Durch die Corona-Krise Frauen entdecken das Angeln für sich

Angeln gilt als Männerhobby: Schweigsam in der Natur Fische jagen, neue Angeltechnik testen, dazu Bier und im Erfolgsfall ein Foto mit dem Fang. Doch in den letzten Jahren und gerade in der Corona-Krise entdecken immer mehr Frauen das Angeln – gern in Familie. Wer darf wo angeln in Mitteldeutschland, welche Ausrüstung braucht man? Der Deutsche Anglerverband erklärt auch, warum Angeln aktiver Natur- und Klimaschutz ist.

Anglerin an der Oder
Das Image vom Angeln als Männerhobby wandelt sich langsam: Immer mehr Frauen und auch Kinder und Jugendliche machen den Angelschein. Hier eine Anglerin an der Oder. Bildrechte: dpa

Millionen Menschen in Deutschland angeln

Nach Angaben des Deutschen Angelfischer Verbandes (DAFV) sind bundesweit etwa 520.000 Mitglieder in regionalen Angler-Verbänden organisiert, mit einem kräftigen Plus im Corona-Jahr gegenüber den Vorjahren. Dazu kommen noch Spontanangler ohne Vereinsmitgliedschaft. DAFV-Sprecher Olaf Lindner sagte MDR AKTUELL, laut Umfragen gehen bundesweit etwa 6,5 Millionen Menschen mindestens einmal im Jahr fischen.

In Sachsen überschritt nach Verbandsangaben die Mitgliederzahl 2020 die Marke von 45.000. Aktuell sind 41.000 Erwachsene und etwa 5.300 Jugendliche bis 16 Jahren in drei Regionalverbänden mit etwa 600 lokalen Vereinen organisiert. Der Anglerverband in Sachsen-Anhalt zählt derzeit etwa 43.000 Mitglieder in über 100 lokalen Vereinen, ein stetiges Plus seit Überspringen der 40.000er-Marke vor zehn Jahren. Der Landesanglerverband Thüringen hat nach eigenen Angaben etwa 17.700 Mitglieder in 225 Vereinen.

Was finden Frauen am Angeln?

Als eine der wenigen Freizeitaktivitäten war Angeln kaum von den Corona-Beschränkungen betroffen. So haben viele einstige Angler ihr Hobby wiederbelebt und viele neue sind dazugekommen – darunter viele Frauen sowie Kinder und Jugendliche. Der sächsische Anglerverband meldete 2020 etwa 2.400 Neuzugänge, davor waren es 700 bis 1.000 pro Jahr.

Zwar erfassen die Landesverbände in der Regel nicht das Geschlecht, doch sie beobachten seit einiger Zeit den Trend, dass immer mehr Frauen den Angelschein machen. Dem Bundesverband zufolge registrierte Hessen zuletzt etwa 17 Prozent weibliche Neuanmeldungen. Zuvor habe der Anteil im einstelligen Prozentbereich gelegen.

Gerhard Jarosz vom Landesverband Sachsen-Anhalt erklärt, vor zehn Jahren habe es fast keine Frauen in den Angelvereinen gegeben, das sei inzwischen anders. Auch habe die Corona-Krise vielleicht zu einer gewissen digitalen Erschöpfung geführt und einer Art Rückbesinnung auf die Natur.

Wird Angeln zum Familien-Hobby?

Jarosz sieht schon länger einen Trend weg vom Angeln als Männerdomäne hin zur Familienaktivität. Das Image vom einsamen Angler stimme längst nicht mehr. Die Angelvereine machten Jugendarbeit, organisierten Paarangeln oder Seniorenangeln und veranstalteten Angler- oder Teichfeste für alle. Angler seien gesellig und engagierten sich aktiv für den Naturschutz. Jarosz betont: Angeln sei vielfältig und modern.

Angeln ist nachhaltig, mit einem geringen ökologischen Fußabdruck. Selbstgefangener Fisch ist ein hochwertiges Nahrungsmittel.

Gerhard Jarosz vom Anglerverband Sachsen-Anhalt

Martin Schuster vom sächsischen Verband vermutet ebenfalls einen Trend hin zum Angeln in Familie. Offenbar interessierten sich verstärkt Frauen mit ihren Männern und Kindern für dieses gemeinsame naturnahe Hobby.

Wer darf angeln?

Um in Deutschland angeln zu dürfen, sind Vorgaben zu erfüllen: Man benötigt einen Fischereischein als Nachweis für eine erfolgreiche Sachkundeprüfung sowie einen Erlaubnisschein für das jeweilige Gewässer.

