Förderung vom Bund Neue Großforschungszentren in Sachsen – ohne Forschungsziel?

Christine Reißing
Bildrechte: MDR/Jan Bräuer

In Sachsen sollen bis 2023 zwei neue Großforschungszentren entstehen, finanziert größtenteils vom Bund. Eins soll im Lausitzer Revier entstehen und das andere im Mitteldeutschen Revier. Sie sollen den Strukturwandel begleiten, im Zuge des Braunkohleausstiegs. Woran genau allerdings geforscht werden soll, ist noch gar nicht klar.

In mehreren kleinen Glasbehältern befindet sich grünliche Flüssigkeit, in der Blaualgen zu Forschungszwecken kultiviert werden.
Mehr Forschungsprojekte wie dieses am Helmholtz-Zentrum in Leipzig, in dem Blaualgen Wasserstoff produzieren, sollen nach Sachsen kommen. Bildrechte: MDR

Der Rahmen ist gesetzt: Insgesamt rund 3.000 Menschen sollen in den beiden Großforschungszentren arbeiten. Gefördert mit bis zu 170 Millionen Euro pro Jahr und Zentrum. 90 Prozent zahlt der Bund, der Rest das Land. Die genauen Standorte sind noch offen – ebenso der Inhalt, zu dem geforscht wird.

Das sei ein neuer Weg, räumt Sebastian Gemkow ein, Sachsens Wissenschaftsminister von der CDU: "Schlichtweg schon aus dem Grund, dass Politik schon wegen der Tiefe der wissenschaftlichen Expertise, die man braucht, gar nicht in der Lage ist, da die optimale Entscheidung zu treffen. Deswegen sollen es auch diejenigen bewerten, die sich auf die Themen verstehen, die das nötige Fachwissen haben."

Forschungsgegenstand unbekannt

Was genau erforscht werden soll, dazu veranstalten Bund und Länder einen internationalen Wettbewerb. Bis März können Ideen eingereicht werden. Die begutachtet dann eine Jury, in der etwa der Astronaut Alexander Gerst sitzt.

Claudia Maicher
Claudia Maicher, Wissenschaftsexpertin der Grünen in Sachsen Bildrechte: Grüne Fraktion Sachsen / Elenor-Breusing

Es sei richtig, findet auch Claudia Maicher, Wissenschaftsexpertin der Grünen im Landtag, "dass das jetzt in einer offenen Ausschreibung geschieht. Das heißt, dass es wissenschaftsgeleitet geschieht in einer unabhängigen Kommission. Ich halte es besonders wichtig, dass auch Transparenz über die Vergabe insbesondere bei einer solch hohen Fördersumme abzusehen ist."

Die besten Ideen sollen mit bis zu einer halben Million Euro weiterentwickelt werden. Mitmachen können: Institute, einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – universitär oder privat – oder Mitglieder von Forschungsgemeinschaften. Auf Anfrage von MDR AKTUELL bekundet auch die Helmholtz-Gemeinschaft Interesse.

Neues Verfahren der Standortwahl

Von Präsident Otmar Wiestler heißt es per Mail: "Das Verfahren ist insofern neu, als es themenoffen im Sinne einer nachhaltigen Strukturförderung aufgesetzt wurde. An ihm werden sich unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit zukunftsweisenden Ideen beteiligen. Wir haben ein großes Interesse daran, diese Forschungszentren in der Helmholtz-Gemeinschaft zu verankern."

In welche Richtung das inhaltlich gehen könnte, das lässt auch der Helmholtz-Präsident offen. Die Grünen-Politikerin Maicher sagt: "Es gibt natürlich sehr viele wichtige Aufgabenfelder. Ich denke an den Bereich Bewältigung des Klimawandels, Digitalisierung, Strukturwandel. Gerade aus einer ehemaligen Braunkohleregion können da gute Impulse kommen."

Parteien zu möglichen Forschungszielen

Die SPD-Fraktion verweist auf Anfrage von MDR AKTUELL auch auf den Koalitionsvertrag, in dem etwa Grundlagenforschung zu Wasserstoff verankert ist. Die Linke pocht auf Fragen der nachhaltigen Entwicklung. Die AfD fordert, sich wieder der Kernkraft zuzuwenden. Was auch immer es wird, Minister Gemkow wird nicht müde zu betonen: Die Großforschungszentren seien eine riesige Chance.

Das ist eine Investition in Köpfe, in neue Ideen, in neue Anwendungen, in neue Wertschöpfungen. Und das auf lange Sicht und auf eine große Dauer.

Sebastian Gemkow Sächsischer Staatsminister für Wissenschaft

Der Freistaat hofft, dass künftig zum Beispiel Start-ups an die Großforschungszentren andocken und vor Ort die Wirtschaft ankurbeln.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Dezember 2020 | 05:11 Uhr

2 Kommentare

winfried vor 46 Wochen

>>Neue Großforschungszentren in Sachsen – ohne Forschungsziel?<<
Sind mehr Selbstverwirklichung und bessere Eigenversorgung keine Ziele ?!

kleinerfrontkaempfer vor 46 Wochen

Es werden STUDIEN gemacht. In Doitschland eine sehr gern gesehene Beschäftigung. Immer wieder und für alles Mögliche (und Unmögliche).

Mehr aus Panorama

Mehr aus Deutschland

Meilicke 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tobias Meilicke berät Menschen im Umgang mit Verschwörungsgläubigen. Er sagt, dass spezielle Beratungsangebote in Deutschland fehlen.

23.10.2021 | 06:00 Uhr

Sa 23.10.2021 06:00Uhr 02:46 min

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/video-verschwoerung-corona-familie-hilfe-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video