Bevölkerungsschutz Städte- und Gemeindebund will mehr Sirenen

Nach der Unwetterkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist auch Kritik an unzureichender Warnung der Einwohner laut geworden. Die Kommunen fordern eine grundlegende Reform des Bevölkerungsschutzes und flächendeckend Sirenen, die auch bei Stromausfall funktionieren.

Sirene auf einem Dach
Sirenen wären nach Ansicht des Städte- und Gemeindebundes für die Warnung der Bevölkerung geeignet, aber es gibt sie nicht mehr überall. Bildrechte: dpa

Angesichts der jüngsten Unwetterkatastrophe in Deutschland fordert der Städte- und Gemeindebund eine grundlegende Reform des Bevölkerungsschutzes. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sollte sowohl personell als auch in seiner Zuständigkeit deutlich gestärkt werden.

Frühwarnsysteme sollen verbessert werden

Landsberg fügte hinzu, zudem müssten die Frühwarnsysteme verbessert werden. Bei der Katastrophe sei bei vielen der Eindruck entstanden, es handele sich um einen großen Starkregen. Das dramatische Ausmaß sei nicht kommuniziert worden. Deswegen seien viele von der Flutkatastrophe überrascht worden. Erschwerend sei hinzugekommen, dass die Mobilfunknetze sehr schnell ausgefallen seien.

Landsberg schlug vor, die Warnsysteme, die es zu Zeiten des Kalten Kriegs durch Sirenen flächendeckend gab, zu ertüchtigen. Sie sollten mit entsprechender Digitalisierung zum Kommunikationsnetz ausgebaut werden, "das auch noch funktioniert, wenn flächendeckend der Strom ausgefallen ist".

Bevölkerung durch Mix vor Gefahren gewarnt

Die Behörden setzen bei der Warnung der Bevölkerung auf einen Mix: Gewarnt wird im Radio und im Fernsehen. Oder die Feuerwehr ist mit Lautsprecher-Wagen unterwegs. In einigen Gemeinden gibt es noch Sirenen, aber längst nicht in allen. Zudem funktionieren im Ernstfall nicht alle, wie der erste bundesweite Warntag im September 2020 gezeigt hatte.

Warn-Apps erreichen nicht alle

Bundesweit verfügbar sind die Warn-App Nina des Bundesamtes und die vom Fraunhofer-Institut entwickelte Katwarn-App. Für den Kreis Ahrweiler gab es laut DPA allerdings nur in der Katwarn-App eine Warnung, die Häuser zu verlassen, nicht aber über Nina. Zudem haben nicht alle Menschen ein Smartphone, und nicht alle Smartphone-Nutzer haben eine der Warn-Apps installiert. Der Landkreistag schlägt vor, SMS zu verschicken, um auch Menschen mit einfachen Handys zu erreichen. Bei einem Ausfall des Mobilfunknetzes kommen aber auch die nicht an. Und Radio und Fernsehen sind nachts oft ausgeschaltet.

Bundesamt sucht Überblick über Sirenen

Der Bund will den Ländern zwar beim Aufbau und der Ertüchtigung von Sirenen mit 88 Millionen Euro helfen. Bislang gibt es allerdings nicht einmal einen bundesweiten Überblick, wo wie viele Sirenen stehen. Dies zusammenzutragen sei eines der Teilprojekte der Neuausrichtung des Bevölkerungsschutzes, heißt es beim Bundesamt. Derzeit würden die Sachstände der Bundesländer zusammengeführt und aufbereitet. Mit ersten Ergebnissen sei voraussichtlich Ende dieses Jahres zu rechnen.

Bundesregierung will Nationale Gesundheitsreserve aufbauen

Am kommenden Mittwoch will das Bundeskabinett einen Plan zum Aufbau einer Nationalen Gesundheitsreserve beschließen. Weitere Vorsorgemaßnahmen für den Bevölkerungsschutz sollen folgen. Bereits im Juni haben die Innenminister von Bund und Ländern beschlossen, ein neues Zentrum beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe aufzubauen, wo Bund, Länder, Hilfsorganisationen, die Bundeswehr und andere Akteure im Krisenfall zusammenarbeiten sollen.

Geteilte Zuständigkeiten erschweren Bevölkerungsschutz

Die unterschiedlichen Zuständigkeiten erschweren den Schutz der Bevölkerung. So ist der Bund dafür nur im Verteidigungsfall zuständig. In Friedenszeiten machen das die Länder. Die Warnung im akuten Krisenfall ist wiederum Aufgabe der Landräte und Feuerwehr-Leitstellen.

Aufgrund der geteilten Zuständigkeiten fehlt teilweise auch der Überblick darüber, wo in einem anderen Bundesland noch Einsatzkräfte zur Verfügung stehen oder wer vielleicht noch innerhalb kurzer Zeit Fahrzeuge heranschaffen kann, die durch tiefes Wasser fahren können.

Appell an Bevölkerung

Doch auch die Bevölkerung ist aufgerufen, mehr Vorsorge zu treffen. Städte- und Gemeindebund-Geschäftsführer Landsberg sagte, ein batteriebetriebenes Radio gehöre in jeden Haushalt. Auch das richtige Verhalten in Gefahrensituationen, das Abstellen von Strom und Gas, das Nichtbetreten von Kellerräumen und das Vorhalten bestimmter Lebensmittelreserven sollte laut Landsberg zum Standard werden.

Quellen: DPA, AFP, epd

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Juli 2021 | 10:30 Uhr

5 Kommentare

nasowasaberauch vor 9 Wochen

Sirenen und eine funktionierende Warnapp sind nur so gut wie eine treffsichere Vorhersage. Über Deutschland liegt das Wetter- Vorhersageraster "Regine" und das ist zu grob. Da wird zuviel interpoliert. Dieses Raster muss für genauere Vorhersagen enger werden. Das kostet Geld, aber die letzte Schadensbilanz ist, abgesehen von den Opfern und dem Leid. um ein Vielfaches teurer.

part vor 9 Wochen

Eine Sirene, die auch bei Stromausfall funktioniert, ist eine handbetriebene Sirene, doch die wurden mit der Abwicklung der DDR und des Zivilschutzes wohl dem Altmetallrecycling übergeben, eben weil nicht weitreichend. Alles andere würde dann auch nicht richtig bei solchen weitreichenden Wasserhosen funktionieren. Eine Warnung per SMS, App oder durch den Rundfunk könnte aber auch überregional erfolgen aus nicht betroffenen Gebieten. Ein Miniradio batteriebetrieben gibt es schon für sehr wenig Geld und es könnte helfen über Katastrophenlagen informiert zu sein. Aufklärung tut Not, auch über die einzelnen Sirenentöne, von denen den meisten Bürgern nur die Feuerwehralarmierung bekannt sein dürfte. Ein kleineres Gemeinden in der DDR gab es früher Möglichkeiten von Lautsprecherdurchsagen, heute nur noch über die Haltestellen des ÖPNV in größeren Städten möglich. Meteorologen sind auch nur Menschen und können niemals zweifelsfrei vorhersagen welche Unwetterfolgen eintreten werden.

DanielSBK vor 9 Wochen

"....ein batteriebetriebenes Radio gehöre in jeden Haushalt."

Ja Klasse diese Aussage.

Der "WDR" hat ja nun nachweislich NICHTS gesendet da unten als die Fluten kamen - und dann wird UKW abgeschaltet ... was für ein Radio?!
Ein Analoges?? Oder eins in DAB+
Deutschland schafft sich ab....

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