Fischereiaufseher überprüfen einen Angler
Ein Fischereiaufseher kontrollieren einen Angler. Bildrechte: dpa

Kinder bis neun oder zehn Jahre (je nach Bundesland) dürfen in Begleitung Volljähriger angeln, wenn diese einen Fischereischein sowie einen Erlaubnisschein haben. Minderjährige bis 16 können mit Jugendfischereischein (ohne Prüfung) und Erlaubnis in Begleitung eines volljährigen Fischereischeinbesitzers angeln. Ab 14 Jahren ist eine Fischereiprüfung möglich. Ab 16 Jahren und für Erwachsene sind ein Fischerei- und ein Erlaubnisschein nötig. Daneben erlauben einige Bundesländer wie Sachsen-Anhalt und Brandenburg das Angeln mit einer Rute auf Friedfische auch ohne Fischerprüfung.

Wer beim Schwarzangeln oder bei Ausübung illegaler Fangmethoden erwischt wird, muss mit Geldstrafen bis 75.000 Euro oder sogar Haftstrafen rechnen.

Was ist der Unterschied zwischen Angelschein und Erlaubnisschein?

Der Fischereischein (Angelschein) ist die Genehmigung zum Angeln, er ist personengebunden und unbegrenzt gültig. Der Vorbereitungslehrgang dauert 30 Unterrichtsstunden, besteht aus einem theoretischen und praktischen Teil mit Abschlussprüfung.

Kinder üben die Zuordnung verschiedner Fischarten
Anglerverbände organisieren die Kurse für organisierte Angler. Bildrechte: dpa

Der Erlaubnisschein berechtigt, in bestimmten Gewässern zu angeln. Er wird von Regionalverbänden an Vereinsmitglieder ausgestellt und kostet in Sachsen und Thüringen pro Jahr 100 Euro, in Sachsen-Anhalt 60 Euro. Teils darf damit auch in anderen Bundesländern geangelt werden und es gibt preiswerte Zusatzkarten für einen größtenteils ostdeutschen Gewässerfonds.

Für Besucher und Gäste gibt es Tages-, Wochen- oder Touristenfischereischeine, um regional zeitlich begrenzt angeln zu dürfen. Daneben gibt es Ausnahmen an Angelteichen oder Forellenseen privater Betreiber. Preisbeispiele für Gastangelkarten in Thüringen.

Was braucht man zum Angeln?

Köder und Angelhaken
Verschiedene Angelhaken und Köder. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Allgemein braucht man zum Fischen eine Rute, Angelschnur (mit Rolle), Haken und Köder. Ganz wichtig: die Angelpapiere. Alles Weitere hängt davon ab, an welchem Gewässer man welchen Fischarten nachstellt. Dazu kommen noch ein Maßband sowie Waage und eine Zange (Hakenlöser). Zur Grundausrüstung gehören auch Kescher, Fischbetäuber und ein Messer. Das spezielle Equipment (Art der Rute, Rolle, Schnur, Posen, Gewichte , Köder usw.) richtet sich nach dem Zielfisch, ob man Fried- oder Raubfische jagt, mit Naturköder angelt oder Spinnfischen geht.

Wo kann man Angeln in Mitteldeutschland?

Sachsen bietet Anglern zahlreiche attraktive Stand- wie Fließgewässer. Beliebt bei Anglern sind die Zwickauer und  Freiberger Mulde, die sich zur Mulde vereinigen sowie die Zschopau. Die Talsperre Eibenstock gilt als Salmonidengewässer, einen guten Ruf haben auch die Talsperren Dröda und Koberbach, sowie der Flachlandstausee Bautzen. Der Groß Leuthener See im Spreewald eignet sich vor allem für das Angeln vom Boot aus. Der Ammelshainer See bei Leipzig ist für seine Raubfische bekannt. Auch die Elbe hat dank verbesserter Wasserqualität wieder einen guten Fischbestand.

familie beim Angeln
Eine Familie beim Angeln. Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt gibt es auf einer Gesamtwasserfläche von 433 Quadratkilometern einen vielfältigen Fischbestand. Der Muldenstausee ist vor allem für seine Zander bekannt. Weitere bekannte Angelreviere sind der Geiseltalsee, der Landschaftssee Köckern und der Goitzschesee mit seinem Raubfischbestand. Im Südosten  kann auch an der Saale geangelt werden, ebenso in der Elbe. Bei Magdeburg hat der Biederitzer See gute Fischbestände.

