Hochwasser Aufräumen in Sachsen, Suche nach Vermissten im Westen

In Sachsen und Oberbayern hat Starkregen für Überschwemmungen und Erdrutsche gesorgt. In Sachsen entspannt sich die Lage, im Kreis Berchtesgadener Land wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Meteorologen erwarten für die Region weiteren Regen. Im gesamten Bundesgebiet kamen mindestens 157 Menschen durch das Hochwasser ums Leben. Der Bund stellt den Flutopfern im Westen Deutschlands Soforthilfen in Aussicht.

Unwetter Bad Schandau 2021
Wassermassen bahnen sich am Sonnabend in Bad Schandau ihren Weg. Bildrechte: Marko Förster

Sachsen: Aufräumarbeiten nach Überschwemmungen

Gewaltige Regenmassen haben in Sachsen zu Überschwemmungen geführt. In der Sächsischen Schweiz waren nach Angaben des Landratsamtes einzelne Ortslagen betroffenen Städten und Gemeinden nicht mehr erreichbar. Davon betroffen waren Neustadt, Sebnitz, Bad Schandau, Reinhardtsdorf Schöna und Gohrisch. Die Menschen wurden aufgerufen, das Gebiet weiträumig zu umfahren. Derzeit laufen Aufräumarbeiten, um die Straßen von Geröll, Schlamm und umgestürzten Bäumen zu befreien.

Nach Auskunft des Landeshochwasserzentrums hatte es im Einzugsgebiet der Kirnitzsch und der Sebnitz innerhalb von 24 Stunden teils mehr als 100 Liter pro Quadratmeter geregnet. Bahnstrecken, darunter die Verbindung von Dresden über Bad Schandau ins tschechische Decin, sind gesperrt. Nach Angaben der Deutschen Bahn wird die Störung erst im Laufe des Tages behoben sein. Auch musste die Bundesstraße 172 zwischen Pirna und Schmilka gesperrt werden.

In den Landkreisen Bautzen, Görlitz sowie im Erzgebirge hatte starker Regen Straßen und Keller unter Wasser gesetzt. Die Rettungskräfte wurden nach Angaben der Leitststelle zu fast 400 Einsätzen gerufen. Im Landkreis Zwickau errichteten Anwohner Blockaden, um ihre Häuser zu schützen. Experten rechnen mit rückläufigen Wasserständen, da keine neuen Niederschläge zu erwarten sind.

Bayern: Söder verspricht Hilfe

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagte den vom Hochwasser betroffenen Menschen in Bayern Hilfe zu. Bei einem gemeinsamen Besuch mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz in Berchtesgaden sagte Söder zudem, man müsse beim Kampf gegen den Klimawandel schneller vorankommen: "Wir haben die letzten Tage einen unglaublichen Weckruf der Natur erlebt."

Wasser steht in einer Straße in Berchtesgaden. Der Landkreis Berchtesgadener Land hat nach starkem Regen wegen Hochwassers den Katastrophenfall ausgerufen
Wasser steht in einer Straße in Berchtesgaden. Bildrechte: dpa

In Oberbayern kam es nach schweren Unwettern zu Überschwemmungen und Erdrutschen. Im Landkreis Berchtesgadener Land wurde der Katastrophenfall ausgerufen, nachdem der Fluss Ache über die Ufer getreten war und Hänge abrutschten. Die Kreisverwaltung bestätigte am Sonntagmorgen einen Todesfall im Zusammenhang mit der Flut. Bei einem zweiten Todesfall wird derzeit noch geprüft, ob er durch das Unwetter verursacht wurde.

Im gesamten Kreis wurden rund 130 Menschen vor den Fluten in Sicherheit gebracht. Betroffen sind unter anderem die Orte Berchtesgaden, Bischofswiesen und Schönau am Königssee. Tagestouristen wurden gebeten, die Region zu meiden.

Schulen und Kitas bleiben am Montag geschlossen. Es werde eine Notbetreuung geben, teilte das Landratsamt Berchtesgadener Land am Sonntag mit.

Meterologen erwarten in der Region weiteren Regen. Durch die starken Regenfälle wurde auch traditionsreiche Kunsteisbahn am Königssee stark beschädigt. Der Bob- und Schlittenverband für Deutschland schätzt den Schaden auf 20 Millionen Euro.

