mit Ersatzfreizeit. "Und so etwas könnte ich mir sehr gut vorstellen – dass man das im Rahmen der Tarifverträge zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern, entsprechend regelt."

Die Chance, dass Feiertage, die auf ein Wochenende fallen, ausgeglichen werden, scheint auch dieses Mal nicht sehr realistisch zu sein. Zuletzt war die Linke 2019 im Bundestag mit ihrem Vorhaben gescheitert, fast alle Parteien hatten dagegen gestimmt. Die Grünen hatten sich enthalten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. April 2022 | 08:10 Uhr

17 Kommentare

Stealer vor 8 Wochen

Sicherlich ein guter Vorschlag für Arbeitnehmer. Letztes Jahr waren (in Thüringen) gleich 5 Feiertage am Wochenende, dieses Jahr sind es "nur" 3.

Dass die Wirtschaftsverbände und ihre parlamentarische Vertretung (CDU, FDP) dagegen sind, ist nicht überraschend - die wären auch dafür, dass Feiertage grundsätzlich aufs Wochenende gelegt werden (am besten Sonntage).

Der Vorschlag der SPD betrifft nur gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte bzw. solche, die von Tarifverträgen profitieren - das ist im Osten aber weit vom Normalzustand entfernt.

"Es ist ja so, dass ein Feiertag nicht primär der Erholung, sondern der Besinnung gilt."

Wo lebt der Mann eigentlich?

Fakt vor 8 Wochen

@Alf09:

Wenn weniger als 50 Prozent nicht gewerkschaftlich organisiert sind, ist es deren Problem. Es steht jedem frei, Mitglied in einer Gewerkschaft zu werden.
Freiberufler und Selbstständige haben ihre Berufsorganisationen. Ich bin Freiberufler und in einer der für mich zuständigen Berufsorganisation, die sogar in ver.di angesiedelt ist. Zudem kann ein Freiberufler oder Selbstständiger sich für den Feiertag, der auf einen Sonntag fällt, doch jederzeit einen Tag frei nehmen - wenn er möchte auch zwei oder drei.

Fakt vor 8 Wochen

@nachdenker1:
>>" kein Chef gibt mehr Urlaub als er muss."<<
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Das Bundesurlaubsgesetz verlangt eine Mindestdauer von 24 Werktagen. Das wären, da der Samstag ein Werktag ist, genau vier Wochen. Tarifverträge können eine längere Dauer festlegen. Ich kenne niemanden, auch nicht in Arbeitsverhältnissen ohne Tarifvertragsbindung, der lediglich diese vier Wochen Urlaub bekommt - sechs Wochen sind mittlerweile überwiegend die Regel. Ergo geben die meisten Chefs wohl doch freiwillig mehr Urlaub, als sie müssen.

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