In Thüringen sind die Bleilochtalsperre, der Stausee Hohenwarte oder die Talsperren Walsburg und Zeulenroda beliebte Angelreviere. Auch die Saale ist ein Angel-Hotspot und eignet sich an vielen Stellen fürs Fliegenfischen und Spinnangeln. Am Fluss Felda bei Frankenhain können Fliegenfischer Bach- und  Regenbogenforellen, Äschen und teilweise auch Bachsaiblinge fangen.

Die Gewässerordnung der Anglerverbände regelt entsprechend gesetzlicher Bestimmungen jede Form des Angelns.

Was sind die beliebtesten Fische für Freizeitangler?

In den Gewässern in  Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen lebt eine Vielzahl Fischarten.

Fischzubereitung mit Messer
Der Fang, hier eine Forelle, wird in der Regel artgerecht getötet und frisch zubereitet. Bildrechte: dpa

Das reicht von Friedfischen wie Rotfeder, Plötze, Schlei, Karausche, Barbe und Karpfenfischen bis hin zum Aal. Diese Fische werden mit einfachen Haken und Würmern, Maden oder Kartoffel als Köder geangelt. Zu den Raubfischen zählen Arten, die sich von anderen Fischen und Krebstieren ernähren. Typische Vertreter sind Hecht, Barsch, Zander, Wels, Forellen, Döbel und lachsartige wie die Äsche. Sie werden mit natürlichen Köderfischen oder Kunstködern geangelt. Bei einigen Arten sind Mindestfanggröße und Schonzeiten zu beachten.

Gefährdet Angeln die Fischbestände?

Freizeitangler haben nach Angaben der Verbände keinen ernsthaften Einfluss auf die Fischbestände in Seen und Flüssen. Martin Schuster vom Anglerverband Sachsen erläutert, die Fangmengen stiegen nicht proportional zur Zahl der Anglerinnen und Angler, sie verteilten sich vielmehr. Gebe es einen ernsthaften Bestandsrückgang, könnten die regionalen Gewässerbewirtschafter Fischereiverbote aussprechen.

DAFV-Sprecher Lindner erläutert, Schutzmaßnahmen wie Schonzeiten und Mindestmaße sorgten für den Bestandsschutz. Zudem würden nur begrenzt Erlaubnisscheine ausgestellt.
Geschützte Fischarten, Schonzeiten und Mindestmaße in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Angler = Umweltschützer?

Die Anglerverbände in Deutschland betonen, dass sie sich als Umwelt- und Klimaschützer sehen. DAFV-Sprecher Lindner erklärt, Angeln sei ökologisch und nachhaltig. Der CO2-Fußabdruck von selbstgefangenem Fisch sei geringer als bei vielem Gemüse. Es gebe auch kaum Aufbewahrungsaufwand, Verpackung und keine langen Transportwege wie etwa beim Fisch aus dem Supermarkt. Geangelter Fisch sei zudem gesünder als Zuchtfisch aus Aquakulturen.

Lindner zufolge leisten Angelvereine und deren Mitglieder jedes Jahr viele ehrenamtliche Arbeitsstunden im Millionenwert für den Gewässerschutz. Sie beteiligten sich auch an Gesetzesinitiativen gegen eine Überdüngung der Felder oder für breitere Gewässerrandstreifen und klagten bei Verstößen gegen Wasserrahmenrichtlinien.

Gunter Gasde (l) und Dietmar Schönitz, Angler, entlassen junge Aale aus einem Behälter in den Fluss Schwarze Elster.
Angler setzen junge Aale in die Schwarze Elster aus. Bildrechte: dpa

Gerhard Jarosz vom Verband Sachsen-Anhalt ergänzt, alle Anglervereine verpflichteten sich zur Hege und Pflege der Gewässer und Fischbestände. Die Mitglieder finanzierten etwa Studien zum Schutz, kauften Fischnachwuchs an und protestierten auch gegen die Verbauung von Flüssen. Seiner Erfahrung nach kommen neun von zehn Hinweisen oder Anzeigen zu Gewässerverunreinigungen oder Fischkrankheiten von Anglern.

Als Beispiel für das Engagement der Angler beim Umweltschutz führt Jarosz ein Projekt zur Wiederbelebung eines Altarms der Helme an. Er kritisiert zugleich, dass die Angler als Umweltschützer nicht stark genug wahrgenommen würden und wünscht sich von der Politik eine gleichberechtigte Förderung.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | MDR RADIO | 28. Mai 2021 | 11:45 Uhr

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