Im niederbayerischen Passau schleppte die Polizei nach eigenen Angaben vorsorglich Autos an Parkplätzen an der Donau ab. Dort gibt es aktuell Überschwemmungen der Meldestufe 3. Die Behörden rechnen damit, dass die Wasserstände noch bis Montag auf diesem Niveau bleiben.

Rheinland-Pfalz und NRW: Zahl der Toten erneut korrigiert

In den seit Tagen von einer Hochwasser-Katastrophe betroffenen Gebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Toten inzwischen auf mindestens 156 gestiegen. Zahlreiche Menschen gelten weiterhin als vermisst. Die Polizei in Köln geht noch von 150 aus. 700 bisher als vermisst Gemeldete wurden inzwischen telefonisch erreicht. Das Polizeipräsidium im rheinland-pfälzischen Koblenz teilte am Sonntag mit, dass allein im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz mindestens 110 Menschen ums Leben gekommen seien.

In Nordrhein-Westfalen wurden bis Sonntagmittag 46 Tote gezählt. In NRW ist es unter anderem in Erftstadt zu starken Verwüstungen gekommen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und NRW-Regierungschef Armin Laschet hatten am Samstag die Region besucht und zu Solidarität mit den Betroffenen aufgerufen.

Nach Plünderungen im vom Unwetter getroffenen Eschweiler bei Aachen sitzen drei Verdächtige in Untersuchungshaft. Das teilte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Sonntag mit.

Kritische Lage an Steinbachtalsperre

Kritisch bleibt auch die Lage an der Steinbachtalsperre bei Euskirchen. Es drohe weiterhin "akute Überflutungsgefahr" durch Versagen des Absperrdammes, warnte die Kölner Bezirksregierung. Derzeit pumpen Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks das Wasser ab. Teile der Region sind laut Kreisverwaltung weiterhin von der Stromversorgung abgeschnitten.

Die Bahn meldete in einer ersten Schadensbilanz massive Beschädigungen an 80 Stationen und Haltepunkten sowie an Gleisen auf mehr als 600 Kilometer Länge. Auch Weichen, Signaltechnik, Stellwerke, Brücken sowie Fahrzeuge seien durch Wasser, Schlamm und Geröll beschädigt worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer waren am Sonntagmittag in den Gemeinden Schuld und Adenau in der Eifel unterwegs, um sich ein Bild vom Ausmaß der Verwüstungen zu machen. Beide Politkerinnen sprachen mit Betroffenen und Einsatzkräften.

Helfer aus Mitteldeutschland im Einsatz

Mehr als 150 Angehörige des Thüringer Katastrophenschutzes sowie der Polizei sind nach Angaben des Innenministeriums bisher in den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz eingesetzt. Geschickt worden seien unter anderem zehn Fahrzeuge zum Trinkwassertransport sowie Mannschaftstransportwagen. Auch aus den sächsischen Städten Grimma und Colditz sind Helfer im Einsatz. Die Polizei Sachsen-Anhalt unterstützt ab der kommenden Woche die Einsatzkräfte in den Katastrophengebieten in Rheinland-Pfalz.

Bundesfinanzminister stellt Soforthilfen in Aussicht

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat den Flutopfern im Westen Deutschlands Soforthilfen und ein Wiederaufbauprogramm in Aussicht gestellt. Es brauche einen nationalen Kraftakt, sagte der SPD-Kanzlerkandidat der "Bild am Sonntag". Dazu wolle er dem Kabinett am kommenden Mittwoch zum einen Soforthilfen von insgesamt 300 Millionen Euro vorschlagen. Diese sollten über die Länder Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ausgezahlt werden und möglichst noch im Juli anlaufen. Zum anderen müsse eine Grundlage geschaffen werden, damit die zerstörten Häuser, Straßen und Brücken zügig repariert werden könnten. Nach den Erfahrungen früherer Katastrophen sei dafür ein Milliardenprogramm erforderlich, erklärte Scholz weiter.

Spenden für Hochwassergebiete Wenn Sie für die Menschen in den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen spenden wollen, gibt es folgende Möglichkeit:

Aktion Deutschland Hilft
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30
Stichwort: ARD/Hochwasser

Aktion Deutschland Hilft ist das Bündnis mehrerer deutscher Hilfsorganisationen.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Juli 2021 | 14:30 Uhr

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