Hörer machen Programm Wie wirkt sich die FFP2-Maskenpflicht auf Stoffmasken-Hersteller aus?

Ab heute gilt in Sachsen, dass in Bus und Bahn oder beim Einkaufen medizinische Masken getragen werden müssen. MDR AKTUELL-Hörer Torsten Reiffarth aus Zwenkau meint darum: Viele Textilfirmen, die sich mit der Produktion von Gesichtsmasken aus Stoff durch die Corona-Zeit gerettet haben, wird das in ernsthafte wirtschaftliche Probleme bringen. War das jetzt alles umsonst?

Jenz Otto ist Hauptgeschäftsführer des Textilunternehmerverbands VTI in Chemnitz. Er will zunächst ein Missverständnis klären: Bei den Förderprogrammen des Bundes ging es von vornherein um medizinische Masken. Es gab Geld für die Produktion von Vlies und für Investitionen in neue Anlagen, nicht aber für Stoffmasken.

Unabhängig davon, sagt Jenz Otto, sind einige Firmen nun hart getroffen – allerdings nicht erst durch die Pflicht medizinischer Masken. "Ich hab mit einigen Unternehmen gesprochen, die sehr intensiv auch in der Mund-Nasen-Masken-Produktion tätig waren. Die haben unisono gesagt: Die Nachfrage nach dem reinen Textilprodukt hat sich ohnehin in der letzten Zeit schon relativ zurückgebildet."

Nachfrage nach Stoffmasken gesunken

Als die Masken knapp waren, hat auch der Textilunternehmer Jörg Brändl aus Geyer im Erzgebirge schnell reagiert. Doch er hat damals schon einen Schritt weiter gedacht. "Da ich ja selbst Nähmaschinenmechaniker bin, haben wir innerhalb von zwei Tagen die Maschinen umgebaut und haben Investitionen von vier neuen Maschinen gemacht."

"Aber wir haben das so gemacht, dass wir diese Maschinen auch für andere Produkte verwenden können. Weil uns damals schon bewusst war, dass dann, wenn preiswerte Einwegmasken wieder eingeführt werden, unsere Produkte nicht mehr die Nachfrage haben", sagt Jörg Brändl.

"Brändl Textil" stellt inzwischen wiederverwendbare, antibakterielle Masken her. Die neuen Maschinen haben 60.000 Euro gekostet – für Jörg Brändl eine lohnende Investition. Wer dagegen allein auf Stoffmasken gesetzt hat, hat vielleicht kurzfristig ein Geschäft gemacht. Dazu gab es viel Zuspruch aus der Politik. Doch von dort ist jetzt keine Hilfe zu erwarten.

Staat wird nicht einspringen

Marco Wanderwitz, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und Ost-Beauftragter, macht wenig Hoffnung. "Wenn da jetzt jemand das Lager voll Alltagsmasken hat und findet niemanden mehr, der sie abnimmt, dann kann auch nicht der Staat sagen "Ich kauf dein Lager leer". Wir haben auch keine Verwendung dafür. Mir ist klar, dass da einige viel investiert haben. Aber das ist im Wirtschaftsleben der normale Lauf der Dinge."

Jetzt gehe es darum, solche Firmen zu unterstützen, die FFP2-Masken oder Mehrwegartikel herstellen. Etwa wenn sie wegen höherer Lohnkosten oder Energiepreise nicht mit asiatischen Importen mithalten können. Marco Wanderwitz sagt: "Wir brauchen europäische Kapazitäten. Dass wir eben nicht jedes Billigprodukt kaufen, sondern dass wir sagen: Einen gewissen Prozentsatz gewährleisten wir mit inländischen Produkten, auch wenn die teurer sind."

Diesen Satz hat Unternehmer Jörg Brändl zu oft gehört. Er kenne einige Firmen, die sich in den letzten Monaten mit FFP2-Masken an staatlichen Ausschreibungen beteiligt hätten und leer ausgingen. Am Ende sei es wieder nur um den Preis gegangen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Januar 2021 | 06:22 Uhr

7 Kommentare

Critica vor 12 Wochen

FFP2-Masken sind Arbeitsschutzmasken, die man am Tag nur vier Stunden und am Stück nur 70 Minuten tragen darf, danach ist eine 30minütige Pause einzuhalten. Wer sehr viel mit diesem Masken umgehen muss, muss sich regelmäßig einem Lungenfunktionstest unterziehen, schreibt das Allgemeine Arbeitsschutzgesetz vor. Bitte beachten Sie dies.

KeineAusreden vor 12 Wochen

Im Fernsehen kam ein Bericht das die Lager in Deutschland übervoll sind mit Masken. Nach Chaos um den Mund Nasen Schutz wurde dann im späten Frühjahr von der Bundesregierung eingekauft was die Welt vorallem China zu bieten hat. Diese Masken müssen raus aus den Lagern und dem Volk verkauft werden. Es darf doch nicht sein das einheimische Stoffmaskenhersteller paar Euro verdienen.

Ludwig vor 12 Wochen

Auch die Mineralöl-Konzerne wird es hart treffen, wenn ganz überwiegend E-Autos das Verkehrsbikd bestimmen werden. Wie groß wird da der Aufschrei sein.
Eine normale Entwicklung in der Wirtschaft. Unternehmen stellen sich auf die Nachfrage der Konsumenten ein oder verlassen den Markt.

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