Hörer machen Programm Flutlicht im Fußballstadion: Abschaffen für den Klimaschutz?

Autogase, Bratwurst, Bier – pro Bundesliga-Spieltag werden in Deutschland im Schnitt 7.800 Tonnen CO2 verbraucht. Ein Grund dafür: Viele Fußballfans reisen – teilweise quer durch Deutschland – mit dem Auto zum Spiel an. Unser Hörer Frank Weinert aus Großdeuben bei Böhlen vermutet einen weiteren Klimakiller: das Flutlicht in den Stadien. Aus seiner Sicht werden da ohne Not erhebliche Mengen elektrische Energie verbraucht. Er will wissen: Lassen sich Flutlichtspiele abschaffen?

Stadionansicht
Die Red Bull Arena in Leipzig. Auch hier finden viele Spiele unter Flutlicht statt. Bildrechte: imago/Picture Point LE

Flutlichtspiele im Fußball – jeder kennt es: Das Stadion ist hell erleuchtet, meistens beginnen die Partien abends gegen halb neun oder sogar später. Aber wie viele Energie verbraucht ein Flutlichtspiel überhaupt?

Drei Flutlichtspiele = Strom für einen Haushalt pro Jahr

Dazu teilt die SG Dynamo Dresden auf Anfrage von MDR AKTUELL schriftlich mit: "Bei einer Betriebsdauer am Spieltag von 1,5 Stunden vor dem Spiel, Stunden während des Spiels und einer halben Stunde nach dem Spiel ergibt das eine Beleuchtungsdauer von vier Stunden – somit liegt der Verbrauch bei 736 kWh pro Spiel. Die reinen Stromkosten belaufen sich auf circa 55 Euro pro Stunde."

Der 1. FC Erzgebirge Aue schreibt: "Aues Flutlichtanlage verbraucht bei einem Abendspiel durchschnittlich knapp 300 kWh. Bei Normalbetrieb produzieren wir ca. 80 Prozent des Eigenbedarfs selbst, unter anderem mit Photovoltaik und einem Blockheizkraftwerk."

Zum Vergleich: Ein Vier-Personen-Haushalt in Deutschland verbraucht zwischen 3.000 und 4.500 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Ein Flutlichtspiel verbraucht also bis zu einem Drittel Energie der Jahresmenge eines Durchschnittshaushalts.

DFB: "Auf Flutlichtspiele zu verzichten, ist kein Thema"

Können nun Fußball-Flutlichtspiele beendet werden als Sofortmaßnahme, um Strom zu sparen? Nein, das ist nicht möglich. Das lassen die Regularien der Fußball-Ligen nicht zu. Dort ist festgelegt, dass der jeweilige Club unter anderem eine Flutlichtanlage haben muss. Nur dann darf er in der Liga spielen. Das gilt gleichermaßen für die erste, zweite und dritte Bundesliga sowie die Regionalliga.

Gibt es im Deutschen Fußball-Bund Überlegungen, Flutlichtspiele ausfallen zu lassen oder Spiele auf Tageslichtzeiten zu verlegen, um Energie zu sparen? Auf diese MDR AKTUELL-Anfrage teilt der DFB schriftlich mit: "Die Überlegung, in Zukunft komplett auf Flutlichtspiele zu verzichten, ist aktuell kein Thema. Ein völliger Verzicht ist auch gar nicht möglich, da der Einsatz des Flutlichts selbst bei Mittagsspielen – speziell in der Winterzeit – nötig ist, um unter anderem eine angemessene TV-Übertragung zu ermöglichen. Intensiviert werden sollen Themen der Energie und Nachhaltigkeit gleichwohl, beispielsweise über den Einsatz von energiesparenden Techniken, beim Flutlicht über LED oder vergleichbare Energiestandards."

Mehr Nachhaltigkeit im Profi-Fußball

In dieser Woche hat auch die Deutsche Fußball-Liga, ein Zusammenschluss von 36 Fußball-Profivereinen, auf ihrer Mitgliederversammlung konkrete Maßnahmen zum Thema Nachhaltigkeit beschlossen. In der Präambel heißt es künftig sinngemäß: "Wesentliche Leitlinie für das Handeln ist Nachhaltigkeit in allen ihren Dimensionen – ökologisch, ökonomisch und sozial. Die Deutsche Fußball-Liga trägt dazu bei, das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln innerhalb breiter Bevölkerungsschichten zu verankern."

Konkret bedeutet das: Wenn ein Verein künftig in der Bundesliga spielen möchte, geht das nur, wenn er unter anderem bestimmte Maßnahmen zum Klimaschutz, sauberen Wasser sowie bezahlbarer und sauberer Energie umsetzt.

Einige Fußball-Profi-Clubs kümmern sich bereits um Nachhaltigkeit. Freiburg hat seit Jahren Solarmodule auf seinem Stadiondach. Augsburg wirbt mit dem ersten klimaneutralen Stadion der Welt. Der FSV Mainz sagt von sich, der erste klimaneutrale Klub der Bundesliga zu sein – mit einem Ökostromanbieter als Hauptsponsor.

Dortmund tritt gemeinsam mit einem deutschen Photovoltaik-Konzern als Botschafter der Energiewende auf, und der FC Bayern hat die Allianz-Arena nach Umweltkriterien durchchecken lassen. Das Ergebnis: Jährlich werden durch viele kleine Einzelmaßnahmen rund eine Million Kilowattstunden Strom gespart und damit 600 Tonnen CO2 vermieden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Dezember 2021 | 06:20 Uhr

Mehr aus Panorama

Mehr aus Deutschland