Judentum Festjahr "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" eröffnet

Als Beginn zählt das Jahr 321. Eine Urkunde aus diesem Jahr gilt derzeit als älteste Erwähnung von Juden auf dem Gebiet, das heute Deutschland heißt. Um das angemessen zu begehen, wurde am Sonntag das Jubiläumsjahr "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" eröffnet.

Alle neun Lichter brennen bei Sonnenuntergang auf dem Chanukka-Leuchter, der vor dem Brandenburger Tor steht
Alle neun Lichter brennen bei Sonnenuntergang auf dem Chanukka-Leuchter, der im Dezember 2020 vor dem Brandenburger Tor in Berlin stand. Bildrechte: dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in Köln das Festjahr "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" eröffnet. Per vorab aufgezeichneter Videobotschaft sagte er, Juden hätten die deutsche Geschichte mitgeprägt und die Kultur leuchten lassen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält eine Ansprache beim Festakt zum Auftakt des Festjahres "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland".
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seiner vorab aufgezeichneten Ansprache zum Auftakt des Festjahres "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland". Bildrechte: dpa

Das gelte in der Philosophie, in der Literatur, Malerei und Musik wie auch in der Wissenschaft, der Medizin und der Wirtschaft. Zugleich forderte Steinmeier ein entschiedenes Eintreten gegen diejenigen, die jüdisches Leben in Deutschland noch oder wieder infrage stellten. Die Bundesrepublik sei nur vollkommen, wenn Juden sich hier ganz zu Hause fühlten.

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Null-Toleranz gegen Antisemitismus

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin mahnte in einem Video-Grußwort Null-Toleranz gegen Antisemitismus an. Er sagte: "Obwohl wir die Tragödien der Vergangenheit nie vergessen werden, betonen wir unser gemeinsames Erbe, den Beitrag der deutschen Juden zur deutschen Gesellschaft und die tiefe Freundschaft zwischen Deutschland und dem israelischen Staat." Ähnlich äußerte sich der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Er erklärte außerdem, mangelndes Wissen über eine bestimmte Gruppe von Menschen, vor allem über eine Minderheit, führe fast immer zu Vorurteilen.

Auch heute noch gilt: Selbst wer persönlich noch nie einen Juden getroffen hat, wer sich für das Judentum eigentlich gar nicht interessiert, kennt antisemitische Vorurteile.

Josef Schuster Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

Dem müsse man mit Wissensvermittlung sowie Aufklärung über Antisemitismus in den Schulen begegnen. Das Wissen über die jüdische Vergangenheit und Gegenwart sei in der Bevölkerung sehr gering. Und das, obwohl es anhand lokaler Zeugnisse überall in Deutschland die Möglichkeit gebe, sich über die jüdisch-deutsche Geschichte zu informieren. Bundesweit sind im Festjahr rund 1.000 Veranstaltungen geplant.

 

Das Festjahr zu "1.700 Jahre jüdischen Leben in Deutschland" erinnert an ein Ereignis aus dem Jahr 321. Damals erließ der römische Kaiser Konstantin ein Edikt, das es Juden gestattete, in Köln städtische Ämter zu übernehmen. Die Urkunde gilt als ältester schriftlicher Beleg für die Existenz jüdischen Lebens in Deutschland.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Februar 2021 | 17:00 Uhr

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